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Schmerzratgeber – mit chronischen Schmerzen umgehen lernen

Das Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil zählt zu den führenden Schmerzkliniken der Welt. Es behandelt Menschen mit und ohne Querschnittlähmung mit den heute fortschrittlichsten Therapierformen.

Chronischer Schmerz ist eine eigene Krankheit: ein komplexes Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren. Von chronischen Schmerzen betroffene Menschen können zur Verbesserung ihrer Situation beitragen – nachdem eine akute Erkrankung ausgeschlossen worden ist. Fachexperten des Zentrums für Schmerzmedizin Nottwil haben für Sie wichtige Informationen und Tipps zusammengestellt.

Das Wichtigste zu chronischen Schmerzen in Kürze

⌚: 1 Min.

Kopfweh und Migräne

  • Neu aufgetretenes, sich veränderndes oder unklares Kopfweh benötigt immer eine neurologische Abklärung.
  • Kopfweh hat viele Faktoren und wird auch durch Stress, Stimmung, Entspannungsfähigkeit und die Lebenssituation in Beruf und Familie beinflusst.
  • Zur Vorbeugung von Kopfschmerzen hilft eine gesunde Lebensweise: regelmässig schlafen und essen, genügend Pausen, sich körperlich aktiv betätigen.

Psychologie

  • Mit chronischen Schmerzen leben heisst, seine Kraft und Zeit einteilen und zu entscheiden, was einem wichtig ist und was nicht. 
  • Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse, nehmen Sie Ihren Körper und Ihre Emotionen bewusst wahr.

Rückenschmerzen

  • Rückenschmerzen sind häufig, benötigen selten ein MRI und brauchen kaum eine Operation.
  • Regelmässiges Üben reduziert Schmerzen, senkt Muskelanspannungen, hebt Ihre Stimmung und stärkt das Immunsystem.
  • Lebenseinflüsse wie Schlafmangel können Rückenschmerzen ebenso beeinflussen wie Stress, Ängste oder eine negative Stimmung. 

16% der Schweizer Bevölkerung hat chronische Schmerzen

Schmerzratgeber Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil - mit chronischen Schmerzen umgehen lernen.

Teufelskreis der Schmerzen. Schmerz ist mit negativen Gefühlen wie Angst, Wut und Sorge verbunden. Diese motivieren uns, etwas gegen ihn zu unternehmen – Schonung, Verzicht auf Bewegung, Ruhe. Dauert der Schmerz an, verfestigt sich das inaktive Verhalten, die negativen Gefühle werden häufiger, eine schlechte Stimmung verstärkt die Schmerzwahrnehmung. Es entsteht ein Teufelskreis rund um den chronischen Schmerz. (Quelle: Schweizer Paraplegiker-Forschung)

 

Ausführlicher Schmerzratgeber

Text: Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil
Statistik Quelle: Schweizer Paraplegiker-Forschung

⌚: 5 Min.

 

Kopfweh und Migräne

  • Lassen Sie Ihr Kopfweh abklären
    Neu aufgetretenes, sich veränderndes oder unklares Kopfweh benötigt immer eine neurologische Abklärung.
  • Migräne und Kopfweh sind häufig
    14 Prozent aller Menschen leiden an Migräne, 60 Prozent an Spannungskopfweh, 3 Prozent an chronischen Kopfschmerzen.
  • Kopfweh hat viele Faktoren
    Stärke und Häufigkeit von Kopfweh werden nicht nur von körperlichen Faktoren wie Genen und Gehirn beeinflusst, sondern auch durch psychologische und soziale Faktoren – dazu zählen Stress, Stimmung, Entspannungsfähigkeit und die Lebenssituation in Beruf und Familie.
  • Nutzen Sie die multimodale Therapie
    Eine Kopfwehbehandlung bedarf oft eines Behandlungsteams aus Neurologen, Physiotherapeuten und Schmerzpsychologen.
  • Beachten Sie Verhaltensregeln für Gesundheit
    Zur Vorbeugung von Kopfschmerzen hilft eine gesunde Lebensweise: regelmässig schlafen und essen, genügend Pausen machen, sich körperlich aktiv betätigen.
  • Sie müssen Kopfschmerzen nicht aushalten
    Einzelne Migräne- und Kopfschmerzattacken können oft gut mit Medikamenten behandelt werden.
  • Behandlung häufiger Kopfschmerzen
    Häufige Kopfschmerzen benötigen oft eine Prophylaxe (vorbeugende Medikamente).

66% aller Schmerzpatienten leiden unter Depressionen

Schmerzratgeber Familie

Angehörige sind Teil der Lösung für chronische Schmerzen.

Psychologie

  • Sie sind mehr als Ihr Schmerz
    Sie haben Schmerzen, Sie sind aber mehr als Ihr Schmerz. Kümmern Sie sich ganz bewusst um dieses Mehr! Achten Sie auf sich und Ihre Umgebung, pflegen Sie Ihre Freunde, Ihr Zuhause und auch sich selbst.
  • Schmerzen sind nicht tödlich
    Schmerzen sind eine chronische Erkrankung, die Sie in Ihrem Leben einschränkt, aber die Krankheit ist nicht lebensgefährlich. Lernen Sie, wie Sie trotz Schmerzen gut leben können.
  • Leben Sie bewusst
    Mit Schmerzen leben heisst, seine Kraft und Zeit einteilen und zu entscheiden, was einem wichtig ist und was nicht. Lernen Sie delegieren und nehmen Sie Hilfe an, aber behalten Sie das Wesentliche bei sich. Strahlend saubere Fenster sind schön, schöner sind die strahlenden Augen Ihrer Angehörigen, wenn sie zusammen mit Ihnen eine gute Zeit erlebt haben.
  • Gehen Sie nach draussen
    Ziehen Sie sich nicht zurück. Denken Sie nicht darüber nach, was andere von Ihnen halten mögen, wenn sie Sie sehen. Gehen Sie hinaus, geniessen Sie einen Spaziergang, das Shoppen, einen Schwatz oder die Bank in der Sonne. Bewegen Sie sich regelmässig.
  • Balance zwischen Aktivität und Ruhe
    Nehmen Sie sich Zeit für angenehme Tätigkeiten, pflegen Sie Kontakte zu Familie und Freunden. Aber planen Sie unbedingt auch genügend Zeit für die Entspannung und für Pausen im Alltag ein. Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse, nehmen Sie Ihren Körper und Ihre Emotionen bewusst wahr.

