Neurologie im Zentrum für Schmerzmedizin
Was ist neurologische Schmerztherapie?
Die neurologische Schmerztherapie beschäftigt sich mit der Erkennung, Abklärung und Behandlung von Schmerzen, die mit dem Nervensystem zusammenhängen. Sie hilft Menschen, deren Schmerzen beispielsweise durch geschädigte, gereizte oder fehlgesteuerte Nerven entstehen. Dabei geht es nicht nur darum, Schmerzen zu lindern, sondern auch darum, ihre Ursache zu verstehen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Wie entstehen solche Schmerzen?
Unser Nervensystem funktioniert wie ein Meldesystem: Nerven leiten Informationen aus dem Körper an das Gehirn weiter. Dort werden sie verarbeitet und als Schmerz wahrgenommen.
Wenn Nerven selbst geschädigt oder überempfindlich sind, können sie falsche oder übermässig starke Signale senden. Schmerzen können dann auch ohne eine neue Verletzung auftreten.
Nervenschmerzen
Geschädigte oder gereizte Nerven verursachen beispielsweise brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen. Manchmal kribbelt es oder es wird zusätzlich.
Beispiele: Nervenschäden bei Diabetes, Schmerzen nach einer Gürtelrose.
Schmerzen durch Druck auf Nerven
Ein Nerv kann durch umliegendes Gewebe eingeengt oder gereizt werden. Das kann Schmerzen auslösen, die in andere Körperbereiche ausstrahlen.
Beispiele: Ischiasbeschwerden durch einen Bandscheibenvorfall oder ein Karpaltunnelsyndrom an der Hand.
Schmerzen durch Veränderungen im Gehirn oder Rückenmark
Auch das zentrale Nervensystem kann an der Entstehung von Schmerzen beteiligt sein.
Beispiele: Bestimmte Schmerzen nach einem Schlaganfall oder Nervenschmerzen bei Multipler Sklerose.
Wie wird neurologische Schmerztherapie durchgeführt?
Die Behandlung wird auf die Ursache, die Art der Schmerzen und die persönliche Situation abgestimmt. Häufig kommen mehrere Methoden zum Einsatz:
- Am Anfang stehen Untersuchung und Diagnose: es werden in der Erstuntersuchung Beschwerden erfragt und wir untersuchen unter anderem Kraft, Reflexe, Gefühl und Beweglichkeit. Je nach Verdacht können Blutuntersuchungen, eine Messung der Nervenfunktion oder eine Bildgebung sinnvoll sein. Hier arbeiten wir eng mit der neurologischen Abteilung sowie der Radiologie des SPZ zusammen.
- Medikamente: Je nach Schmerzart kommen unterschiedliche Mittel infrage. Bei Nervenschmerzen helfen beispielsweise bestimmte Medikamente, die ursprünglich gegen Epilepsie oder Depressionen entwickelt wurden. Sie beeinflussen die Verarbeitung von Schmerzsignalen im Nervensystem und bedeuten nicht, dass jemand an Epilepsie oder einer Depression leiden muss.
- Physiotherapie und Bewegung: Gezielte Übungen können Beweglichkeit und Kraft verbessern und dabei helfen, wieder mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
- Weitere Verfahren: Je nach Situation können psychologische Schmerztherapie, Entspannungsverfahren, spezielle Interventionen oder andere schmerzmedizinische Verfahren ergänzend eingesetzt werden.
Was ist das Ziel?
Das Ziel ist nicht immer, sämtliche Schmerzen vollständig zu beseitigen. Häufig geht es darum,
- die Schmerzstärke zu reduzieren
- den Schlaf zu verbessern
- Beweglichkeit und Belastbarkeit zu steigern
- den Alltag wieder besser bewältigen zu können
- und die Lebensqualität zu erhöhen
Wie auch bei anderen chronischen Schmerzen ist oft eine Kombination verschiedener Behandlungen am wirksamsten.
