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«Es fühlt sich sehr surreal an»

Das Coronavirus dominiert seit Wochen unseren Alltag. Wie nehmen Patientinnen und Patienten im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) diesen Alltag wahr? Der Thurgauer Michael Hürlimann (27) hat uns Einblick in seinen Spitalalltag gegeben.
 

Text: Manu Marra
Video: Viviane Speranda
Fotos: Walter Eggenberger

Der junge Logistiker aus Arbon (TG) steht kurz vor seiner Entlassung aus der Erstreha. In ein paar Tagen darf er nach Hause. Seit sechs Monaten ist er nun hier. Ein schwerer Sturz aus einem Gebäude machte ihn zum Paraplegiker. An den normalen Spitalalltag im SPZ hat er sich gewöhnt. Die Coronavirus-Pandemie hat aber vieles verändert. Am Anfang konnte er nicht richtig fassen, was nun alles passiert, zumal er als Patient im Spital die Welt draussen nur aus den Medien mitverfolgen kann. «Es fühlt sich sehr surreal an», sagt der 27-Jährige. Im Video erzählt Michael Hürlimann wie der Patientenalltag momentan im SPZ aussieht. 

«Die Ruhe geniessen»

Nach und nach wurden diverse Massnahmen ergriffen. Zu den einschneidendsten gehören für ihn – wie wohl auch für Patienten aller Spitäler – dass er keinen Besuch mehr empfangen darf. Ebenso reut es ihn, dass die Cafeteria nur noch zu gewissen Zeiten offen ist – ein Ort, an dem er sich sonst häufig länger aufgehalten und sich mit anderen Patienten ausgetauscht hatte. Doch er hat sich an alles gewöhnt. Und mit seinen Freunden steht er trotzdem in regelmässigem Kontakt. Per Telefon, WhatsApp, SMS oder auch zwischendurch via Videocall. Und es hat aus seiner Sicht auch alles seine guten Seiten. «Man hat natürlich viel mehr Zeit um die Ruhe zu geniessen und in sich zu gehen.»

«Es ist etwas ungewiss, aber es kommt gut!»

Keine Angst vor dem Virus

Trotz aller Veränderungen fühlt er sich im SPZ sehr gut aufgehoben. Er findet, dass sich das Personal sehr professionell und sehr zuvorkommend verhält. Aber er spürt auch eine gewisse Unsicherheit beim Personal, von dem, was nun noch kommen könnte. Er selbst hat keine Angst vor dem Virus. «Wenn es mich nimmt, dann nimmt es mich», sagt er. Mehr als an die Massnahmen des Bundes halten könne er sich nicht. Auch sein Zimmernachbar, der schon über 70 Jahre alt ist, nimmt es laut Hürlimann gelassen. Ganz grundsätzlich hat er den Eindruck, dass die Patienten derzeit noch eher locker mit dem Thema umgehen.

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Ein Sprung ins kalte Wasser

In ein paar Tagen darf Michael nach Hause. Zurück in den Alltag, der jedoch aufgrund der aktuellen Situation ganz anders ist, als zum Zeitpunkt seines Unfalls. Doch der Thurgauer macht sich derzeit weniger Gedanken wegen des Virus. Vielmehr beschäftigen ihn die generellen Herausforderungen im Alltag, wie sich selber anzuziehen oder selber zu duschen. «Es wird ein Sprung ins kalte Wasser», so der 27-Jährige. Aber er brauche manchmal auch einen gewissen Druck, um wieder Vollgas geben zu können. «Es ist etwas ungewiss, aber es kommt gut!»

 

Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum steht die Gesundheit aller Patientinnen und Patienten aber auch der Mitarbeitenden an oberster Stelle.

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