Zu den wesentlichsten Umweltbarrieren für Querschnittgelähmte gehören die physische Umgebung und die Personenbeförderung. Die Reintegration in die Gemeinschaft hängt davon ab,  inwieweit ein  Betroffener Umweltbarrieren überwinden kann.

Die UN-Konvention für Rechte von Menschen mit Behinderungen (BRK) hebt speziell die Bedeutung der Zugänglichkeit hervor. Gebäude und Personenbeförderung eingeschlossen. Zugänglichkeit garantiert das Recht, ein unabhängiges Leben zu führen und in allen Lebensbereichen voll teilhaben zu können. Massnahmen, um die Zugänglichkeit zu verbessern, sollten dem Bedarfsspektrum von Querschnittgelähmten entsprechen. Als Beispiel:

Es ist entscheidend, eine Unterkunft rollstuhlgängig zu machen, ansonsten kann die betroffene Person sich nicht in ihrem persönlichen Umfeld eigenständig bewegen. Sie kann die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen und nicht an Bildung, Arbeit oder anderen sozialen Aktivitäten teilhaben.

Länder, die die BRK ratifiziert haben, müssen ihre Fortschritte zur vollständigen Zugänglichkeit mit Daten belegen.

Übrigens: ist Zugänglichkeit für Querschnittgelähmte gewährleistet, hat es auch die restliche Bevölkerung einfacher, sich fortzubewegen.

Es ist entscheidend, eine Unterkunft rollstuhlgängig zu machen, ansonsten kann die betroffene Person sich nicht in ihrem persönlichen Umfeld eigenständig bewegen. Sie kann die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen und nicht an Bildung, Arbeit oder anderen sozialen Aktivitäten teilhaben.

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Barrieren für Menschen mit Querschnittlähmung

  • bad-umgebaut

    Das Bad ist so umgebaut, dass die Betroffenen eigenständig handeln können. 

    Das Zuhause stellt die wichtigste Umwelt im Leben dar. Problematisch wird es, wenn Querschnittgelähmte daheim mit Barrieren wie Treppenstufen, zu kleinen Badezimmern und nicht zugänglichen Küchen konfrontiert sind und sie deswegen im Krankenhaus bleiben müssen. Ein zugängliches Zuhause wäre weniger kostenintensiv, gesundheitsfördernder für die Betroffenen und auch entlastender für das Pflegepersonal.

    Der ungedeckte Bedarf an zugänglichen Unterkünften ist ein weltweites Problem. Fehlt eine passende Unterkunft, könnten Sozialwohnungen eine Alternative sein. Doch die wenigsten sind zureichend rollstuhlgängig und wenn, bewohnen sie nicht-behinderte Personen.

    Mögliche Massnahmen

    Einfache Anpassungen der häuslichen Umwelt sind schon möglich mit:

    • Rampen
    • Reibungsarmen Bodenbelägen
    • Abgesenkten Arbeitsflächen

     Kostspieligere Veränderungen sind zum Beispiel:

    • Treppenlifte
    • Aufzüge
    • Sprechanlage
    • Kontrollsysteme

    Wichtig wär es, Informationen für Bauherren zur Verfügung stellen, z.B. Informationen über Platzbedarf und andere Details beim Nachrüsten von Häusern für Rollstuhlfahrer. Ausserdem sollten Architekten Zugänglichkeit schon bei neuen Wohngebäuden berücksichtigen.

  • treppenlift

    Treppenlifte helfen Treppenstufen zu überwinden.

    Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ist notwendig, um an Bildung, Arbeit und sozialen Aktivitäten teilhaben zu können. Öffentliche Verkehrsmittel sind für Querschnittgelähmte oft nicht zugänglich. Es fehlen:

    • Rampen
    • Lifte
    • Sicherheitsgurtsysteme

    Diese werden nur dürftig instandgehalten oder sind nicht sicher. Auch kommt es häufig vor, dass Fahrer mit der Anwendung der verfügbaren Zugänglichkeitshilfen nicht vertraut sind.

    Auch weitere Barrieren sind vorhanden:

    • Barrierefreie Taxis oder auch die Bahn verlangen möglicherweise eine Buchung mehrere Tage im Voraus. Dies macht die Betroffenen abhängig und nicht flexibel.
    • Ein eigenes Auto kann als Alternative in Frage kommen, sofern dies finanziell und technisch geht. Die Kosten für Fahrzeugumbau, Fahrtauglichkeitsprüfungen etc. können jedoch untragbar hoch sein.
    • Flughäfen und Fluggesellschaften sollten über Vorrichtungen verfügen, die es Querschnittgelähmten ermöglichen zu fliegen. Die Toiletten sind in Flugzeugen jedoch oft nicht zugänglich.

