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4. Osteoporotische Frakturen und Kollaps der Wirbelsäule

Wirbelkörperfrakturen
Wirbelkörperfrakturen können durch direkte (z.B. Sturz) oder indirekte Gewalteinwirkungen auf die Wirbelsäule ausgelöst werden. Wirbel können aufgrund pathologischer Ursachen, wie z.B. Osteoporose oder einen Befall durch Tumoren oder Metastasen, brechen. In den meisten Fällen sind die Halswirbelsäule sowie die untere Brust- und die obere Lendenwirbelsäule betroffen. Die verletzlichsten Abschnitte sind die Übergänge der unterschiedlichen Krümmungen der Wirbelsäule, auf die besonders grosse Hebel wirken. Traumen mit grosser Gewalt und hoher Rasanz führen häufig zu Begleitverletzungen. So weisen Schwerverletzte in bis zu 20 Prozent Verletzungen des Achsenorgans auf und bedürfen einer Notfallbehandlung in einem multidisziplinären Akutversorgungshaus. Je nach Ausmass der Fraktur ist auch der Spinalkanal (schützender Kanal innerhalb der Wirbelsäule, in dem das Rückenmark verläuft) betroffen, was oft schwerwiegende Folgen wie etwa Teillähmungen oder Querschnittslähmungen hat. Häufig sind durch schwere knöcherne Stoffwechselschäden sogar ganze Wirbelsäulenabschnitte frakturiert und am Einbrechen. Dies führt zur schmerzbedingten Immobilität und Invalidität der oftmals schon älteren Patienten.

Osteoporose
Bei einer Osteoporose wird der Knochen für Brüche anfälliger, da die Knochenmasse gering ist und die Knochensubstanz und -struktur übermässig rasch abgebaut werden. Beinahe 50 Prozent der Frauen über 70 Jahren leiden an Osteoporose (Frauen sind rund doppelt so häufig betroffen wie Männer). Im Zusammenhang mit Calciummangel, anderen Krankheiten oder nach Operationen kann Osteoporose allerdings auch schon bei jüngeren Personen auftreten. Weitere Faktoren, welche eine Osteoporose auslösen können, sind familiäre Veranlagung, Schilddrüsenüberfunktion, Ernährungsfehler, Untergewicht, übermässiger Alkoholkonsum, Tabakkonsum oder Folsäuremangel. Häufig sind Knocheneinbrüche die Folge der Osteoporose. Die erhöhte Frakturanfälligkeit kann das ganze Skelett betreffen.

Sinterung und Sinterungsbruch (Wirbelkörperkollaps)
Unter Sinterung oder Sinterungsbruch versteht man Wirbelbrüche, welche bei stark osteoporotisch veränderten Knochen entstehen. Sie führen oft dazu, dass der Wirbel in sich zusammensackt. Bei jungen Menschen ist eine erhebliche Gewalteinwirkung nötig, um einen Wirbel zu zerbrechen. Bei einem vorgeschädigten Knochen reichen hingegen schon geringe mechanische Kräfte. Ein Sinterungsbruch ist als pathologische Fraktur zu betrachten, da ein gesunder Knochen bei mechanischer Überlastung nicht in dieser Form nachgibt. Gesunde Wirbel bersten oder splittern bei Krafteinwirkungen, bei einem osteoporotischen Wirbel hingegen sackt die brüchige Substanz zusammen und durch den Verlust der Knochensubstanz verlieren die Wirbel an Höhe. In der Folge bilden sich so genannte Keilwirbel, die Wirbelsäule krümmt sich nach vorne, die Körpergrösse nimmt ab und das Verhältnis von Rumpflänge zur Länge von Armen und Beinen wird dysproportional. Der geschä-digte Knochen oder die Bandscheibe kann in den Spinalkanal eingedrückt werden, es kann zu schweren Stenosen des Spinalkanals mit neurologisch zunehmenden Defiziten kommen.

Vertebroplastie
Bei der Vertebroplastie handelt es sich um ein neueres, so genannt minimal-invasives Verfahren zur Behandlung von Frakturen der Wirbelkörper. Es wird zur Stabilisierung osteoporotischer Wirbelbrüche (Sinterungsbruch) verwendet und findet zunehmend auch bei Metastasen in Wirbelkörpern Anwendung. Bei der Vertebroplastie wird dem Patienten unter Lokalanästhesie oder Narkose eine Hohlnadel durch die Bogenwurzeln des betroffenen Wirbels eingeführt. Danach wird Knochenzement in den Wirbelkörper gespritzt, welcher unter Hitzeentwicklung in kurzer Zeit aushärtet.

Kyphoplastie
Bei der Kyphoplastie handelt es sich um eine Variante der Vertebroplastie. Bei dieser Methode wird vor dem Einbringen des Knochenzements ein Hohlraum innerhalb des Wirbels kreiert. Dies kann beispielsweise durch einen Ballon geschehen, der im Wirbelkörper aufgepumpt wird. Auf diese Weise wird versucht, die Deformierung und Höhenminderung der Fraktur zu beheben, was jedoch nur bei instabilen und frischeren Frakturen erwartungsgemäss möglich ist. Im Regelfall ist nach dem Eingriff eine volle Alltags-Belastbarkeit und Mobilität der Patienten gegeben.

Weitere operative Massnahmen bestehen in Dekompressionen, Stabilisationen und augmentierten (zementverstärkten) Rekonstruktionsoperationen, minimal-invasiver und perkutaner Wirbelaufrichtung und Zementierung.

 

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Schweizer Paraplegiker Zentrum
Wirbelsäulenchirurgie / Orthopädie
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