Wie können wir Schmerzen verstehen und wissen, was dagegen zu tun ist? Dieses Video beantwortet diese Fragen.

Nervenschmerzen

Brennende Schmerzen, elektrisierende Schmerzattacken oder Schmerzen nach Berührung können auf Nervenschmerzen hinweisen. Spezielle Messungen wie die Quantitative Sensorische Testung (QST) oder Laser-evozierte Potenziale zeigen zusätzlich zur Routineuntersuchung eine Schädigung der Nervenfasern. Neben der Behandlung mit Medikamenten wird häufig eine multimodale Schmerztherapie, im Einzelfall ein Rückenmarkstimulator, benötigt. 

Rückenschmerzen

  • Rückenschmerzen sind häufig
    84 Prozent aller Menschen erleben Phasen mit Rückenschmerzen – oft nach ungewohnten oder zu starken Belastungen. Normalerweise bildet sich der Schmerz innert drei Monaten zurück.
  • Sie benötigen selten ein MRI
    Bei weniger als 5 Prozent aller Patienten helfen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRI). Viele der damit sichtbaren Veränderungen lösen keine Rückenschmerzen aus und sind altersentsprechend normal. Deshalb ist häufig eine orthopädische oder neurologische Abklärung nötig.
  • Sie brauchen kaum eine Operation
    Chirurgische Eingriffe benötigen nur wenige Patienten. Die meisten können weiterhin Alltagsaktivitäten ausführen, wenn sie ihre Schmerzfaktoren kennen. Langfristig haben Operationen kein besseres Ergebnis als etwa eine Bewegungstherapie.
  • Übungen sind gut und sicher
    Schonen Sie sich nicht zu lange und vermeiden Sie keine Bewegung aus Angst vor Schädigungen. Diese Gefahr besteht nicht. Regelmässiges Üben reduziert Schmerzen, senkt Muskelanspannungen, hebt Ihre Stimmung und stärkt das Immunsystem.
  • Suchen Sie nicht die perfekte Sitzposition
    Keine spezifische Sitzhaltung kann Rückenschmerzen reduzieren oder verhindern. Das Wichtigste ist, dass Sie Ihre Sitzposition variieren und sich dabei auf eine vertraute, entspannte und abwechslungsreiche Art bewegen.
  • Stärken Sie sich beim Heben und Beugen
    Vermeiden Sie bei Rückenschmerzen keine Bewegungen wie Heben, Bücken und Drehen. Natürlich kann ein ungeschicktes oder zu schweres Heben den Rücken einmal überlasten, aber deswegen sind diese Bewegungen nicht gefährlich. Nutzen Sie das Heben und Bücken vielmehr zur Stärkung Ihres Rückens.
  • Werden Sie bald wieder aktiv
    Am Anfang einer Schmerzphase ändern sich die Bewegungen stark. So entstehen Muster, die Verspannungen verstärken und langfristig ungesund sein können. Seien Sie also nicht übervorsichtig und nehmen Sie Ihre Aktivitäten bald wieder auf.
  • Lebenseinflüsse beeinflussen Ihre Schmerzen
    Lebenseinflüsse wie Schlafmangel oder ein gestörter Schlaf können Rückenschmerzen ebenso beeinflussen wie Stress, Ängste oder eine negative Stimmung. Mit Tätigkeiten, die Ihnen Spass machen, können Sie solche Faktoren positiv beeinflussen.

 

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung setzt sich auch für Schmerzpatienten ein – mit und ohne Querschnittlähmung.

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung ist ein gemeinnütziges Solidarwerk, welches sich für die gesamtheitliche Rehabilitation von Querschnittgelähmten einsetzt. Zusammen mit ihren Tochter- und Partnergesellschaften steht sie dafür ein, Querschnittgelähmte ein Leben lang zu begleiten. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung unterstützt das Schweizer Paraplegker-Zentrum und somit das Zentrum für Schmerzmedizin (ZSM) finanziell. Das ZSM stellt nach internationalen Kriterien die höchste Versorgungsstufe zur Behandlung von Schmerzen aller Art dar und bietet verschiedene Programme für Patienten mit chronischen Rücken-, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Querschnittpatienten.

Bereits 1.8 Mio. Menschen in der Schweiz sind Mitglied bei der Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Mit einem jährlichen Beitrag unterstützen Sie die Arbeit in Nottwil und sorgen selbst für den Ernstfall vor. Mitglieder erhalten bei einer unfallbedingten Querschnittlähmung mit permanenter Rollstuhlabhängigkeit eine einmalige Zahlung von 250'000.–. Dieser Betrag hilft, die hohen Folgekosten z.B. für den Umbau der Wohnung oder des Autos einer Querschnittlähmung zusätzlich zu decken.

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Lesen Sie hier den kompletten Artikel aus dem Paraplegie zum Thema «Schmerzen»

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