    Diesen praktischen Problemen liegen Systemmängel zugrunde. Selbst wenn es Gesetze gibt, die explizit Mobilität und Zugänglichkeit für öffentliche Verkehrsmittel verlangen, werden diese oft nicht rechtlich durchgesetzt.

    Der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln kann am besten mit umfassenden politischen Massnahmen verbessert werden. Kontrolliert von einer verantwortlichen Behörde unter Beteiligung von Menschen mit Behinderungen. Es ist wirtschaftlicher und kostengünstiger, gleich beim Design von Verkehrsmitteln darauf zu achten, dass sie barrierefrei sind, anstatt später nachzurüsten.

  • Mit dem Rollstuhl zu verreisen, braucht etwas mehr Planung und organisatorische Überlegungen. Ebenso eine Portion Flexibilität und  Kreativität. Oft gilt es, zusätzlich und vorab zu informieren, dass man im Rollstuhl sitzt und welche Bedürfnisse man hat.

    Im Internet finden sich rollstuhlgerechte Unterkünfte. Diese sind auf den Hotelwebsites nicht immer einfach auszumachen. Aber Achtung:

    • Die Beschreibungen «rollstuhlgeeignet»  und «behindertengerecht» können vieles bedeuten.
    • Es empfiehlt sich, nachzufragen, wie rollstuhlgängig ein Zimmer wirklich ist; z.B. Stufen im Eintrittsbereich, Türbreite, Gangbreite im Zimmer (Rollstuhl drehen), Betthöhe, Duschsitz, evtl. Gartenstuhl zum Duschen usw.

    Websites oder Apps zu Reisen im Rollstuhl bieten Hilfe. Wheelmap.org zeigt etwa auf, ob das  Reiseziel dort auch als rollstuhlgerecht gekennzeichnet ist.

    Auch spezialisierte Anbieter für Rollstuhl-Reisen gibt es. Beispielsweise bietet die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung einen eigenen Reisekatalog und Beratung diesbezüglich an.

    Öffentliche Verkehrsmittel – Bahn / Bus / Schiff

    Viele der öffentlichen Verkehrsmittel sind  heutzutage rollstuhlgängig. Es empfiehlt sich jedoch, sich vorgängig gut zu informieren.

    • Wie  rollstuhlgängig ist der Zug, der Bus oder das Schiff?
    • Muss man sich vorab anmelden? (Oft 24 Stunden telefonisch im Voraus.)
    • Wie zugänglich ist der Bahnsteig? Ebenerdig oder hoch? Gibt es eine Hebebühne?
    • Gibt es eine rollstuhlgängige Toilette?

    Flugzeug

    reisen-im-rollstuhl-flughafen

    Die meisten Flughäfen bieten Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung an.

    Heutzutage haben die meisten Flughäfen die  Dienstleistungen für Menschen mit einer Behinderung vereinheitlicht. Typischerweise eine Organisation, die Menschen mit Behinderungen vom Check-in bis ins Flugzeug begleitet.

    transferstuhl-in-flugzeug

    «Aisle chair» für den Transfer ins Flugzeug.

    • Vor dem Einsteigen ins Flugzeug muss man auf einen «aisle chair» transferieren. Das ist ein schmaler Sitz auf Rädern, mit dem das Flugpersonal Querschnittgelähmte durch die engen Gänge des Flugzeugs zu ihrem Sitz manövriert.
    • Das  Flugpersonal hilft beim Ein- und Aussteigen sowie beim Verstauen des Gepäcks. Es bietet aber keine Pflege an, weder am Sitz noch auf der Toilette. 

    Öffentliche Toiletten

    Digitale Medien helfen bei der Suche von rollstuhlgängigen WCs. 

    • Es gibt für viele Reiseziele spezielle WC-Apps für Smartphones oder Internetseiten für WC-Finder.
    • In der Schweiz, Deutschland, Österreich und Tschechien ist der Euro Key weit verbreitet. Er ermöglicht nicht nur den Zutritt zu Behindertentoiletten, sondern lässt sich auch für Treppenlifte nutzen. Es gibt zudem eine Smartphone-App, auf welcher die Standorte gefunden werden können.
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    Kopfsteinpflaster können die Zugänglichkeit zu Orten und Gebäuden einschränken.

