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Sie erkennt die Probleme zu Hause

Man staunt, wie auch in der Hektik jeder Handgriff sitzt. Wie gezielt und einfühlsam diese Frau kommuniziert. Wie schnell sie Lösungen findet. Dabei gleicht keine Situation einer anderen. «Ich habe ja auch schon etwas Erfahrung», meint Judith Schulthess mit ihrem typischen Lachen. Seit elf Jahren arbeitet die Pflegefachfrau für ParaHelp, zuvor zehn Jahre am Schweizer Paraplegiker-Zentrum.

Text: Stefan Kaiser
Bilder: Beatrice Felber

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Judith Schulthess ist diplomierte Pflegefachfrau HF und Expertin für Stoma-, Kontinenz- und Wundpflege NDK. Sie berät Menschen in der ganzen Deutschschweiz.

    • Was ist das Besondere an deiner Tätigkeit?
      «Durch unsere Erfahrung und unser grosses Know-How können wir mit einfachen Mitteln viel bewirken und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Wenn man helfen konnte und die Betroffenen einem dankbar sind, gibt es einem ein positives Gefühl. »
    • Was ist die Herausforderung bei deiner Tätigkeit?
      «Wir werden wegen etwas Spezifischem gerufen, z.B. wegen einer Wunde. Zur Behandlung vor Ort gehört auch, die Ursache für das Problem zu finden, damit es langfristig behoben werden kann. So kann es dazu kommen, dass wir zusammen mit den Betroffenen die Gesamtsituation anschauen und je nach Bedarf auch Fachleute aus anderen Bereichen, zum Beispiel eine Sozial- und Lebensberatung einbeziehen. Unser Ziel ist es, dass die Patienten möglichst lange Zuhause, in ihrem gewohnten sozialen Umfeld sein können. Dabei wollen wir sie unterstützen. »
    • Warum hat es dich heute gebraucht?
      «Es hat mich heute gebraucht, damit Menschen mit Querschnittlähmung möglichst lange in ihrer vertrauten Wohnsituation bleiben können. »

Das Versorgungssystem im Blick

Heute besucht Schulthess in Zürich einen hochgelähmten Patienten, der nachts beatmet werden muss und an einem Dekubitus (Druckgeschwür) leidet. Die Spezialistin wurde zur Wundberatung gerufen. Aber sie versorgt nicht nur Wunden und gibt Empfehlungen an Ärzte und Pflegende, sie evaluiert auch die Ursachen: Weshalb ist der Dekubitus entstanden und was muss im Versorgungssystem des Patienten angepasst werden, damit ein weiterer Fall verhindert werden kann? «Manchmal sind neue Hilfsmittel nötig», erklärt sie. «Manchmal müssten sich die Betroffenen bei einer Rötung nur früher bei uns melden, damit ihnen ein langwieriger Klinikaufenthalt erspart bleibt.» Wird eine Druckstelle rechtzeitig erkannt, kann sie zu Hause behandelt werden. Wunden, die nicht zuheilen, überweist Schulthess direkt an ein Querschnittzentrum.

«Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu arbeiten»

Lösungen im vertrauten Umfeld

Es folgt ein Termin in einem Badener Heim. Die ParaHelp-Mitarbeiterin schult die Angestellten, wie sie eine querschnittgelähmte Bewohnerin optimal in den Rollstuhl transferieren, damit sowohl für die Mitarbeitenden wie die Betroffene keine gravierenden Folgen entstehen. Schulthess klärt auch Fragen der Bewohnerin zum Katheter und kümmert sich um eine Befestigung an ihrem Rollstuhl. Vor Ort entwickelt sie etliche Lösungen, bevor kleine Auffälligkeiten zum Problem heranwachsen. «Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu arbeiten», sagt Judith Schulthess auf der Weiterfahrt. «In der Paraplegiker-Gruppe herrscht ein ganz besonderer Teamgeist – und eine sehr hohe Wertschätzung für die Patienten.»

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Sie besucht eine Frau, die aufgrund einer Operation querschnittgelähmt wurde und noch keine rollstuhlgerechte Wohnung gefunden hat. Schulthess instruiert zwei Spitex-Angestellte und den Lebenspartner, wie sie die Frau mit einem mobilen Lift gemeinsam in die Badewanne heben. Die ParaHelp-Mitarbeiterin kümmert sich auch um Verbesserungen im Badezimmer, die Koordination von Untersuchungen, um Hilfsmittel und macht vor Ort eine Transferschulung. Und man staunt erneut: Wie viel Gutes in nur einem Tag möglich ist.

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