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Integration heisst: Menschen ernst nehmen

Die gesellschaftliche Akzeptanz für Menschen mit körperlichen Einschränkungen zeigt sich am Arbeitsplatz. Zusammen mit ParaWork besuchen wir ein Beispiel für die geglückte Integration.

Text: Stefan Kaiser
Fotos: Adrian Baer

«Es ist schön, wenn einem bei der Arbeit der Körper nicht mehr auffällt.»

David Komarica

Wie gut Menschen mit körperlichen Einschränkungen in eine Gesellschaft integriert sind, zeigt sich am deutlichsten auf dem Arbeitsmarkt. In der Schweiz sind – trotz Fortschritten im letzten Jahrzehnt – noch immer Hürden, Ängste und Vorurteile weit verbreitet. Niemand steht offen zur Diskriminierung, aber die betroffenen Menschen kennen die subtilen Signale. «Als Rollstuhlfahrer spürt man sofort, ob die Leute auf einen herabsehen und man als Arbeitskraft unterschätzt wird», sagt David Komarica aus Adligenswil LU. In seinem zehnten Schuljahr hat sich der begabte junge Mann sehr intensiv um eine Lehrstelle bemüht – und ging leer aus. Der Zwanzigjährige leidet an einer seltenen Form der Glasknochenkrankheit. Viele Jahre war das Spital sein zweites Zuhause, monatelang lag er im Bett, um seine zahllosen Knochenbrüche auszuheilen. «Mein Körper war eher ein Kerker für mich», erzählt Komarica über seine Kindheit. Im Dorf war er die einzige Person im Rollstuhl, in der Schule stiess er immer wieder an Grenzen, wegen seines fragilen Körpers. Erst im Teenageralter hat sich die Krankheit etwas abgemildert, aber die Einschränkungen sind geblieben.

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Lösungen finden: (V.r.) Daniel Pfister und Brigitte Christen von Digmedia im Gespräch mit Jörg Hanschur und Karin Schwerzmann von ParaWork.

«Wir wissen, du kannst das…»

Heute ist David Komarica froh, dass er mithilfe von ParaWork, einer Abteilung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums, einen Lehrbetrieb gefunden hat, der nicht seinen Körper ins Zentrum stellt, sondern seine Möglichkeiten: «Es ist schön, wenn ich morgens ins Büro komme und einfach David bin und nicht ‹der Typ im Rollstuhl›.» Bei Digmedia in Luzern werde er als Person ernst genommen und respektiert: «Ich bekomme Vertrauen geschenkt und trage bereits viel Verantwortung. Wir finden aber auch Lösungen, wenn ich körperlich etwas nicht kann – zum Beispiel bei der Montage von Displaywänden.» Das kleine Team passt die Aufgaben an die Stärken der Mitarbeitenden an. Die Grundlage dafür ist eine offene und ehrliche Kommunikation. Bei Digmedia absolviert David Komarica eine vierjährige Lehre zum Mediamatiker. Er wird genauso gefordert wie alle anderen, aber das motiviert ihn zusätzlich: «Sie sagen: Wir wissen, du kannst das. Und wenn ich noch etwas brauche, melde ich es.» Der Lernende fühlt sich sehr aufgehoben im familiären Umfeld der Luzerner Kommunikationsfirma mit Schwerpunkt digitale Anzeigetafeln. Er ist nicht der einzige Rollstuhlfahrer im Betrieb – aber das habe sich einfach so ergeben, sagt Firmeninhaber Daniel Pfister.

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Der Unternehmer ist erstaunt, dass kein anderer Betrieb das Potenzial von David Komarica gesehen hat. «Er ist wie ein ungeschliffener Diamant, der Grosses in sich birgt», sagt er. Der Chef hat eine zupackende Art, ist anspruchsvoll und stellt dem Lernenden gezielte Herausforderungen, damit er sein Potenzial entwickeln kann. Zusammen mit dem Job Coach von ParaWork freut sich Pfister über jeden Fortschritt: «Wir wussten: Es funktioniert. – Und wenn etwas nicht funktioniert, dann machen wir, dass es funktioniert.» Das Motto steht für die Firmenkultur. Diese Mediamatiker-Lehrstelle wurde eigens für David Komarica geschaffen, nachdem Stellenvermittlerin Karin Schwerzmann von ParaWork ihn als Talent empfohlen hatte und sein Praktikumseinsatz das Team begeisterte.

«Wir wussten: Es funktioniert. – Und wenn etwas nicht funktioniert, dann machen wir, dass es funktioniert.»

Daniel Pfister, Firmeninhaber Digmedia

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