Sirmed Rettungssanitäterinnen in Ausbildung in Nottwil

Rettungssanitäter und Rettungssanitäterinnen

Im Notfall mitten drin

Rettungssanitäter zu werden ist ein sehr beliebtes Berufsziel. Der Weg zum Ziel ist nicht immer schnurgerade. Eine der sieben höheren Fachschulen für Rettungsmedizin ist aber immer involviert. 

Text: Katrin Oberlin 
Bilder: Beatrice Felder  / Walter Eggenberger

Jeder kennt die Situation. Gemütlich abends am Esstisch sitzend nimmt man das leise Geräusch einer Sirene wahr. Es wird lauter und lauter. Man hofft, dass es schnell vorübergeht und das blaue Licht der Ambulanz nicht stehen bleibt. Es wäre das eindeutige Zeichen, dass ganz in der Nähe eine Person in Not ist. Nur einen Augenblick sieht man den Fahrer in seiner Uniform, wie er konzentriert den grossen Rettungswagen steuert. Nicht jeder möchte seinen Platz übernehmen. Mitten im Geschehen Verantwortung übernehmen, Personen in einer Notsituation betreuen - was die einen scheuen, ist für andere der Wunschberuf. 

Sirmed  Simulationsuebung in der Ambulanz

Simulationsübung in der Ambulanz

Abwechslungsreiche Ausbildung zum Rettungssanitäter

Der Fahrer in der Ambulanz, der gerade neben einem Wohnquartier vorbei fuhr, bereitet sich auf seinen Einsatz vor. Er ist Rettungssanitäter in Ausbildung und im ersten Lehrjahr. Ein Beruf mit Action, mit und um Menschen, der viel von einem abverlangt und jeden Tag mit neuen Situationen aufwartet. Die Ausbildung an einer der sieben höheren Fachschulen für Rettungssanität in der Schweiz dauert drei Jahre. Für Personen mit einer pflegerischen Vorbildung ist die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt. Es ist eine Vollzeitausbildung, wovon etwa zwei Drittel in einem Lehrrettungsdienst absolviert werden. Der Rest ist die schulische Ausbildung. In den Fächern Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre wird das Grundwissen vermittelt, auf dem die weiteren Fächer aufbauen. Vertiefte Kenntnisse und Fertigkeiten in der Notfallmedizin, den verschiedenen Rettungstechniken und der Lagerung sowie dem Transport werden behandelt. Als Studierender setzt man sich auch mit ethischem Handeln auseinander und wie die Zusammenarbeit mit anderen Blaulichtpartnern wie der Polizei oder der Feuerwehr am erfolgreichsten funktioniert. 

Sirmed Ausbildner im SimCenter Steuerungsraum
waehrend_der_simulation_im_wohnzimmer

Simulation und das anschliessende Debriefing als Schlüsselmethode

Die Unterrichtsmethoden sind vielfältig. Neben dem Theorieunterricht im Schulzimmer stehen viele praktische "Transfertage" auf der Planung. Das Ziel dieser Tage ist es, die umfangreiche Theorie in praktischen Übungen anzuwenden. Dazu eignen sich Simulationen am besten. Bei dieser Methode wird ein fiktiver Einsatz so realitätsnah wie möglich simuliert. Denn die Bergung einer Person aus einem Lüftungsschacht kann am nachhaltigsten trainiert werden, wenn sich ein Schauspielpatient in einen Lüftungsschacht legt und der Studierende ihn birgt. Ebenso wichtig wie die Übung selber ist die anschliessende Nachbesprechung. Optimalerweise liegt diesem "Debriefing" ein strukturierter Gesprächsleitfaden zu Grunde. Der Ausbildner regt mit den richtigen Fragen zur Selbstreflexion der Leistung an. So kann sich der Studierende verbessern und ist für die Praxis gerüstet.
 

Bei der Methode Simulation wird ein fiktiver Einsatz so realitätsnah wie möglich simuliert.

Sirmed Debriefing einer Übung

Sirmed Debriefing einer Übung

Vom ersten Tag an im Einsatz

Der Grossteil der Ausbildung findet im Lehrrettungsdienst statt. Jeder Studierende hat einen eigenen Berufsbildner, der eine wichtige Vertrauensperson ist. Von Beginn an fährt der Studierende als zusätzliche Person neben zwei ausgebildeten Rettungssanitätern mit. Anfangs übernimmt er einfache Zuarbeiten und Vorbereitungen, kurz vor dem Examen nimmt er die Rolle als Einsatzleiter wahr. Der Berufsbildner überprüft regelmässig den Lernverlauf seines Studierenden, gibt ihm Feedback und coacht ihn. Er ist das Bindeglied zwischen Lehrrettungsdienst und Schule. 
 

Simulationsuebung von Rettungssanitaetern in Ausbildung in einer Heizungszentrale

Simulationsübung von Rettungssanitaetern in Ausbildung in einer Heizungszentrale

Viele wollen, nur wenige finden einen Ausbildungsplatz

Das Interesse für den Beruf ist sehr gross. Nur wenige ergattern einen der raren Ausbildungsplätze. Die angehenden Rettungssanitäter gehen oft Kompromisse ein und bewerben sich auch auf Ausbildungsstellen weit vom Wohnort entfernt. Häufig müssen sie mehrere verschiedene Aufnahmeverfahren von Ausbildungsinstitutionen durchlaufen. Zur Aufnahme bei der SIRMED, dem Schweizer Institut für Rettungsmedizin in Nottwil, muss zuerst ein Ausbildungsplatz bei einem Lehrrettungsdienst gefunden werden. Der unterschriebene Ausbildungsvertrag und einige weitere Mindestanforderungen sind die Voraussetzung für die Anmeldung. Die Aufnahmebedingungen der anderen höheren Fachschulen unterscheiden sich insofern, dass die Bewerber Infoveranstaltungen oder Einführungstage besuchen müssen. Die Ausnahme bildet die Schule von "Schutz und Rettung Zürich", der Blaulichtorganisationen vom Kanton Zürich. Interessierte bewerben sich direkt bei der Schule. Diese organisiert nach erfolgreichem Assessmentverfahren den Ausbildungsbetrieb für den Studierenden. 
 

Dirmed Audio Video unterstuetzte Simulationsuebung einer Schockraumuebergabe

Eine Audio-Video unterstützte Simulationsübung einer Schockraumübergabe

Notfälle im Wandel

Der Rettungssanitäter in Ausbildung ist mit seinen beiden Berufskollegen am Einsatzort angelangt. Sie betreuen den Patienten. Nun sind sie auf dem Weg in die nächste psychiatrische Klinik. Der Patient erlitt eine psychische Dekompensation. Nicht immer fliesst Blut und nicht immer brechen Knochen. In den letzten Jahren verschieben sich die Einsätze von unfallbedingten Verletzungen zu psychosozialen Notfällen. Dies verlangt den Rettungskräften andere Kompetenzen ab. Die Zukunft bringt bestimmt weitere Herausforderungen. 
 

Höhere Fachschulen für Rettungsmedizin:

Quellen und Hintergrundinformationen

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