Trau dich zu helfen!

Was tun im Notfall?

Jede/r kann irgendwann Zeuge einer Notfallsituation werden und Erste Hilfe leisten müssen - oder selber Erste Hilfe benötigen.

Wer nicht beruflich regelmässig mit Notfallsituationen zu tun hat, wird sich kaum für alle möglichen Fälle vorzubereiten können und viele Menschen äussern Angst vor solchen Situationen. 

Daher wollen wir einige einfache Vorgehensweisen für eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Notfallsituationen aufzeigen. Sie sind primär als Begleitmaterial zu unseren verschiedenen Seminaren für Ersthelfer gedacht.

Das Thema Kreislaufstillstand und Reanimation wird separat unter der Unterschrift BLS-AED behandelt.

  • SIRMED Die Rettungskette

    Braucht ein Mensch medizinische Hilfe, dann sind Ersthelfer gefragt. Es braucht Mut und den Willen, schnellstmöglich Hilfe zu leisten. Sofortmassnahmen können lebensrettend sein. Ersthelfende stellen dabei die überbrückende Versorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sicher.

    Die Rettungskette beschreibt die Versorgungsphasen bei Notfällen:

    1. Erkennung der Notfallsituation und Sofortmassnahmen
    2. Alarmierung des Rettungsdienstes
    3. Erweiterte Massnahmen der Ersten Hilfe
    4. Übernahme durch professionelle Helfer und Transport
    5. Interdisziplinäre Versorgung im Spital

  • SIRMED Ampelschema Vorgehensweise

    Das sogenannte "Ampelschema" hilft, bei der Ersten Hilfe einen klaren Kopf zu bewahren:

    1. Schauen (rot wie "Stopp!")
    2. Denken (gelb)
    3. Handeln (grün)

    Jeder soll in der Lage sein Hilfe zu leisten, ohne dabei zum Opfer zu werden.

     

    1. Schauen: Erfassen, was überhaupt passiert ist. Hier geht es besonders darum, Gefahren für den Patienten und / oder Umstehende (z.B. Brand, Explosion, Absturz oder rollenden Verkehr) sowie die mögliche Situation des Betroffenen, den Unfallhergang, die Verletzungen bzw. die Zeichen einer akuten Erkrankung zu erkennen.

    2. Denken: Allfällige Gefahren werden beurteilt und bereits vor dem ersten Patientenkontakt angemessene Selbstschutzmassnahmen ergriffen. Zu den wichtigsten Selbstschutzmassnahmen gehören:

    • Tragen von Schutzhandschuhen – möglichst von Anfang an, sicher aber vor dem ersten Kontakt mit Körperflüssigkeiten
    • Absperrung bzw. Signalisation bei Unfällen (v.a. im Strassenverkehr)
    • Vorsicht vor fliessendem Verkehr
    • Zurückhaltung bei aggressiven Auseinandersetzungen
    • Abstand bei Brand-, Explosions- oder Absturzgefahr
    • Achtung vor Strom und Vergiftungen

    Danach geht es darum, welche Hilfe die betroffene Person benötigt.

    3. Handeln: Je bedrohlicher die Situation für den Betroffenen, desto dringender ist die Erste Hilfe. Unbedingt frühzeitig alarmieren und Unterstützung anfordern. Nach Art. 128 des Schweizer Strafgesetzbuchs ist jede Person im Rahmen des Zumutbaren dazu verpflichtet, Hilfe zu leisten, wenn ein Mensch in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt.

Einleitung

Wenn Gefahren ausgeschlossen sind geht es darum, schnell zu erkennen ob eine Lebensbedrohung vorliegt und lebensrettende Sofortmassnahmen notwendig sind. Notfallsituationen lassen sich nach ihrem Erscheinungsbild in drei wesentliche Gruppen einteilen:

Erkennen: Ansprechbare Person
Der Patient ist wach, ansprechbar und in der Lage, zu antworten. Ein solcher Patient wird Bedürfnisse zur Ersten Hilfe äussern. Bei diesem Patienten liegt meist keine unmittelbare Lebensbedrohung vor.

