

Ilidio Manuel Silva Machado ist Chef de Service im SPZ-Restaurant Centro – mit grosser Hingabe, wachem Auge und offenem Ohr.
Text: Peter Birrer
Bilder: Sabrina Kohler
Langsam senkt er seinen Kopf, schaut über die Brillenränder und sagt: «Ich möchte nach der Arbeit mit dem Gefühl nach Hause fahren: Heute war ich mein Geld wert.» Ilidio Manuel Silva Machado heisst der Mann aus Amarante im Norden Portugals, der scheinbar überall im Centro anzutreffen ist, dem öffentlichen Restaurant des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ).
Als Chef de Service leitet er ein Team mit dreissig Angestellten und koordiniert die Dienstpläne. Aber er ist nicht dafür geschaffen, in einem Kämmerlein an einem Schreibtisch zu sitzen. Er muss unter die Leute.
27 Jahre Leidenschaft
Der 59-Jährige hilft am Mittag am Buffet aus und schöpft Essen, stellt sich an die Kasse oder wuselt mit einem Putzlappen durch die Begegnungshalle, um Tische zu reinigen. «Wer zu uns kommt, soll sich willkommen fühlen», sagt er.
«Wer zu uns kommt, soll sich willkommen fühlen.»
Früher arbeitete er als Elektriker und war begeisterter Leichtathlet, der den Halbmarathon in 69 Minuten lief. 1991 heiratete er seine Freundin, die aus beruflichen Gründen in die Schweiz zog. Er folgte ihr, nahm eine Stelle als Reinigungskraft und Küchenhilfe in Luzern an – und stiess 1998 auf ein attraktives Inserat. Das SPZ suchte Verstärkung in der Gastronomie, und Ilidio Manuel Silva Machado dachte: «Die Stelle ist auf mich zugeschnitten.»
27 Jahre später ist seine Leidenschaft für die Gastronomie und das SPZ ungebrochen. «Einige denken, ich würde sogar im Centro übernachten», sagt er mit einem Grinsen. «Ilidio ist unsere gute Seele und ein 1A-Gastgeber», lobt ihn Reto Garbely, der Leiter der SPZ-Gastronomie. «Er kennt jeden Winkel im Haus, praktisch jeden Mitarbeitenden – und alle kennen ihn.» Ilidio Manuel Silva Machado fühlt sich einfach wohl: «Ich komme mir vor wie in einer Grossfamilie.»

Feines Sensorium für Menschen
Der Austausch mit Menschen macht seine Aufgabe so reizvoll. Er registriert, wer zum ersten Mal das Restaurant besucht. Er geht auf Gäste zu, um einige Worte zu wechseln, und spürt, ob er einen lockeren Spruch platzieren darf oder ein Schulterklopfen angebracht ist. Manchmal hört er einfach, wenn jemand sein Herz ausschüttet.
«Ilidio ist unsere gute Seele und ein 1A-Gastgeber.»
«Die Qualität des Essens ist in einem Restaurant essenziell», sagt er. «Aber der Service ist ebenso wichtig. Und guter Service wird durch die Freundlichkeit des Personals geprägt – ein Lächeln kostet selbst im grössten Stress nichts.»
Bevor sich der Portugiese nach einem Tag mit durchschnittlich bis zu 20 000 Schritten auf den Heimweg nach Wangen bei Olten aufmacht, möchte er keine offenen Pendenzen mehr haben: «Ein Problem schiebe ich ungern vor mich hin.» Energie tankt er mit Sport, Malen, Lesen – oder Nichtstun. «Ich kann in meiner Freizeit sehr faul sein», sagt er mit einem Lächeln. Bis die Arbeit ruft und er im Centro wieder überall anzutreffen ist.
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