Versorgungsforschung

Die Versorgungsforschung befasst sich mit der Nutzung und Qualität von Gesundheitsdienstleistungen. Wir untersuchen, wie der bedarfsgerechte Zugang zu medizinischen Leistungen für Menschen mit Behinderung in der Schweiz verbessert werden kann, etwa die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten.

Anders als bei Fussgängern muss bei Personen mit Rückenmarkverletzung jede medizinische Abklärung aus paraplegiologischer Sicht erfolgen. Diese wird in den spezialisierten Paraplegie Zentren der Schweiz angeboten. Was fehlt, ist die schweizweite Abdeckung für Nach- und Kontrolluntersuchungen sowie für kleinere, ambulante Behandlungen. Dies erschwert die adäquate Pflege durch nichtspezialisierte Anbieter wie Hausärzte, Spitex, Pflegeheime oder Familienangehörige, die zu Hause die Pflege übernehmen.

Unser Ziel ist, die bestehenden Gesundheitsangebote zu verbessern, damit diese die umfassende, niederschwellige Behandlung von Personen mit Rückenmarksverletzung genauso abdecken wie bei Fussgängern. Dazu machen wir Bedarfsabklärungen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Mit Kooperationsmodellen zwischen Gemeinschaftspraxen und Spezialisten wollen wir das spezialisierte therapeutisch-pflegerische Wissen aus den Zentren in die Hausarztpraxen bringen.

Wir untersuchen die Erschwernisse von pflegenden Familienangehörigen zu Hause. Daraus leiten wir Massnahmen für eine bessere Versorgung ab sowie Möglichkeiten, die eigene Lebensqualität zu steigern. Unsere Erkenntnisse dienen dem Dialog mit relevanten Stellen und Leistungserbringern in der Gesundheitsversorgung mit dem Ziel, das Gesundheitssystem zu verbessern. Betroffenen sollen umfassend informiert werden, damit diese das bestehende medizinische Dienstleistungsangebot möglichst effektiv nutzen können.

Versorgungsforschung Schweizer Paraplegiker-Forschung

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Forschungsprojekte

  • Für pflegebedürftige Personen sind ihre Familienmitglieder die unmittelbarsten, vertrauenswürdigsten und oft günstigsten Erbringer von Pflegeleistungen. In der Schweiz erbringen schätzungsweise mehr als hunderttausend Angehörige Pflegeleistungen im Wert von mehreren Milliarden Franken jährlich und entlasten so die Öffentlichkeit – auf Kosten der eigenen Entwicklung in Beruf, Familie und Freizeit.

    Wir forschen mit und für unterstützende Angehörige von Menschen mit Rückenmarksverletzung. Mittels statistischer Erhebungen und Einzelbefragungen untersuchen wir, wie hoch die erbrachten Pflegeleistungen sind und wie sie die berufliche, familiäre und finanzielle Situation der Pflegenden beeinträchtigen. Unsere Forschung zeigt auf: Welche Faktoren begünstigen das Gleichgewicht zwischen den Verpflichtungen gegenüber dem Familienmitglied und den eigenen Bedürfnissen, und welche schaden ihm? Auf dieser Grundlage erarbeiten wir Lösungen, um die Situation von pflegenden Angehörigen zu verbessern. Das basiert auf individuellen Änderungen für die Person sowie Massnahmen auf politischer Ebene, die dann von den Entscheidungsträgern umgesetzt werden können.

  • In diesem Forschungsschwerpunkt erforschen wir, wie Personen mit Rückenmarksverletzung Gesundheitsdienstleistungen nutzen. Wir evaluieren, inwiefern die Behinderung die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen und die Zufriedenheit mit ihnen beeinträchtigt. Im Speziellen untersuchen wir geographische Faktoren, z. B.:

    • wie stark Personen aus ländlichen Gebieten in der optimalen Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen eingeschränkt sind;
    • ob es Unterschiede zwischen den Sprachregionen gibt, ob diese kulturell bedingt sind oder sich aus der unterschiedlichen Angebotsstruktur ergeben;
    • wie sehr die Entfernung zu den spezialisierten Paraplegie Zentren die optimale Versorgung erschwert.

