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Jetzt bist du wieder der alte Fäbu!

Jetzt bist du wieder der alte Faebu

Im November 2014 ist Fabian Blum bei einem Doppelsalto schwer zu Boden gestürzt. Das hat das Leben des jungen Turners schlagartig verändert. Nach anfänglicher Verzweiflung hat er sich langsam, aber stetig mit seinem neuen Leben angefreundet. Familie, Kollegen und die Spezialisten im Schweizer Paraplegiker- Zentrum (SPZ) unterstützen ihn dabei. Jetzt freut er sich auf den ersten Fischerausflug im eigenen Boot.

«Ich habe sofort gemekrt, dass etwas nicht stimmte»

«Ich habe den Doppelsalto vorher sicher schon 200 bis 300 Mal gemacht», sagt Fabian Blum. An diesem Samstagvormittag, beim Training des Turnvereins Roggliswil (LU), war alles anders. «Ich hatte eine schwache Sekunde, sie hat mein Leben verändert.» Beim ersten Salto vom Mini-Trampolin öffnete sich sein Körper leicht, so dass es für eine ganze Drehung beim zweiten Salto nicht mehr ganz reichte. Fabian fiel kopfvoran auf die Matte. «Ich habe sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte.» Er lag da und spürte seinen Körper nicht mehr. In den Füssen, die an die Wand drückten, hatte er kein Gefühl mehr. Die linke Hand konnte er nicht mehr bewegen. «Da dachte ich: Das ist etwas Schlimmes.» Es war der 1. November 2014. Fabian war knapp 20 Jahre alt.

Eine Ernüchterung

Dieser Tag hat Fabians Leben auf den Kopf gestellt. Aber er hat ihn nicht aus der Bahn geworfen. Das ist umso bemerkenswerter, als Fabian vor dem Unfall ein ausgeprägter Bewegungsmensch gewesen ist, der regelmässig Sport getrieben hat und am liebsten draussen in der Natur war, auf dem See beim Fischen oder unterwegs mit Kollegen. Die ersten Wochen waren sehr schwierig für mich. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte, ich hatte keine Freude mehr am Leben.» Er war verzweifelt und weinte viel. Wie sollte er sich nur je wieder zurechtfinden können? Zum Glück, sagt er heute, habe er so viel Unterstützung von seiner Familie und seinen Kollegen erfahren. «Sie kamen mich oft besuchen. Das hat mich sehr gefreut.»

Fabian ist von der Brust an abwärts gelähmt. Bei seinem Sturz auf die Matte hatten sich der fünfte und sechste Halswirbel (C5, C6) verschoben und dabei das Rückenmark verletzt. Nach dem Unfall wurde er im Spital in Bern sofort operiert und drei Tage später ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) verlegt. Hier verbrachte er anderthalb Wochen auf der Intensivstation, bevor er auf die Pflegeabteilung wechselte. «Ich konnte am Anfang nicht essen, konnte keine Gabel halten, nichts greifen und packen, und auch mit dem Schlucken hatte ich Probleme.» Ernüchternd war das Erlebnis, als er sich nach zwei Wochen im Bett erstmals aufsetzen wollte, um in den Rollstuhl zu wechseln. «Ich verkrampfte mich sofort und es schmerzte extrem. Ich hatte mich so auf diesen Zeitpunkt gefreut, aber es war gar nicht toll.»

Alles neu gelernt

Doch dann ging es von Woche zu Woche besser. Der Einsatz der Pflegefachpersonen, medizinischen Therapeuten und das Trainingsprogramm zeigten Wirkung. Die Schluckbeschwerden verringerten sich. Nach und nach kehrte in sanfter Dosis auch die Kraft in den Körper zurück. Mit der Zeit konnte er die Finger der rechten Hand wieder ein bisschen krümmen. Fabian hat durchgehalten und die kleinen Erfolge als grosse Fortschritte erlebt. Am meisten, sagt er, sei er durch die andern Rollstuhlfahrer motiviert worden. «Wenn ich deprimiert war, habe ich mir gesagt: Die haben das alles auch durchgemacht und es geschafft. Und wenn sie es schaffen, dann kann ich es auch.»

Nicht zuletzt war er sich bewusst, dass er in einem der weltbesten Zentren für Querschnittgelähmte betreut wurde. «Die Leute hier wissen, was sie machen und wovon sie reden. Das gab mir Zuversicht. Ich hatte grosses Vertrauen und fühlte mich sehr gut aufgehoben. » Mit täglichen Therapien wurde Fabian nach und nach befähigt, verloren geglaubte Fähigkeiten wieder zu aktivieren. «Ich musste praktisch alles neu lernen: Mich anziehen, aufsitzen, essen. Ich lernte, wie ich vom Bett in den Rollstuhl und wieder zurück wechseln konnte, überhaupt das ganze Handling mit dem Rollstuhl.» Neben Physiotherapie und Ergotherapie gehörte auch die Hippotherapie mit dem Pferd zum Therapieplan. «Das Reiten ist gut für das Körperbewusstsein und das Gleichgewicht.» Beim Stadttraining in Luzern und dem Flughafentraining in Zürich Kloten lernte er mit einer Gruppe von Rollstuhlfahrern, sich in den modernen Mobilitätszonen zu bewegen und die Tücken zu meistern. 

