Werbekampagne sps claudia

Werbekampagne SPS 2019 – Ich sitze unschuldig.

Querschnittlähmung kann jeden von uns treffen. Unverschuldet, unverhofft und überall.

«Eigentlich wäre es ein schöner Tag gewesen …», - erinnert sich die Frau. Ihr Blick ist ernst. Dunkelheit und Nüchternheit umgeben sie. Licht fällt nur von oben ein. In der Luft ist eine unbequeme Spannung greifbar. Nichts lenkt von der Frau ab. «Ich fuhr mit meinem Auto auf der Autobahn nach Basel», erzählt sie weiter.

- «Cut!» -

Text, Bild und Film: Brigitte Hächler

Der Ruf von Regisseur und Fotograf Marco Grob bricht den kollektiven Bann. Im Dunkeln wird es lebendig. Kameramänner, Produktionsassistenten, Digital Operators, Soundtechniker, Beleuchter, Stylisten und Agenturleute fangen an, am Set für die Film- und Fotoaufnahmen zur neuen Werbekampagne der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) herumzuwuseln.  

Die Kamera fährt auf der Schiene wieder nach vorne. Softboxes und Paravents werden ganz minim verschoben, um einen anderen Lichteinfall zu generieren. Der Make-up-Artist pudert Protagonistin Claudia Hüttenmosers Gesicht und bändigt vorwitzige, vom Kopf abstehende Haare mit Haarspray und Kamm. Sie erhält vom Sprachcoach noch kurz Anweisungen, wie sie ihren Text wo betonen soll.

Fokus auf neue Mitglieder

Es ist die zweite Marketing-Kampagne, 2010 entwickelte die SPS die «Rückentattoo-Kampagne». Auf Plakaten und Zeitungsinseraten waren Menschen abgebildet, auf deren Rücken Unfallursache, -ort und -datum eintätowiert waren. Als Symbol dafür, dass eine Querschnittlähmung, wie auch eine Tätowierung ein Leben lang bleiben. Der Schwerpunkt der Tattoo-Kampagne lag darauf, Bekanntheit zu schaffen und zum Thema Querschnittlähmung zu sensibilisieren. «Mitgliedergewinnung stand nicht im Vordergrund», erklärt Christian Hamböck, Leiter Mitgliedermarketing SPS.

«Mitgliedergewinnung stand nicht im Vordergrund.» Christian Hamböck

Das soll sich mit der neuen Kampagne ändern. «Die Paraplegiker-Stiftung geniesst zwar bei der Bevölkerung ein sehr gutes Image», meint Christian Hamböck. «Dennoch ist es notwendig, neue Gönner hinzuzugewinnen, um das Leistungsnetz der Schweizer Paraplegiker-Gruppe aufrechtzuerhalten. Deshalb war es ein logischer und notwendiger Schritt, den Fokus ganz stark auf die Mitgliedergewinnung zu legen.»

Zuerst befragte die SPS ihre Mitglieder. Diese Umfrageergebnisse bildeten die Basis für die Agenturauswahl und das Kampagnendesign. «Wir wollten herausfinden, wieso die Schweizerinnen und Schweizer Mitglieder bei der Gönner-Vereinigung werden.» Ganz unerwartet für die Auftraggeber punktete der Aspekt am meisten, dass eine Querschnittlähmung jeden treffen kann. Unverschuldet, in jedem Alter und überall. «Die Aussicht auf 250 000 Franken Gönnerunterstützung bei unfallbedingter Querschnittlähmung war kein primäres Argument», erinnert sich Hamböck.

«Die Aussicht auf 250 000 Franken Gönnerunterstützung bei unfallbedingter Querschnittlähmung war kein primäres Argument.» Christian Hamböck

Überzeugendes Kampagnenkonzept

Das Kampagnenkonzept der Berner Agentur Contexta überzeugte die Verantwortlichen sofort. Im Mittelpunkt steht der Slogan: «Ich sitze unschuldig». Unschuldig ist dabei im Sinne von unverschuldet  zu verstehen. «Weil Umstände, die niemand voraussehen kann, zu einem Unfall mit einer Querschnittlähmung geführt haben», verdeutlicht der Leiter Mitgliedermarketing.

Geplant ist eine crossmediale Kampagne, mit Fernsehspots, Plakaten, Printinseraten sowie Online-Werbung. Das Kampagnensujet zeigt Porträts von betroffenen Menschen im Rollstuhl. In der TV-Version schildern sie eine reale Unfallgeschichte. Besonders wichtig war es für den Leiter Mitgliedermarketing, mit Darstellern zu arbeiten, die querschnittgelähmt sind und ohne eigenes Verschulden im Rollstuhl sitzen.

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Sujets aus der Werbekampagne der SPS.

Durchgetaktete Drehtage

Die beiden Produktionstage am im Zürcher Studio sind minutiös durchgetaktet. Am Set arbeiten rund dreissig Personen. Alles, was abgedreht ist, schneidet der Cutter vor Ort und setzt das Filmmaterial für den Rohschnitt zusammen. Ein grosser Aufwand zwar, aber höchst effizient und so kostengünstig wie möglich. Mit dem Shooting und dem Resultat ist Christian Hamböck begeistert: «Ich bin sicher, dass uns eine ausdruckstarke und respektvolle Kampagne gelungen ist.»

Namhafter Schweizer Fotograf

Sofort überzeugt hat Christian Hamböck von Marco Grob, dem Fotografen: «Es ist ein grosser Glücksfall für uns, dass wir für die Umsetzung den namhaften Schweizer Fotografen gewinnen konnten.» Der Porträtspezialist lichtet sonst Hollywoodstars, Musikgrössen und US-Präsidenten ab. «Marco Grob versteht es, einen Menschen und dessen Persönlichkeit in das richtige Licht zu setzen», sagt Hamböck, «und er ist gut darin, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Das war uns sehr wichtig. Unsere Protagonisten sind ja Laien und es hilft, wenn am Set eine lockere Atmosphäre herrscht.»

«Ich bin sicher, dass uns eine ausdruckstarke und respektvolle Kampagne gelungen ist.» Christian Hamböck

Dann ist wie von Zauberhand der Spuk vorbei. Die guten Geister entschwinden wieder in die Dunkelheit. Marco Grob fragt: «Alle parat»? «Speed», bestätigen die Techniker.

- «And track!» -

«… dann gab es einen Knall», beendet Claudia Hüttenmoser ihre Geschichte.

Sie ist jetzt ganz mit ihren Rollstuhl sichtbar. Das macht betroffen. Die Kraft und Lebensfreude, die die Protagonistin verkörpert, gibt dem Ganzen trotzdem einen lichten, hoffnungsvollen Aspekt.

Making of Werbekampagne

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