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Querschnittgelähmte des Jahres

Seit 1993 zeichnet die SPS querschnittgelähmte Menschen aus, die seit mindestens fünf Jahren im Rollstuhl sitzen, ihr Schicksal beispielhaft gemeistert und zusätzlich ausserordentliche, überdurchschnittliche Leistungen für Dritte und für die Gesellschaft erbracht haben. Eine öffentliche Ehrung mit Laudatio erfolgt jeweils im Rahmen des traditionellen Adventskonzertes.

Die Geehrten und ihre Laudatoren. SPS-Ehrenpräsident Guido A. Zäch (l.), Alois Arnold, SPS-Stiftungsratspräsident Daniel Joggi und Jean-Louis Page.

Alois Arnold: Mit kämpferischer Sportler-Mentalität auf einen langen Leidensweg

Wie am Schnürchen lief alles – und auch schnurgerade auf ein rundum erfolgreiches, glückliches Leben zu: Alois Arnold kam 1949 als ältester Bub von acht Kindern in einer selbstversorgenden Bauernfamilie in Bürglen zur Welt. Als er 23-jährig als frisch diplomierter Kaufmann im Jahr 1972 die Stelle als Gemeindeschreiber in Unterschächen im Urnerland erhielt, war er gleich auf Anhieb in seinem Traumjob gelandet. Das war gleichzeitig eine grosse Herausforderung. Seinem Naturell entsprechend kniete er sich begeistert und mit grossem Einsatz in die vielfältigen Aufgaben und eignete sich fundiertes Fachwissen unter anderem in der Gemeindebuchhaltung an, so dass ihm auch das Finanzwesen übertragen werden konnte. Zudem war der sympathische junge Urner sportlich talentiert und trainierte diszipliniert. Das schaffte den Ausgleich zum Berufsalltag in der Kanzlei. Jahrelang nahm er am Engadiner Marathon teil und stählte Kraft und Ausdauer, die ihm auch beim Schwingen zugut kamen. „Wisi“, wie man ihn überall bis heute freundschaftlich nennt, kämpfte sich aus dem regionalen Sägemehlring bald hinauf bis zur Teilnahme an den Eidgenössischen Schwingfesten. Stolz zeigt er seine Trophäen: die zahlreichen Treichlen in allen Grössen schmücken imposant die gute Stube daheim. Das private Glück liess nicht lange auf sich warten. Inzwischen auch wohnhaft in Unterschächen lernte er seine grosse Liebe kennen und heiratete 1977 Bernadett Imholz. Drei Kinder wurden dem Ehepaar geschenkt – zwei Töchter und ein Sohn – und machten das Familienglück vollkommen.

Im Alter von 33 Jahren hat der heute 66-jährige Alois Arnold die bittere Erfahrung machen müssen, dass die eigene Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Ein enger Wirbelkanal und ein Bandscheibenvorfall im Halsbereich haben sein Rückenmark geschädigt und damit die Funktionstüchtigkeit von Armen und Beinen zunehmend eingeschränkt. Es war ein langer Leidensweg mit mehrfachen chirurgischen Eingriffen und wiederholten Spitalaufenthalten. Die zunehmenden Lähmungen führten zur Tetraplegie. Seit Jahren ist Alois Arnold auf den Rollstuhl angewiesen. «Es ist bewundernswert und vorbildlich, wie er seine Aufgabe als Gemeindeschreiber über 42 Jahre lang erfüllt hat – trotz Behinderung und Verunsicherung durch die vom Rückenmark ausgehenden gesundheitlichen Störungen», unterstreicht Guido A. Zäch die Vorbildfunktion von Alois Arnold während seiner Laudatio in der SPZ-Aula. Dank und Anerkennung gebührt Alois Arnold gemäss dem Ehrenpräsidenten der Schweizer Paraplegiker-Stiftung für den beispielhaften Einsatz für das Gemeinwohl – und seiner Familie und den Einwohnerinnen und Einwohnern von Unterschächen für die gelebte Solidarität. Sichtlich gerührt nahm Alois Arnold seine Ehrenurkunde entgegen: «Dies ist eine wertvolle Anerkennung meiner Arbeit, die ich trotz körperlicher Einschränkung für die Allgemeinheit leisten durfte. Ich widme diese Auszeichnung allen Helferinnen und Helfern, die mich während der schwierigen Lebensphas  unterstützt haben.»