Erkennen: Bewusstlose Person
Der Patient ist bewusstlos und reagiert auch auf Berührung und lautes Ansprechen nicht mehr, zeigt aber eine normale Atmung. Es liegt potenziell eine Lebensbedrohung vor, und als lebensrettende Sofortmassnahme ist eine Bewusstlosenlagerung notwendig. Da die Lebensbedrohung Vorrang hat, gilt dies auch bei Verdacht auf eine Rückenverletzung. Es geht darum, die Atemwege frei zu halten und den Patienten vor einer Aspiration (Eindringen von Mageninhalt in die Lunge) zu schützen.

Erkennen: Person im Kreislaufstillstand
Der Patient ist bewusstlos, reagiert auch auf Berührung und lautes Ansprechen nicht mehr und atmet nicht, oder nicht normal atmet. Dieser Patient ist akut lebensgefährlich bedroht und braucht sofortige Wiederbelebungsmassnahmen.
Sofortmassnahmen sind Alarmierung, Herzmassage und Beatmung. Wenn ein Defibrillator (AED) verfügbar ist, sollte dieser schnellstmöglich eingesetzt werden.

  • Information
    Befinden sich nach einem Unfall noch Verletzte in einem Fahrzeug und können sich diese nicht selbständig befreien, sind alle Rettungsversuche durch Ersthelfer zu unterlassen, weil solche Manöver den Helfer wie auch die Opfer gleichermassen stark gefährden können.
    Sehr seltene Ausnahme: Droht ein Fahrzeug in Brand zu geraten, kann versucht werden, die Verletzten aus dem Auto zu ziehen. Auch in anderen Fällen, in denen ohne sofortige Bergung unmittelbare Lebensgefahr oder der Tod bevorsteht - zum Beispiel, weil sich ein Einsturz ankündet oder der Patient bewusstlos ist und nicht mehr normal atmet, sollen Ersthelfer eingreifen. 

    Dies jedoch immer nur, wenn der Helfer bei solchen Aktionen nicht damit rechnen muss, selbst schwer verletzt zu werden. Selbstschutz steht über allen Massnahmen!

  • Wer beim Rettungsdienst, der Polizei oder der Feuerwehr Hilfe anfordert, wird systematisch durch die Abfrage geführt. In der Regel wird zuerst der Notfallort erfragt. Anschliessend erfolgt Fragen zum Notfall: Was ist passiert? Wo ist der Notfallort? Wie lautet die Rückrufnummer? Wie alt ist der Patient? Ist der Betroffene ansprechbar, atmet er?
    Die Antworten erleichtern dem Rettungsdienst den Notfallort rasch zu finden und angemessen zu reagieren. Wenn erforderlich leiten Disponenten schon jetzt Sofortmassnahmen an und unterstützen den Anrufer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes telefonisch.

    In der ganzen Schweiz gelten die folgenden Notrufnummern:

    • Sanitätsnotruf 144
    • Feuerwehr 118
    • Polizei 117
    • Rega 1414
    • Vergiftungsauskunft 145
    • Dargebotene Hand 143

    Zusätzlich ist die europäische Notrufnummer 112 in den meisten Kantonen aktiv und erleichtert zum Beispiel Touristen die Alarmierung in Notfallsituationen.

  • Information
    Im Rahmen der Ersten Hilfe kann es, v.a. durch Verletzungen und Infektionen, zu Gefahren für Ersthelfer kommen. An oberster Stelle steht immer die eigene Sicherheit. Ersthelfer sollen nicht selber zu Schaden kommen.

    Erkennen

    • Achtung: nicht jede Bedrohung ist auf den ersten Blick erkennbar
    • Ampel-Prinzip berücksichtigen
    • Bei Bedarf Experten beiziehen (z. B. Sicherheitsbeauftragte, Feuerwehr usw.)
    • Mitmenschen und Retter warnen, wenn beispielsweise Rutschgefahr besteht, bzw. Glasscherben, Drogenspritzen o.a. herumliegen
    • Nach Möglichkeit und unter Berücksichtigung der eigenen Sicherheit, Betroffene aus dem Gefahrenbereich bergen

    Handeln

    • Handschuhe tragen reduziert das Risiko der Krankheitsübertragung ebenso wie die hygienische Händedesinfektion
    • Bei drohender Gewalt immer sofortiger Rückzug und via 117 Polizei alarmieren
    • Fluchtwege offenhalten
    • Dem Betroffenen / Täter niemals den Rücken zuwenden
    • Ruhig auftreten, ruhig sprechen

