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Wo fünf Zentimeter die Welt bedeuten

Jetzt bist du wieder der alte Faebu

Patienten des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) absolvieren während ihrer Rehabilitation ein Stadttraining in Luzern. Ihre Mission: Trottoirabsätze meistern, Kopfsteinpflaster befahren und sich in Menschenmengen bewegen. Sie erhalten
Einblick in eine neue Realität, die, im Gegensatz zum SPZ, selten hindernisfrei ist.

Mission Stadttraining

Mehrere Physio- und Ergotherapeuten sowie zwei Sportlehrer sind mit einer Gruppe Patienten und deren Angehörigen mit dem Zug unterwegs nach Luzern. Um die entspannte Fahrt geniessen zu können, mussten sich die Teilnehmer in den manuellen Rollstühlen bereits zum ersten Mal beweisen und am Bahnhof Nottwil selbstständig in den Zug gelangen. Sie haben in den vergangenen Wochen gelernt, den Rollstuhl dosiert nach hinten zu kippen, um die kleinen Vorderräder fünf bis sechs Zentimeter anzuheben. Dabei überwinden sie mit einer leichten Vorwärtsdrehung der grossen Räder kleine Lücken und geringe Niveauunterschiede, wie sie auch zwischen Bahnsteig und Zugeingang vorkommen.

Abenteuer Altstadt

«Auf die Elektrorollstuhlfahrer warten andere Herausforderungen», sagt Ergotherapeutin Jeannine Kansy. «Sie üben das Einkaufen. Dazu werden sie fremde Personen ansprechen müssen, vielleicht, um ein Produkt aus dem Regal zu nehmen oder um an der Kasse die Münzen aus ihrem Portemonnaie zu zählen.» Während einige also den Supermarkt aufsuchen, testen andere, wie sich mit dem Rollstuhl in der Umkleidekabine ein Kleidungsstück anprobieren lässt; einige suchen in der Kantonshauptstadt nach Behindertentoiletten, um sich zu vergewissern, dass selbstständiges Katheterisieren unterwegs kein Problem ist; wieder andere zieht es in die Altstadt mit ihren Kopfsteinpflasterstrassen, schrägen Trottoirs und vielen Touristen. «Sich inmitten einer Menschenmenge zu bewegen, Blicke auf sich zu spüren oder Fussgänger um Hilfe zu bitten, ist ein zusätzlicher Stressfaktor», bestätigt Physiotherapeut Tobias Becker. «Hier gilt es, psychische Hemmschwellen zu überwinden». Wichtig sei, ein Gespür für die Umgebung zu entwickeln, die sie jetzt aus sitzender Position wahrnehmen. Schliesslich übernehme man als Rollstuhlfahrer im Verkehr und unter Menschen genauso Verantwortung für andere wie für sich selber.

Balanceakt auf der Treppenkante

Hohe Trottoirabsätze zu «bezwingen», ist herausfordernd. Es benötigt Technik und Übung, um die Räder im richtigen Moment anzuheben, dann zu balancieren, nicht in den Bordstein hineinzufahren und vornüberzukippen. Besondere Konzentration erfordert das Überwinden von Treppenstufen. «Überlegt euch gut, wo und wie ihr euch helfen lassen wollt, und gebt dem Helfenden klare Instruktionen», sagt Sportlehrerin Monika Schachschneider. «Ihr könnt stürzen, wenn ein Helfer falsch reagiert. Mir ist wichtig, dass ihr im Stadttraining euren eigenen Blick für das Ganze entwickelt», fordert sie. Ein eindrücklicher Ausflug endet; für die einen mit der Erkenntnis, dass sie sich mit neuen Strategien gelassen im Alltag bewegen können. Auch wenn dieser nicht immer so hindernisfrei ist wie im SPZ. Für die anderen mit der Erfahrung, wie viel Mut und Kraft nötig sind, das für Fussgänger Selbstverständliche zu unternehmen. Und dass manchmal schon das Meistern eines fünf Zentimeter hohen Trottoirabsatzes die Welt bedeuten kann.

Bestandteil der Rehabilitation

Ziel der ganzheitlichen Rehabilitation im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) ist es, Patienten mit grösstmöglicher Selbstständigkeit und Lebensqualität in Gesellschaft, Beruf und Familie einzugliedern. In der Ergo- und
Physiotherapie lernen sie, im neuen Alltag zurechtzukommen: sich anzukleiden, den gelähmten Körper zu pflegen, sich in den Rollstuhl zu transferieren und damit zu fahren. Das Stadttraining bietet eine weitere Gelegenheit, Erlerntes umzusetzen und die Mobilität zu verbessern. Stadttrainings werden monatlich durchgeführt. Ärzte und Therapeuten entscheiden gemeinsam,ob ein Rollstuhlfahrer teilnehmen kann; denn Patienten sollten im Umgang mit einem manuellen oder Elektrorollstuhl bereits geübt sein.

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