Valentinstag Sandra Sucic

«Bin ich gut genug für ihn?»

Die Liebe – von den Ängsten bis zum tiefsten Vertrauen

Bin ich gut genug für ihn? Kann er mit meiner Situation umgehen? Ist ihm bewusst, dass wir zusammen nicht in jedes Restaurant gehen können? Es sind Ängste, die Menschen mit körperlichen Einschränkungen oftmals plagen, bevor sie eine Beziehung mit einem Fussgänger oder einer Fussgängerin eingehen. Sandra Sucic, die seit einem Surfunfall im Rollstuhl ist und ihr Freund erzählen, wie sie die verschiedenen Phasen einer Beziehung von der grossen Verliebtheit bis zum Vertrauen und Sicherheit im anderen erlebt haben.

Text: Rebekka Strässle
Bilder: Beatrice Felder

Sandra Sucic Valentinstag Schweizer Paraplegiker-Stiftung

Sandra und Andreas geniessen ihre Zweisamkeit in Bern.

Funken sprühen

Andreas und Sandra lernten sich vor fünf Jahren im Sprachaufenthalt in Frankreich kennen. Dort wohnten die beiden in derselben Residenz und es knisterte von Anfang an. Andreas blieb noch in Frankreich, während sich Sandra schon wieder auf den Heimweg machte. Die Sehnsucht nach ihr war so gross, dass Andreas kurzerhand in den Flieger stieg, um Sandra in der Schweiz zu besuchen, noch bevor sein Aufenthalt zu Ende ging.

Die Verbundenheit war wunderschön, aber Sandra hatte das erdrückende Gefühl, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für eine Beziehung sei. Sie befand sich am Ende ihrer Lehre und kehrte für die Berufsmaturität von Zürich nach Uri zurück. Die Distanz war eine zu grosse Hürde, weshalb sich der Kontakt etwas auf Eis legte. Doch dann, nach zwei Jahren gab es ein drittes Treffen: Als Andreas im Zimmer von Sandra im Schweizer Paraplegiker-Zentrum stand.

Vor drei Jahren erlitt Sandra einen schlimmen Surfunfall auf Hawaii. Während ihrer ersten Surfstunde bäuchlings auf dem Brett, passierte es: eine unterwartet grosse Welle schlägt ihr entgegen und überstreckt ihren Rücken so sehr, dass ihr Rückenmark für einen kurzen Moment nicht mehr durchblutet ist. Surfers Myelopathie lautet der Fachbegriff für die Rückenmarkverletzung, die vor allem beim Surfen passiert.

Sie wurde mit der Rega von Hawaii direkt nach Nottwil geflogen und verbrachte ihre Reha im SPZ in Nottwil. Schon bald hat Andreas von ihrem Unfall Wind bekommen. Aufgewühlt und fassungslos hat er ihr am selben Abend noch geschrieben und wusste sofort: Er will sie sehen. Nur ein Tag verging und er stand zu Besuch im Zimmer von Sandra. Sprachlos starrte Sandra Andreas an, kaum glaubend, wer da im Türrahmen stand. Die Freude war riesengross und die Umarmung innig. So verbrachten sie unvergessliche Abende am Tisch und füllten diese mit innigen Gesprächen und verliebten Blicken.

Hin und wieder kam er ins SPZ zu Besuch und etwa ein Jahr später, nach der intensiven Reha von Sandra, entstand zwischen den beiden wieder reger Kontakt. Die beiden Turteltauben wurden schliesslich im Dezember 2019 ein Paar.

 

Valentinstag Sandra
Valentinstag Sandra

«Bin ich gut genug für ihn?»

Sandra beschäftigten während dieser emotionalen Reise der Gefühle unzählige Fragen: Wie würde Andreas dazu stehen, dass sie im Rollstuhl ist? Kann er mit dieser Situation überhaupt umgehen? Ist ihm bewusst, was das alles bedeutet? Auch für Sandra war es die erste Beziehungserfahrung seitdem sie im Rollstuhl ist. In der Reha fragte Andreas Sandra, ob sie jemals wieder gehen könne, worauf sie ihm keine Antwort geben konnte. In ihrem Fall kann es sein, dass gewisse Funktionen zurückkommen oder eben auch nicht. Gedanken wie zum Beispiel: «Bin ich dann gut genug für ihn?», plagten Sandra. Es gibt sicher unzählige Dinge, die Andreas gerne macht, Sandra aber nicht ganzheitlich daran teilnehmen kann.