    Besonderheiten im Strassenverkehr:

    • Verkehr berücksichtigen (vor dem Aussteigen, Überqueren der Strasse usw.)
    • Auf der Autobahn Schutz hinter der Leitplanke suchen
    • Warnweste tragen
    • Das eigene Fahrzeug zum Absichern der Unfallstelle als Prellbock verwenden
    • Warnblinklicht und Abblendlicht einschalten, Warndreieck aufstellen (innerorts mind. 50 Meter von Unfallort, auf Landstrassen mit erhöhter Geschwindigkeit mind. 100, auf Autobahnen mind. 200 Meter)
  • Information
    Besser als Erste Hilfe leisten zu müssen ist es, Notfälle zu verhindern. Ein grosser Teil der Notfälle vorhersehbar und damit vermeidbar ist! Zur Vermeidung gehört es, Risiken zu erkennen, zu bewerten und zu reduzieren. Viele Krankheiten lassen sich durch die Lebensweise beeinflussen. So sind viele Risikofaktoren für einen Herz-Kreislaufstillstand (erhöhtes Cholesterin, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Zuckerkrankheit und Bewegungsmangel) z.B. durch bewusste Lebensführung bzw. medizinische Massnahmen beeinflussen. Bezüglich Unfällen bestehen eine ganze Reihe von Präventionsmöglichkeiten:

    • Kein Alkohol am Steuer oder beim Bedienen von Maschinen
    • Angepasste Geschwindigkeiten im Strassenverkehr und auf der Piste
    • Schutzmassnahmen und Ausrüstung wie Helm, Gurten und vieles mehr
  • Information
    Erste Hilfe kann Leiden lindern und Leben retten. Erste Hilfe sollte eine Selbstverständlichkeit gegenüber Hilfebedürftigen sein. Gleichwohl stellt Art. 128 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs die unterlassene Hilfeleistung bei unmittelbarer Lebensgefahr unter Strafe. Im Umkehrschluss ist davon auszugehen, dass im Rahmen der Ersten Hilfe nach bestem Wissen und Gewissen rechtliche Konsequenzen unwahrscheinlich sind. Insbesondere bei einem lebensbedrohlichen Kreislaufstillstand gilt: Ohne Wiederbelebungsmassnahmen stirbt der Patient! Die Pflicht zur Nothilfe trifft alle, die dazu in der Lage sind. Bei Anwesenheit mehrerer Personen trifft die Hilfspflicht jeden von ihnen. Einschränkend wird die Zumutbarkeit der Hilfeleistung gewertet. Dazu gehören der Grad der eigenen Gefährdung bzw. Beeinträchtigung, die persönlichen Fähigkeiten, die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln, sowie Ausbildung und Erfahrung. Mindestens die Benachrichtigung eines Rettungsdienstes ist jedermann zumutbar.

  • Informationen
    Das Aufgebot erfolgt meist anhand von Einsatzstichwörtern durch die Sanitätsnotrufzentrale, denn Partnerorganisationen können sich gegenseitig aufbieten (bei Brandalarm kommt beispielsweise automatisch auch die Polizei). Warnwesten / Gilet können Auskunft über Organisation und Funktionen der Personen geben. Den Anweisungen der professionellen Retter ist strikt Folge zu leisten.

    Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst (RD)

    • Meistens ist der RD innerhalb von 10 bis 15 Minuten vor Ort
    • Einweisung erleichtert dem RD, den Einsatzort zu finden
    • Häufig nimmt der RD Hilfe von Ersthelfern und Passanten in Anspruch
    • RD nimmt Informationen von Augenzeugen entgegen, besonders, wenn der Betroffene nicht ansprechbar ist

    Zusammenarbeit mit der Polizei

    • Polizisten verfügen über eine solide Grundausbildung in Erster Hilfe
    • Die Polizei wird bei Arbeits- und Verkehrsunfällen mit Personenschaden meist automatisch aufgeboten
    • Erste Hilfe hat Priorität vor Ermittlungen und Spurensicherung
    • Die Polizei sichert Unfallstellen ab, hält den Weg für Feuerwehr und Rettungsdienst frei und weist bei Bedarf den Rettungshelikopter ein