    Wir identifizieren damit Personengruppen, die keinen optimalen Zugang zu medizinischen oder pflegerischen Angeboten haben. Ausserdem erarbeiten wir Lösungen zur verbesserten Versorgung dieser Personen – z. B. durch die Platzierung von spezialisierten, ambulanten Zentren in unterversorgten Regionen oder Förderung von Kooperationen zwischen Regionalspitälern und Paraplegie Zentren.

  • Während schwerwiegende Komplikationen einer Rückenmarksverletzung in der spezialisierten Klinik behandelt werden müssen, wird die Versorgung in einer spezialisierten Klinik für Routinekontrollen und kleinere Behandlungen oft nicht benötigt oder ist zu weit entfernt. Hier übernehmen die Hausärzte in den Praxen und die Pflegenden zu Hause eine wichtige Rolle. Sie haben das Potential, den Menschen mit Rückenmarksverletzung einfach Zugang zu einer Grundversorgung zu ermöglichen, um häufig auftretende chronische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Da Menschen mit Rückenmarksverletzung immer älter werden und ihre Mobilität abnimmt, ist es besonders wichtig, Hilfe nahe am Patienten anzubieten.

    Hierfür ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den spezialisierten Kliniken auf der einen Seite und den Ärzten und Pflegenden in den ambulanten Praxen und Diensten auf der anderen Seite notwendig. Zusammen mit dem Institut für Hausarztmedizin und Community Care Luzern erforschen wir, wie die Grund- und Langzeitversorgung verbessert werden kann. Im Zentrum steht dabei insbesondere die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Spezialisten, Hausärzten und Pflegenden.

  • Personen mit Rückenmarksverletzung sind stark auf technische Hilfsmittel angewiesen, um am sozialen Leben teilzunehmen und ihre Rolle in Familie, Schule, Arbeit und Gesellschaft einzunehmen. Hilfsmittel erleichtern die Alltagsaktivitäten und unterstützen die Pflege von Personen mit Rückenmarksverletzung durch Familienangehörige wie auch die Selbstpflege. Dabei können sich Schwierigkeiten für eine optimale Versorgung ergeben durch:

    • hohe Kosten – z. B. für Aufzüge oder höhenverstellbare Kücheneinrichtungen;
    • mangelhafte Anpassung oder unzureichenden Unterhalt der Hilfsmittel;
    • Konflikte aufgrund unterschiedlicher Einschätzung des Hilfsmittelbedarfs durch Gesundheitspersonal, Zahlstelle und Nutzer – z. B. bei Zughilfen für Rollstühle;
    • fehlendes Bewusstsein bei potentiellen Nutzern über neuartige Hilfsmittel – z. B. bei Neuentwicklungen von Umweltkontrollgeräten, Computereingabehilfen oder Spezialmatratzen.

    Unsere Forschung zur Hilfsmittelversorgung überwacht den Bedarf und die Bereitstellung von verschiedenen Hilfsmitteln bei Menschen mit Rückenmarksverletzung. Das Ziel ist, eine optimale Verteilung zu gewährleisten. Wir ermitteln die Hürden, die den Zugang zu benötigten Hilfsmitteln erschweren, und identifizieren Risikogruppen mit Unterversorgung. Daraus leiten wir Strategien ab mit dem Ziel, die Über- und Unterversorgung mit gewissen Hilfsmitteln bei den identifizierten Untergruppen zu reduzieren und berücksichtigen dabei die verschiedenen Erwartungen der Hersteller, Zahlstellen, Gesundheitsdienstleister, Nutzer von Hilfsmitteln und der Öffentlichkeit.

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