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«Ich bin sehr dankbar. Ich habe überlebt.»

Als Ferdinand Pulver aus dem Koma erwachte, wurde er durch eine Maschine beatmet und konnte sich nicht bewegen. Er rechnete damit, bald zu sterben...

Bei einer Motorradtour im Schwarzwald passiert der fatale Unfall: Der 41-jährige Ferdinand Pulver wird frontal von einem Auto erfasst. Einige Tage später erwacht er in einem Spital, kann sich aber an nichts erinnern. Dass er von nun an querschnittgelähmt ist, scheint für ihn das kleinste Problem. Denn er rechnet bereits fest damit, dass er nicht überleben wird…

Text: Renate Huber
Bilder: Walter Eggenberger / Ferdinand Pulver / zVg.

«Es hat mir keine Sorge gemacht, bald zu sterben.»

Seit seinem 18. Lebensjahr war Motorradfahrern eine grosse Leidenschaft von Ferdinand Pulver. Er betrieb dieses Hobby sehr gerne und dementsprechend oft. So auch am Montagnachmittag, 30. April 2007: Er war mit seiner Maschine im Schwarzwald unterwegs und wurde dort frontal von einem Auto erfasst. Einige Tage später erwachte er im Spital, wurde künstlich beatmet und konnte sich nicht bewegen. Am Oberkörper war fast alles gebrochen und ein Lungenflügel war kollabiert – entsprechend hilflos lag er im Bett. Er wusste nicht, wo er war. Es war ihm auch egal. «Ich war so sediert und mitgenommen, dass dies keine Rolle spielte.»

Ferdinand erzählt: «Nach zwei bis drei Tagen wurde ich aus dem Koma geholt und ich erkannte niemanden, nicht mal meine Familie.» Später habe er sich eine Eselsbrücke gebaut: Diejenigen Personen mit Poloshirts (also das Pflegefachpersonal) kenne er nicht. Und bei den Personen, die anders gekleidet waren, müsse er sich mehr bemühen, die sollte er eigentlich kennen. «Man redete auf mich ein, erklärte mir meine Situation und dass ich von nun an Paraplegiker sei.» Ferdinand Pulver erinnert sich: «Ich habe dies damals zur Kenntnis genommen, aber mir gesagt, dass ich momentan andere Probleme zu bewältigen habe.»

 

«Heute habe ich keine Angst mehr vor dem Tod.»

Denn künstlich beatmet zu werden, nichts bewegen zu können und keine Personen mehr zu erkennen – es bräuchte nur eine kleine Infektion und dann… «Mehrere Tage lang habe ich deshalb damit gerechnet, bald zu sterben.» Er musste sich mit dem Tod auseinandersetzen, aber dieses Thema erschreckte den Basler nicht sonderlich: «Es hat mir keine Sorgen gemacht, zu gehen». Er wusste, dass er mit seinen mehr als 40 Jahren viel erlebt und nichts im Leben verpasst hatte. Seine Familie, insbesondere sein damals 2-jähriger Sohn, tat ihm jedoch sehr leid. «Ich habe mir gesagt, dass ihre Trauer einige Zeit anhalten und ihr Leben danach weitergehen würde.» Diese Vorstellung habe ihn beruhigt.

Mit ruhiger Stimme erklärt mir Ferdinand: «In so einer Situation gibt es dieses Gefühl in dir selbst, das dich dazu veranlasst, dir über das Ende Gedanken zu machen. Diese Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Sterben waren für mich absolut positiv.» Heute habe er keine Angst mehr vor dem Tod.

Ferdinand Pulver

Ferdinand mit seinem Sohn Felix (13-jährig). Felix war beim Unfall zwei Jahre alt und kann sich sogar noch daran erinnern! 

Wie hat der Basler überlebt?

Ferdinand Pulver wurde mehrmals operiert und verbrachte knapp einen Monat auf der Intensivstation: zuerst zehn Tage in Basel, weitere zweieinhalb Wochen im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil. Wie hat er diese Zeit in Erinnerung? «Auf der Intensivstation spielt es keine Rolle, ob es Tag oder Nacht ist, regnet oder die Sonne scheint, welche Jahres- oder Uhrzeit ist.» Man nehme es Stunde für Stunde. Insbesondere, wenn man künstlich beatmet wird. «Das ist ziemlich übel», erzählt Ferdinand «entweder hast du zu wenig Luft und dadurch das Gefühl, zu ersticken oder es bläst dich zu sehr auf.» Schlafen sei enorm schwierig. Das Licht, die Geräusche, die sich kreisenden Gedanken… All dies sei prägend für ihn gewesen, denn er erlebte es stets bei vollem Bewusstsein.

 

«Die Erkenntnis, querschnittgelähmt zu sein, war brutal!»

Nach einem Monat wurde der Beatmungsschlauch entfernt und er konnte das erste Mal sprechen. Bis dahin konnte er sich nur mit Gesten verständigen. Ausserdem hatte er einen Notizblock in Griffweite. So konnte er sich schriftlich oder mit kleinen Zeichnungen verständigen, wenn die Kommunikation über Mimik und Gestik nicht möglich war. Erstaunlicherweise konnte er trotz der schweren Verletzungen bereits am nächsten Tag komplett selbstständig atmen. Deshalb wurde er bald darauf zum ersten Mal im Bett aufrecht hingesetzt. Doch nach dieser langen Zeit des Liegens spielte zuerst sein Kreislauf verrückt. Als es ihm nach ca. zehn Minuten besser ging, wurde ihm seine Querschnittlähmung schlagartig bewusst. «Diese Erkenntnis war brutal. Ich hatte kein Gefühl in den Beinen und keine Rumpf-Stabilisation. Ich krallte mich in die Bettwäsche, mir war schwindlig, man musste mich festhalten», schildert Ferdinand.

Nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte, wurde er im Rollstuhl in sein Zimmer gefahren, welches er nach der Intensivstation beziehen konnte. Die schöne Aussicht auf den See und die Berge half ihm darüber hinweg, die nächsten Monate in Rehabilitation zu sein. «Als ich dieses Zimmer gesehen habe, wurde mir klar: Ich habe überlebt, nun mache ich etwas daraus!»

Ferdinand Pulver

Der 53-Jährige ist täglich mit seinem Handbike unterwegs. Dies gibt ihm Motivation und hält ihn fit. «Bevor ich mein Handbike verkaufe, verkaufe ich lieber mein Auto.»

Lesen Sie nächste Woche, was sein Sohn Felix durch den Unfall gelernt hat und wie sich das Leben von Ferdinand Pulver als Rollstuhlfahrer verändert hat...

 

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