    Unzugängliche öffentlichen Gebäude können die Teilhabe von Querschnittgelähmten beeinträchtigen. Folgende  Bereiche sind  für die Zugänglichkeit von Rollstuhlfahrern wesentlich:

    • Parken
    • Wege zu öffentlichen Gebäuden 
    • Steigung von Rampen 
    • Eingänge
    • Toiletten

    Weitere Faktoren, die die Zugänglichkeit zu öffentlichen Gebäuden einschränken sind:

    • Türen und fehlende Handgriffe: Oft zu schwer zu öffnen für Menschen mit Querschnittlähmung
    • Unebene Gehsteige
    • Kopfsteinpflaster
    • Enge Durchgänge
    • Steiles Gelände
    • Nicht vorhandene abgeschrägte Randsteine

    Auch wenn Gesetze, politische Konzepte und Normen vorhanden sind, nützt es wenig, wenn diese nicht durchgesetzt werden. In allen Bereichen stehen der Zugänglichkeit folgende Faktoren im Weg:

    • Es fehlen Regulierungsrahmen und Zugänglichkeitsstandards.
    • Es sind wenig Durchsetzungsmechanismen vorhanden.
    • Es mangelt an finanziellen Ressourcen.
    • Institutionelle Beschränkungen, wenn Behörden und der öffentliche und private Sektor wenig oder nicht zusammenarbeiten.
    • Es fehlt an Bewusstsein über das Bedürfnis und die Vorteile von Zugänglichkeit auf allen Ebenen.
    • Betroffene wirken nicht bei der Entwicklung und Implementierung von politischen Konzepten mit.

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung unterstützt Zugänglichkeit für Betroffene

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Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung unterstützt beim Wohnungsumbau.

Der Vision der Paraplegiker-Stiftung ist klar: die ganzheitliche Rehabilitation und lebenslange Begleitung und Integration beinhaltet das Vermindern oder Verhindern von Zugänglichkeitsbarrieren für Querschnittgelähmte. Dies ist unabdingbare Voraussetzung für ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben und Lebensqualität. Beispielsweise bietet die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung eigens eine Abteilung für behindertengerechtes Bauen oder bietet Unterstützung bei Freizeit- und Sportaktivitäten. 

«Hindernisfreies Bauen» bringt gesellschaftlichen Nutzen; Rollstuhlfahrer und alte Menschen bleiben so länger selbstständig. 

  • Behindertengerechtes Bauen wird oftmals mit Mehrkosten verbunden. Fälschlicherweise. Denn rollstuhlgängig und behindertengerecht Bauen ist keine Frage des Geldes. Sondern der vorausschauenden Planung.

    Das Zentrum für Hindernisfreies Bauen ist  eine vom Bundesamt für Sozialversicherungen anerkannte Fachstelle. Zum Portfolio gehören:

    • Individuelle Bauberatungen
    • Besprechung mit Behinderten/Eigentümern/Bauherren/ Patienten von Rehakliniken
    • Rekognoszierung/Abklärungen vor Ort
    • Erstellen von ausführlichen Protokollen und auf individuelle Bedürfnisse abgestimmten Skizzen
    • Überprüfen von Konzepten und/oder Plänen
    • Erstellen von Budgets/Kostenrahmen und/oder Ermittlung der Baukosten anhand von Offerten
    • Planung von Um- und Neubauten auf allen Stufen 
    • Baumanagement (Begleitung und Überwachung)
    • Abschlusskontrolle und schlüsselfertige Übergabe
    • Beratung beim Kauf und Verkauf von rollstuhlgängigen Immobilien
    • Erstellen und Versand von Dokumentationsmaterial
    • Vermittlung von hindernisfreiem Wohnraum
    • Öffentlichkeitsarbeit
    • Zusammenarbeit mit Behörden und IV-Stellen
    • Expertisen und Fachberichte für hindernisfreies Bauen

    «Hindernisfreies Bauen» bringt gesellschaftlichen Nutzen; Rollstuhlfahrer und alte Menschen bleiben so länger selbstständig. Folglich lässt sich die Unterbringung der Betroffenen in Heimen vermeiden und es entfallen beträchtliche Sozialkosten.

  • Soziale Aktivitäten sind ein wichtiger Teil des Lebens. Querschnittgelähmte können vielen Hobbys mit angepassten Hilfsmitteln wieder nachgehen. Auch Sportarten wie Kite-Surfing oder  Downhill-Mountainbiking. Hobbys haben unterschiedliche Aspekte:

    • Anderen Menschen begegnen
    • Sich eine neue Fähigkeit aneignen
    • Die Gesundheit verbessern
    • Eine Herausforderung meistern und Selbstvertrauen stärken

    Bereits während des stationären Aufenthalts im Schweizer Paraplegiker-Zentrum können Patienten verschiedene Sportarten und kreatives Gestalten kennen lernen. Sie finden so heraus, was zu ihnen passt und was ihnen gefällt. Sie zeigen auch auf, wo mögliche Hindernisse sein könnten und wie sich diese überwinden lassen.

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