Jean-Louis Page: Ein Tausendsassa für die Integration von Querschnittgelähmten

Jean-Louis Page ist ein Macher. Einer, der sich schon immer auf die Lösung und nicht auf das Problem konzentrierte. Er wurde 1951 in Châtonnaye/FR geboren und begann nach der Primarschule seine Lehre als Automechaniker im rund 20 Kilometer entfernten Fribourg. Da der Arbeitsweg mit Bus und Zug zu viel Zeit in Anspruch nahm, organisierte er eine Mitfahrgelegenheit im Auto eines Freundes. Die Heimfahrt am 21. Dezember 1966, dem letzten Tag vor den Weihnachtsferien, veränderte das Leben des jungen Mannes für immer. In einer leichten Linkskurve kam das Auto mit den fünf Insassen aufgrund der vereisten Fahrbahn ins Schleudern und überschlug sich. «Ich hörte jemanden schreien, dass wir ihn schnell rausziehen müssen, da das Auto in Flammen stehe», schildert Jean-Louis Page seine ersten Erinnerungen nach dem Unfall. Sie sprachen von ihm. Im Kantonsspital Fribourg erfuhr er dann die erschütternde Diagnose: komplette Querschnittlähmung ab dem 7. Brustwirbel. Kaum war der grosse Schock verdaut, schaute Jean-Louis Page wieder nach vorne, suchte neue Ziele. Nach seiner Rehabilitation begann er mit der Umschulung zum Kaufmann sowie Programmierer und begann bald darauf auch mit der Wiederaufnahme seiner Arbeit; zuerst 50%, anschliessend 100%. Während seiner Ausbildung in Yverdon verliebte er sich in die Sekretärin Marie-Rose, die er 1971 heiratete. Später absolvierte er zudem noch als Ältester seiner Klasse zwei Semester Literatur an der Uni Neuenburg.

Bereits 1969 begann er mit dem Aufbau einer sportlichen Struktur für Querschnittgelähmte im Kanton Fribourg. 1970 gründete er den „Groupe des Paraplégiques Fribourg“ und war während zehn Jahren erster Präsident. Gleichzeitig war er Mitbegründer der „Commission fribourgeoise des barrières architecturales“, davon zwölf Jahre als Präsident im Amt. Ein weiteres Präsidialamt hatte er von 1981 bis 2006 inne, während er Sport- Handicap Fribourg leitete. Als Guido A. Zäch 1980 die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung gründete, überzeugte Jean-Louis Page seine Mitglieder des „Groupe des Para légiques“ sich dort als „Rollstuhlclub Fribourg“ anzuschliessen und amtete noch weitere 15 Jahre als Rollstuhlclubpräsident. 1983 gründete er die Vereinigung für Sport und Freizeit für Behinderte in Fribourg. Dies ist nur ein Auszug seiner ganz besonderen Karriere. «Jean-Louis Page hat mit seinem unermüdlichen Engagement die Integration von Querschnittgelähmten in fast unvergleichlicher Weise gefördert», schwärmt Daniel Joggi, Präsident der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Jean-Louis Page war jedoch nicht nur treibende Kraft auf organisatorischen Ebenen, sondern war auch selber sportlich aktiv und erfolgreich. Von 1972 bis 2004 war er in verschiedenen Sportarten tätig und nahm unter anderem auch an Schweizermeisterschaften teil. Zu seinen Disziplinen gehörten Gewichtheben, Tischtennis, Bogenschiessen, Leichtathletik (Kugel, Diskus, Speerwurf), 100- und 400m-Rennen, Schwimmen und Basketball. Und wenn man denkt, das sei zu viel für ein einziges Leben: als passionierter Kunstmaler waren seine Werke aus Acryl und  Oel bereits an verschiedenen Ausstellungen in der Schweiz und in Frankreich zu bestaunen. «Ich bin sehr berührt, diese Auszeichnung zu erhalten!», strahlt Jean-Louis Page. «Vor allem in dieser wichtigen Periode meines Lebens; ich bin seit 45 Jahren verheiratet, seit 50 Jahren im Rollstuhl und werde nun 65 Jahre alt.»

Querschnittgelähmte des Jahres ab 1993
  Tetraplegie Paraplegie
2015 Alois Arnold und Jean-Louis Page  
2014 Hansruedi Fitze Monika Geesing-Beck
2013 Rolland Bregy Elisabeth Mettler-Kiener
2012 Walter Mehr Jean-Marc Berset
2011 Josef Jakober Eva Burgunder
2010 Sergio Caravatti Jon Pünchera
2009   Corinne Morel und Hansueli Bobst
2008 Eros Tomasini Verena Brönnimann
2007 Simone Mertl Peter Gilomen
2006 Max Brunner Julia Fischer
2005 Regula Huwyler Franco Erni
2004   Alfredo Battistini und Sandra Graf
2003 Ursina Greuter Paolo Pelli
2002 Heidi Anneler Victor Bisquolm
2001 Heinz Schmid Alain Rossier
2000 Rudolf Isler Christiane Droux
1999 Jost Steger Ida Frehner
1998 Xaver Anderegg Daniel Joggi
1997 Pia Schmid Hardy Landolt
1996 Monica Schuler Franz Nietlispach
1995 Hans Rosenast Werner Waldispühl
1994 Elio Giulielmetti Marc Suter
1993 Rainer Küschall Heinz Frei

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