«Wir bringen Ersatz für verlorene Körperfunktionen»
Active Communication, eine Organisation der Schweizer Paraplegiker-Gruppe, bietet Technologien, die Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes und barrierefreies Wohnen ermöglichen.

Florian Blattner, Leiter Versorgungen technische Hilfsmittel, Active Communication
Interview mit Florian Blattner
Florian Blattner, worauf legen Sie den Fokus im Bereich des Wohnens?
Bei der Bauberatung klären wir, welche motorischen Fähigkeiten vorhanden sind und wobei die betroffenen Menschen Unterstützung benötigen. Typische Themen sind Türen und Fenster öffnen, Lichter und Storen bedienen, das Bett verstellen, elektronische Geräte oder den Lift benutzen. Unsere Systeme steuern alles Notwendige an, wenn eine Hand keinen Schalter oder Griff mehr drücken kann.
Wie gehen Sie dabei vor?
Im Zentrum steht das individuelle Bedürfnis der Klientinnen und Klienten. Wir zeigen ihnen Lösungsmöglichkeiten und je nach Situation weitere Optionen. Es sind verschiedene Stufen von Beratungsgesprächen, in die auch Fachpersonen aus Nottwil, das Zentrum für hindernisfreies Bauen in Muhen
und lokale Partnerfirmen eingebunden sind.
Sie stellen also Verbindungen zur technischen Installation her?
Wir sind Fachleute für die Schnittstellen zwischen Mensch und Technik, damit die Betroffenen eine möglichst hohe Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden haben. Wenn zum Beispiel eine Person mit dem Finger noch einen Bildschirm berühren kann, nutzen wir das Handy als Verbindung zur Installation, die die Türe öffnet. Für hochgelähmte Menschen setzten wir spezialisierte Geräte ein, die man mit dem Kopf oder per Kinn-Joystick bedienen kann. Auch Augensteuerungen sind möglich.
Und Sie schauen, dass damit alles Notwendige ferngesteuert werden kann?
Ja. Wir schauen auch, welche Anforderungen zu hundert Prozent funktionieren müssen und wo einfachere Systeme zum Beispiel per Sprache über das Smartphone bedient werden können – auch im Verbund mit den bekannten Home-Apps, etwa von Google oder Apple. Wir nutzen alle vorhandenen
Systeme, um daraus die optimale Lösung für unsere Klientinnen und Klienten zusammenzustellen.
Was sind aktuelle Trends?
Dazu gehört die standortabhängige Automation: Anhand des Standorts weiss das System, was passieren soll – und öffnet rechtzeitig die Türe oder regelt das Licht. Intelligente Hausautomationen lernen, die Umgebung an das jeweilige Verhalten der Nutzenden anzupassen. Solche Komfortfunktionen werden immer mehr kommen.
Kümmern Sie sich auch um Finanzierungsfragen?
Das ist ein grosses Thema. Für die Invalidenversicherung muss eine Lösung «einfach und zweckmässig» sein. Wenn die Betroffenen bereits im AHV-Alter sind, ist die IV nicht mehr zuständig. Dann braucht es Privatmittel und Stiftungen, die einspringen. Die technische Herausforderung ist oft kleiner, als die Finanzierung sicherzustellen und alle Partner zu koordinieren.
Was fasziniert Sie an dieser Arbeit?
Die Kombination von Beziehungen zu Menschen in Verbindung mit der Technik: Wir bringen den Betroffenen Ersatzlösungen für verlorengegangene Körperfunktionen nach Hause. Die Wertschätzung, die wir dabei erleben, ist enorm. Auch der Umgang der Betroffenen mit ihrem Schicksal ist für
mich immer sehr bewegend und motivierend.
Interview erschienen im Magazin «Paraplegie», März 2026
Text: Stefan Kaiser
Bild: Jonas Pfister
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