«Bei unserem ersten Aufeinandertreffen nach der Reha, ist mir der Rollstuhl gar nicht aufgefallen.»

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass für Andreas der Rollstuhl kein Problem war. Als sie sich zum ersten Mal trafen, fiel Andreas Sandras Rollstuhl gar nicht auf. Vielmehr beschäftige ihn die allgemeine Nervosität vor einem Date. Fragen wie, "was sag ich bloss" und "wie soll ich mich verhalten" schwirrten in seinem Kopf umher. Das Drumherum spielte keine Rolle und er erklärte auch Sandra schnell, dass er sie nicht auf ihren Rollstuhl oder Unfall reduziert. Sandra fiel ein riesen Stein vom Herzen und die Ängste lösten sich bald in Luft auf. Durch lange Gespräche über Sandras Unfall, in denen beide ihre Unsicherheiten jederzeit äussern durften, entstand ein tiefes Vertrauensverhältnis.

Wichtig sei, dass man keine Annahmen oder Vermutungen gegenüber dem Anderen macht, sondern den Mut hat, die Dinge auf den Tisch zu legen, solange dies in einem respektvollen Umgang geschieht.

Schubladen im Kopf

Was den Rollstuhl betrifft, war Sandra anfangs nicht nur gegenüber Andreas etwas skeptisch, sondern auch gegenüber seinem Umfeld und der Gesellschaft: «Ich habe das Gefühl, dass ein Mensch, der in einem Rollstuhl ist, in der Gesellschaft negative Reaktionen hervorruft und man schubladisiert wird. Ich bin im Rollstuhl und kann ein selbstständiges Leben führen. Ich gehe zum Beispiel liebend gerne schwimmen», so Sandra, schmunzelnd fügt sie hinzu: «und ich schwimme besser als Andi, obwohl er seine Beine brauchen kann.»

Für das Liebespaar wurde aber schnell klar, dass solche Entgegnungen in Andreas Familie keinen Platz hatten. Als er Sandra seiner Familie vorstellte, kamen höchstens ein paar Fragen, wie zum Beispiel, was passiert sei und ob Sandra je wieder laufen könne. «Es waren alle sehr unterstützend und haben sich in erster Linie für uns beide gefreut,» erzählt Andreas.

«Menschen im Rollstuhl rufen negative Reaktionen hervor.»

Selbstständig statt abhängig

Das Thema Selbstständigkeit ist in ihrer Beziehung ein sehr wichtiges Thema. Vor allem für Sandra ist es elementar, dass sie ihre Tätigkeiten, die sie gut allein kann, auch weiterhin selber ausführt, damit ihre Muskeln in Bewegung bleiben.

«Wir leben wie jedes andere Paar auch: Wir kochen zusammen, wir helfen einander, wir gehen zusammen einkaufen etc. Was Andreas sicher mehr macht, sind generell Hausarbeiten, wie zum Beispiel putzen oder den Müll runterbringen.» «Ich mache das gerne und wenn ich Sandra damit entlasten kann, sowieso», erklärt mir Andreas. Sandra widmet sich den kleineren Hausarbeiten wie zum Beispiel den Tisch abräumen oder sie kocht mal etwas häufiger.

Andreas versucht, ihr so viel Selbstständigkeit wie möglich zu geben, damit sie nicht abhängig von ihm sein muss. Dafür hat er sich eine neue Wohnung gesucht, in der sich Sandra besser und selbstständiger organisieren kann. Sandra schwärmt: «Er gibt sich mehr als nur Mühe, damit ich mich wohl fühle und ich selbst zu recht komme.» Ihre stahlblauen Augen blicken verliebt zu Andreas.

Für die Zukunft haben die beiden einen grossen Traum: Zusammen die Welt entdecken. 🌍

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