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«Ich muss bei meinen Pferden sein.»

Frau
mit zwei Pferden

Ein herabstürzender Strohballen wurde zu ihrem Schicksal: Er machte die 19-jährige Sabrina Laubscher zur Paraplegikerin. Der Unfall geschah 2008 im Reitsportzentrum, wo sie als Pferdepflegerin arbeitete. Nach sechs Monaten Aufenthalt im Schweizer Paraplegiker-Zentrum kehrte sie in den Reitstall zurück, zu ihren Pferden. Dort fühlt sich die Reitlehrerin auch im Rollstuhl am richtigen Ort.

«Ich hatte kein Gefühl mehr in den Beinen. Da war der Fall für mich klar.»

Am 12. August 2008 hielt sich die 19-jährige Sabrina wie immer im Reitsportzentrum Kronwall auf. Hier hatte sie die dreijährige Lehre als Pferdepflegerin gemacht. Nach der Lehre wurde sie im Betrieb fix angestellt. Sie konnte sich nichts Besseres vorstellen, die Welt stand offen. Als sie mit einer Kollegin Stroh holen wollte, lösten sich ein paar Strohballen vom Stapel und donnerten zu Boden. Einer traf Sabrina am Kopf. Sie fiel zu Boden. «Ich habe geflucht, Schmerzen verspürte ich kaum. Aber ich hatte Angst, weil ich am Mund stark blutete und glaubte, dass ich mich innerlich verletzt hätte. Dabei hatte ich mir nur auf die Lippen gebissen.»

Aber dann ahnte sie, dass sie noch viel einschneidender verletzt war. «Ich hatte kein Gefühl mehr in den Beinen. Da war der Fall für mich klar.» Mit der Ambulanz wurde sie ins Spital gefahren und notfallmässig operiert. Schon am nächsten Tag wurde sie nach Nottwil ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) verlegt.

Schmerzhafter Anfang

Seit diesen verhängnisvollen Tagen sind sieben Jahre vergangen. Sabrina Laubscher erzählt locker. Es ist, als ob man mit ihr an einem Beizentisch sitzen und plaudern würde. Man hat schnell vergessen, dass das Gegenüber eigentlich im Rollstuhl sitzt. Und eine heavy Zeit hatte. «Am Anfang habe ich es gar nicht lustig gefunden», hält Sabrina trocken fest. «Die ersten Wochen waren besonders schmerzhaft.» Nach und nach habe sie lernen müssen, sich wieder aufzusetzen. Später waren fünf Minuten Sitzen im Rollstuhl schon an der Grenze des Erträglichen. «Mehr ging einfach nicht. Es war hart.»

Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum gelernt, mit der Situation umzugehen

Dass sie die schwierige Umstellung auf ihr neues Leben überhaupt bewerkstelligen
konnte, verdankt sie dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ). «Es gibt dort nicht nur eine Vielzahl von Therapien und Angeboten, die einem helfen, mit der Situation zurechtzukommen. Es ist auch ein besonderer Ort, an dem man sich aufgehoben fühlt.» Als sie eingeliefert wurde, gab es viele andere Neueintritte. Das machte ihr bewusst, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine war.«Man kommt schnell in Kontakt mit den andern Querschnittgelähmten, erzählt sich seine Geschichte, teilt die Empfindungen. Mir hat das sehr geholfen. So konnte ich lernen, darüber zu reden.»

Gefördert und gefordert

Das SPZ sei viel mehr als ein gewöhnliches Spital, sagt Sabrina Laubscher. Wie meint sie das? Sie überlegt kurz. «Das Zentrum ist eher wie eine Gross-WG. Eine WG mit zahlreichen Spezialangeboten.» Die Begegnungen zwischen den Patienten und auch mit dem Personal seien offen und ehrlich. Am Abend sitze man zusammen und trinke noch einen. Oft gehe man gemeinsam essen oder treffe sich beim Sport. Kurzum: «Man verbringt sechs Monate unter einem Dach. Das ist viel persönlicher und intensiver als in einem herkömmlichen Spital.» Gefallen hat ihr die lockere Art und Weise, wie das Personal mit den Patienten umgeht. «Die Pflegenden wissen, wie man sich fühlt und unterstützen dich.» Aber sie würden einen auch fordern. «Sehr schnell wird ein Arbeitsplan erstellt, sodass du ständig mit irgendetwas beschäftigt bist. Es sind alles Angebote und Tätigkeiten, die dich auf das neue Leben vorbereiten.» Sabrina übte den Umgang mit dem Rollstuhl, wie sie Absätze meistern und auf das Trottoir gelangen oder ins Auto einsteigen und wieder aussteigen kann.

Gelernt, mit dem gelähmten Körper umzugehen

In guter Erinnerung hat sie die Physiotherapie. «Dort lernte ich, wie ich mit dem teilweise gelähmten Körper umgehen und ihn neu wahrnehmen konnte.» Erschwerend kam bei ihr dazu, dass sie an einer besonders beweglichen
Stelle (zwölfter Brustwirbel/erster Lendenwirbel) die Wirbel gebrochen hatte. Deshalb durfte sie in den ersten drei Monaten nur ganz wenig Sport betreiben, um die Wirbel in diesem Bereich nicht zu überdrehen oder zu überdehnen. Neben den medizinischen Therapien und den diversen Sportangeboten unterstützt das SPZ mit dem ParaWork-Programm die schulischen oder beruflichen Kompetenzen, die es braucht, um sich als Rollstuhlfahrer wieder in den Alltag eingliedern zu können. Diese Dienstleistungen hat Sabrina Laubscher wenig in Anspruch genommen. Sie lächelt. «Ich habe immer gerne mit Pferden gearbeitet. Etwas anderes kam für mich nicht in Frage. Ich wollte einfach so schnell wie möglich wieder in den Reitstall zurück. Mein Chef hat mir das von Anfang an angeboten. Das war mein Glück.»

Wohnung mit Dogge

Seit ihrem Austritt aus dem SPZ arbeitet Sabrina Laubscher in einem 50-Prozent-Pensum im Reitsportzentrum Kronwall als Reitlehrerin und im Büro. Finanziell wäre manch ein anderer Job viel lukrativer, meint sie. «Aber ich könnte mir nicht vorstellen,
irgendwo einen Bürojob zu erledigen. Schon als Kind wusste ich, dass ich mit Tieren arbeiten wollte. Es ist eine gute Herausforderung. Ich bewege mich und übernehme Verantwortung.» Im Reitstall sind ihre zwei Pferde untergebracht. Sie darf ihren Hund zur Arbeit mitnehmen. «Hier ist meine Familie. Ich kann bei meinen Tieren sein. Die Arbeit gefällt mir. Das alles ist hier gegeben.»

TV-Spot der Schweizer Paraplegiker-Stiftung mit Sabrina Laubscher

 

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