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«Wenn ich träume, bin ich Fussgänger.»

Felice Mastrovita in seinem Zimmer

Felice Mastrovita in seinem Zimmer

Nach einem Autounfall vor zwölf Jahren erhielt Felice Mastrovita den Bescheid: Inkomplette Paraplegie. Dass er in seinen Träumen als Fussgänger unterwegs ist, findet der amtierende Mister Handicap wunderbar. Er nutzt seine Wahl, um Brücken zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu schlagen.

Zeitraubende Morgentoilette

Mein poppiges Radio steht in der Küche. Um 8 Uhr geht laute Musik an, ich meine: richtig laute Musik. Aufstehen ist also keine Frage, und ich freue mich auf mein Käfeli. Dann geht’s für fast zwei Stunden ins Badezimmer; auch bei inkompletter
Lähmung ist die Morgentoilette zeitraubend. Vor wenigen Monaten, bevor ich meinen Schäferhund Mito einschläfern lassen musste, sah mein Tagesbeginn anders aus. Da stand der Morgenspaziergang mit ihm an erster Stelle. Mito vermisse ich noch immer.
Ganz bestimmt werde ich irgendwann wieder einen Hund als Gefährten haben.

Sport ist Traum und Ziel

Ich träume oft und intensiv. Selbst nach zwölf Jahren im Rollstuhl bin ich in meinen Träumen Fussgänger geblieben. Früher war dies schwierig zu verkraften, inzwischen gefallen mir diese Träume. Ich kann dann Fussballspielen und den Ball mit den Füssen jonglieren. Wunderbar, diese Kombination von Traum und Erinnerung! Ein Grossteil des Tages ist dem Körpertraining auf meinen verschiedenen Sportgeräten gewidmet. Rennstuhl-Marathon ist mein nächstes Ziel. Ich trainiere wöchentlich auf der Rennbahn der Sport Arena Nottwil. Unterstützt werde ich vom Nationaltrainer, der auch Weltmeister Marcel Hug coacht. Das motiviert und bringt mich weiter. Sportlich nehme ich auch die Hausarbeit. Ich bin stolz darauf, dass ich als Single den Haushalt selber erledige. Ohne Fensterputzen und Hemdenbügeln natürlich. Hier springt mein Mami ein.

Der Rollstuhl und ich

Mich mit dem Rollstuhl eins fühlen, das kann ich nicht! Aber ich habe mich recht gut mit ihm angefreundet. Von meinem neuen aus Carbon schwärme ich fast gleich wie von einer attraktiven Frau: Er hat Stil, ist formschön, leicht und wendig. Es ist, als würde ich damit durch die Gegend tanzen. Dennoch: Als Heizungsmonteur werde ich auch damit nie mehr arbeiten können. Wie habe ich meinen Beruf geliebt: ‹meche›, löten und schweissen, das war meine Welt. Heute arbeite ich als Berater bei einer Firma für Hilfsmittel. Ich kann den Kunden meine Erfahrung mit Rollstühlen und Sportgeräten für Rollstuhlfahrer weitergeben. Besonders gerne löse ich Probleme; gibt es dabei sogar etwas in der Werkstatt zu tun, dann bin ich glücklich.

Mister Handicap unterwegs

Eine Kollegin hat mich für die Mister-Handicap-Wahl angemeldet. Dass ich gewählt wurde, freut mich riesig. Als Botschafter für Menschen mit einer Behinderung setzte ich mich während meiner Amtszeit aus Überzeugung und mit viel Begeisterung für die damit verbundenen Aufgaben ein. So freue ich mich über die Einladung der Schweizer Paraplegiker-Gruppe. Anlässlich ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten sind Miss Handicap Andrea Berger und ich für eine Autogrammstunde vorgesehen. Kürzlich hatte ich eine Verpflichtung im Gotthelf-Zentrum in Lützelflüh im Emmental, tags darauf war ich in Luzern Ehrengast an einem barrierefreien Erlebnistag im Rahmen von ‹Rigi für alle›. Auf dem Rigi-Panoramaweg interessierten sich die Wanderer für das Zuggerät vor meinem Rollstuhl. Mich anzusprechen aber, getrauten sie sich nicht. In solchen Situationen ist es an mir, ein Gespräch anzufangen. Spontane Konversationen dieser Art fallen mir leicht. Das gehört zu meinen Aufgaben als Mister Handicap. Nein, dies steht in keinem Widerspruch zu meiner sonst so ausgeprägten Schüchternheit!

Bildquelle: www.misshandicap.ch

Inklusion leben

Freizeit- und Kulturzugänglichkeit für Menschen mit Behinderung zu verbessern, ist mein Anliegen. Es hat mich begeistert, dass ich dieses Thema für mein Mister-Handicap-Jahr wählen konnte. An öffentlichen Veranstaltungen bin ich oft der Einzige im Rollstuhl. Das bedrückt mich. Kann ich diese Situation beeinflussen? Im Rahmen meiner Botschaftertätigkeit bin ich gerade an der Umsetzung eines Projekts, das versucht, Impulse zu geben: So bilde ich in verschiedenen Städten Gruppen von Rollstuhlfahrern und Fussgängern, die gemeinsam ausgehen. Ich zähle auf meinen Bekanntenkreis und auf Interessierte, die sich bei mir melden. Inklusion ist das Ziel. Damit Inklusion aber tatsächlich gelebt werden kann, müssen wir alle unseren Teil beitragen.

Zur Person

Der Autounfall geschah am 29. Juli 2003 auf dem Weg zur Geburtstagsfeier seiner Mutter. Die inkomplette Paraplegie infolge verletzten Rückenmarks im Brustkorb-Bereich bedeutet für den jungen Mann, dass seine Beine zwar nicht ganz gefühllos sind und er sie leicht bewegen, aber weder stehen noch an Stöcken gehen kann. Der gebürtige Italiener lebt in Dübendorf und ist Berater für Rollstühle und Sportgeräte. Als Mister Handicap 2014 ist der 33-Jährige noch bis Oktober 2016 Botschafter für Menschen mit Behinderung. Felice Mastrovita träumt davon, zehn Sprachen zu sprechen und eine eigene Familie zu haben.

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