Aus dem Stuhl geworfen

Parallel zu den medizinischen Therapien wurde Fabian so früh als möglich auch schulisch gefördert und in seinen beruflichen Perspektiven unterstützt. Mit ParaWork bietet das SPZ Nottwil alle notwendigen Kompetenzen für die berufliche Eingliederung, Aus- und Weiterbildung seiner Patienten an. Fabian befand sich zum Zeitpunkt seines Unfalls im vierten Lehrjahr als Elektroinstallateur. «Im SPZ bekam ich Unterricht in allgemeinbildenden Fächern und in der Berufskunde. Auch Englisch habe ich hier zu lernen begonnen.» Mitte Juni bestand er erfolgreich die schriftliche Prüfung und konnte die Lehre abschliessen – einfach ohne praktischen Teil. In dieser Zeit machte er auch noch eine Projektarbeit: «Ich fertigte spezielle Fischbretter an, wie man sie beim Schleppen von Hechten braucht.» Um sich für die Zukunft zu wappnen, beginnt Fabian im Oktober eine dreijährige Weiterbildung zum Elektroplaner. «Natürlich hätte ich mir lieber eine handwerkliche Tätigkeit gewünscht, bei der ich auch draussen arbeiten kann. Aber aufgrund meiner Lähmung muss ich mich jetzt beruflich auf eine Büroarbeit konzentrieren.» Fabian wird sich zu helfen wissen und den Ausgleich finden. «In den letzten Wochen habe ich mit RollstuhlRugby begonnen. Auch der Rennrollstuhl interessiert mich.» Langsam kehren seine Körperkräfte zurück. In den ersten Wochen seines Aufenthaltes fühlte er sich noch elend. Innerhalb von drei Wochen hatte er zehn Kilo verloren. Im Kraftraum konnte er kaum ein Gewicht stemmen. Das hat sich stark verändert. «Ich verbringe jetzt mehr Zeit im Kraftraum. Ich spüre, wie es vorwärtsgeht.» Spass macht ihm das Rollstuhl-Rugby. «Ich kann mich bewegen, mich austoben, meine Energie loswerden. Die Rollstühle sind so robust gebaut, dass man voll aufeinander losfahren kann.» Er lächelt. «Manchmal wirft es dich auch aus dem Stuhl.»

Ein «Happy Day» für den Fischerfan

Nicht abgehakt hat Fabian das Fischen, seine grosse Leidenschaft. «Ich liebe die Natur, die Stille auf dem See. Ich bin gerne mit meinem Bruder oder mit Kollegen im Boot auf dem See. Wir schauen, wer am meisten fängt, machen Sprüche, necken uns. All das gehört dazu.» Als Kind campierte er mit seinen Eltern oft am Sarnersee. Dort begann er mit Angeln, später machte er einen Fischerkurs und traf erste Fischerkollegen. Zu seinem besten Kumpel ist Uly geworden, den er am Bielersee kennenlernte. Uly war es, der mit Röbi Koller von der SRF-Sendung «Happy Day» in Kontakt trat. Dadurch hat er Fabian Blum einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Und nicht nur ihn zu Tränen gerührt. Denn für Fabian ging ein Herzenswunsch in Erfüllung: «Happy Day» kaufte ein Boot und liess es so umbauen, dass er sich mit dem Rollstuhl darauf bewegen und es auch selber steuern kann – ein Quantensprung für den gelähmten Fischerfan. «Ich war überwältigt, als mir Röbi Koller die Überraschung vorführte. Wieder Fischen zu können, macht mir riesige Freude.» Zur Zeit macht er die Bootsprüfung, damit er einen stärkeren Motor steuern kann. Die Autoprüfung, um ein behindertengerecht umgebautes Fahrzeug zu lenken, hat er schon bestanden.

Zurück nach Hause

Acht Monate nach dem schicksalhaften Novembertag kann Fabian für ein paar Wochen in eine «Übungswohnung » ziehen. Er wird das erste Mal allein mit sich zurechtkommen müssen: sich anziehen, einkaufen, kochen, essen, putzen, aufräumen, Alltagsverpflichtungen wahrnehmen. Die Wohnung befindet sich auf dem SPZ-Areal und bietet dem jungen Tetraplegiker ein Übungsfeld, bevor er aus der Klinik in den privaten Alltag entlassen wird. Fabian hat für den ersten Abend in der neuen Wohnung seinen Vater Erwin, seinen Bruder Pascal und seinen Freund Uly eingeladen. «Ich habe gestern ein paar Sachen zum Kochen eingekauft. Heute Abend werde ich eine Pizza machen.»

Er wird nach diesen wenigen Wochen wieder ins Elternhaus in Pfaffnau zurückkehren, das inzwischen rollstuhlgerecht umgebaut wurde. Es ist ihm noch etwas mulmig zumute. «Hier in Nottwil werde ich bei allem sehr gut unterstützt. Ich weiss noch nicht, wie das zuhause funktionieren wird. Daran zu denken, ist ein etwas komisches Gefühl. Aber ich werde es schon irgendwie schaffen.» Immerhin hat er schon einige Hürden genommen und sein verändertes Leben mit Bravour gemeistert. Sein Bruder Pascal, mit dem er eng verbunden ist, sagte ihm kürzlich: «Jetzt bist du für mich wieder der alte Fäbu. Du sitzt einfach im Rollstuhl, aber sonst bist du der Gleiche!» 

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