    Zusammenarbeit mit der Feuerwehr

    • Milizfeuerwehren benötigen in der Regel einige Minuten zum Ausrücken (Ausgangspunkte sind häufig Arbeits- oder Wohnort)
    • Spezialaufgebote wie Hubretter oder Strassenrettungszug können längere Anfahrtswege haben
    • Feuerwehreinheiten sind streng hierarchisch aufgebaut und jede Einsatzkraft hat eine klar definierte Rolle
    • Die Feuerwehr entscheidet über den Gefahrenbereich und dessen Zutritt

    Zusammenarbeit mit der Luftrettung

    • Die Luftrettung (v.a. die Rega, regional aber auch Air Zermatt oder AAA) übernimmt Transporte in Spitäler, die via Luftweg schneller erreichbar sind (z. B. Spezialklinik, Zentrumsspital)
    • Sie erreicht abgelegene Einsatzorte (Berge, Waldgebiete usw.)
    • Wird in der Regel von Polizei, Feuerwehr oder Pistenrettung eingewiesen
    • Vorsicht: Es besteht Gefahr durch Rotorblätter und Abwinde: Annäherung an den Helikopter nur von vorne mit Blickkontakt zum Piloten und erst wenn die Rotorblätter stehen!
  • Information

    Das Schweizer Heilmittelgesetz knüpft die Abgabe von Arzneimitteln an eine entsprechende Ausbildung. Ziel dieser Regelung ist es, durch Sachkenntnis bei der Abgabe von Heilmitteln deren sichere Anwendung zu gewährleisten. Ersthelfer ohne entsprechende Berufsqualifikation dürfen somit von Gesetzes wegen keine Medikamente der Abgabekategorien A, B und D abgeben.

    Das Heilmittelgesetz definiert vier verschiedene Abgabekategorien:

    • A: Einmalige Abgabe auf ärztliche oder tierärztliche Verschreibung;
    • B: Abgabe auf ärztliche oder tierärztliche Verschreibung;
    • D: Abgabe nach Fachberatung;
    • E: Abgabe ohne Fachberatung.
    • Verschreibungspflichtige Arzneimittel werden in die Kategorien A und B eingeteilt.
    • Die Kategorie C wurde zum 01.01.19 aufgehoben.
    • Die Arzneimittel der Abgabekategorien D und E sind nicht verschreibungspflichtig.
    • Unter "Fachberatung" (Kategorie D) führt der Gesetzgeber auf: "Personen, die verschreibungspflichtige Medikamente abgeben dürfen, sowie dipl. Drogisten."
    • Arzneimittel der Kategorie E sind frei verkäuflich und können von allen Personen abgegeben werden.
    • Für die Medikamente der Abgabekategorie E werden auch weder Beipackzettel, noch Fachinformationen verlangt.

    Verschiedene internationale Leitlinien bezeichnen es als medizinisch angemessen, bei Brustschmerzen mit Verdacht auf kardialen Ursprung oral 150 bis 300 mg Aspirin zuzuführen, solange keine bekannte Allergie oder aktuelle Blutung vorliegt (die gängigste Dosierung in der Schweiz sind Tabletten zu 500 mg). Eine entsprechende Anwendungsempfehlung findest sich auch für den Einsatz von Adrenalin (z.B. Epipen®, bzw. Epipen junior®) bei schweren allergischen Reaktionen. Der Widerspruch zwischen medizinischer Angemessenheit und gesetzlicher Einschränkung durch das Heilmittelgesetz lässt sich durch SIRMED nicht auflösen.

Weitere nützliche Links

Die Erste Hilfe umfasst auch Themen rund um Erkrankungen und Verletzungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kontaktperson Erste Hilfe

Become a member
Become a member

Become a member and receive CHF 250,000 in the event of an emergency.

Become a member
Donate
Donate

Donate now and support our projects in favor of people affected by spinal cord injuries.

Donate
Contact
SIRMED
Swiss Institute of Emergency Medicine
Guido A. Zäch Strasse 2b
CH-6207 Nottwil

T +41 41 939 50 50