Daniel's Blog

Daniel mit Helmut Bühler

Januar 2021

Meine Zeit in der Institution Rodtegg

Der Wechsel von der Primarschule Illgau in die Oberstufe der Stiftung Rodtegg im August 2008 war eine sehr grosse und harte Lebensveränderung. Damals war ich 14 Jahre jung. Ich wusste nicht, was mich erwarten wird. Zuhause in Illgau wollte ich nicht viel darüber sprechen. Es war der Beginn des bisher schwierigsten Jahres in meinem Leben, da es auch der Beginn meiner Internatszeit war. Bis dahin war ich nie richtig von Zuhause und meiner Familie getrennt. Ein ganzes Jahr hatte ich Heimweh. Montagmorgen brachte mich meine Mutter immer nach Küssnacht SZ. Dort holte mich das Taxi ab. Weinend verabschiedete ich mich von meiner Mutter. Im ersten Jahr in der Rodtegg war die Schule nicht an erster Stelle, zu viel hatte ich mit mir selbst zu tun. Nebst meinem Heimweh wurde mir erst in der Rodtegg richtig bewusst, dass ich eine Beeinträchtigung habe und mich diese das ganze Leben begleiten wird. In der Primarschule war ich der Einzige mit einer Beeinträchtigung.

«Ein ganzes Jahr hatte ich Heimweh»

Das erste Jahr in der Rodtegg telefonierte ich oft mit meinen Eltern. Ich zählte jeweils die Stunden bis Freitagnachmittag - bis wieder nach Illgau zu meiner Familie durfte. Als ich mich an die Situation gewöhnt hatte, begann es mir besser zu gehen. Meine schulischen Leistungen nahmen stetig zu. Bis dahin drückte ich mich nur mit meiner Lautsprache und mit einer ABC-Tafel aus. Da ich in Illgau immer mit den gleichen Personen in Kontakt war, gelang die Kommunikation ohne Talker gut. Mit der Anschaffung des Talkers in der zweiten Oberstufe begann mein Lese-Verständnis zu wachsen. Dies auch im Zusammenhang mit der Absetzung meiner Epilepsie-Medikamente, die bis dahin meine Schulzeit geprägt haben. Von da an begann es mir immer besser zu gehen.

«Es war der Beginn des bisher schwierigsten Jahres in meinem Leben.»

Die Berufswahl: Handwerker und Grafiker kommt nicht in Frage

Als es auf die Berufswahl zuging, wollte ich sehr lange nichts von Computer-Arbeit wissen. Ich wollte immer einen handwerklichen Beruf lernen. Dass dies nicht möglich ist, wurde mir erst bewusst, als ich die Firma Victorinox besichtigen durfte. Da wusste ich, dass ich nur im Büro eine Chance habe, weil alles andere nicht realistisch war. Ich entschied mich für das zweijährige Bürowärckjahr. Es war eine super Zeit. Ich habe den Computer kennen gelernt und gemerkt, dass es ganz spannend ist und ich damit sehr viel machen kann. Ich liebt es, zu gestalten. Mein neuer Traumberuf war Grafiker, dies war schon etwas realistischer. Natürlich wusste ich, dass ich schulisch zu viel verpasst hatte, um Grafiker werden zu können. Schon bald kam die Frage auf, was ich nach diesen zwei Jahren machen würde. Deshalb schnupperte ich eine Woche in der Bürofachschule in der Rodtegg. Ich war die ganze Woche sehr aufgeregt, da ich nicht wusste, ob meine schulischen Leistungen ausreichen würden. Doch ich habe es geschafft - ich durfte ein Jahr die Büroschule absolvieren.

"Praktiker PrA Büroarbeiten"

Für das anerkannte Diplom zum "Praktiker PrA Büroarbeiten" werden jedoch zwei Ausbildungsjahre verlangt. Die IV gab mir aber das zweite Jahr nicht und ich konnte meine Ausbildung nicht abschliessen. Die Begründung war, dass ich nie in der freien Marktwirtschaft arbeiten könne. Im Jahr 2017 lockerte die IV die Regelung für die Ausbildungen. Ich wollte meinen Abschluss unbedingt machen und durfte bei INSOS Schweiz einen Leistungsnachweis einbringen. Wieder war ich aufgeregt - reichen meine Leistungen oder muss ich noch ein Jahr die Schule besuchen? Es hat gereicht! 2017 erhielt ich meinen Abschluss zum «Praktiker PrA Büroarbeiten».

Es war mehrheitlich eine sehr schöne und gute Zeit in der Rodtegg. Ich konnte sehr viel lernen und danke der Rodtegg von Herzen für alles.

Es freut mich sehr, dass ich mit Herrn Helmut Bühler, Direktor der Rodtegg, ein Interview führen durfte.

  • Herr Bühler, würden Sie sich kurz vorstellen?

    Ich bin Helmut Bühler, 54 Jahre, verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern und wohne in Ruswil. Nach langer Tätigkeit als Lehrer für Geschichte und Pädagogische Psychologie an einer kantonalen Mittelschule in Luzern habe ich 12 Jahre als Rektor eine Mittelschule geleitet und 2019 in die Stiftung Rodtegg gewechselt.

    Was bietet die Rodtegg an?

    Die Stiftung Rodtegg bietet Menschen mit körperlicher Behinderung ein umfassendes Dienstleistungsangebot an. Dieses umfasst Schulung, Ausbildung, Arbeiten und Wohnen. Wir sind zudem stark in Pflege, Therapie und Beratung und dies seit nunmehr 40 Jahren mitten in Luzern.

    Wie lange sind Sie bereits Direktor der Rodtegg?

    Seit September 2019 - also 15 Monate.

    Was ist Ihre Motivation, Direktor der Rodtegg zu sein. Warum haben Sie sich gerade die Rodtegg ausgewählt?

    Ich arbeite gerne mit Menschen für Menschen. Die Rodtegg bietet mir ein Arbeitsumfeld, das mir von der ersten Minute an gefällt. Es freut mich, meine Arbeit und meine Kompetenzen in einer sozialen Institution einzubringen. Die Stiftung Rodtegg ist mit ihrem Angebot sehr breit und vielfältig. Das macht die Arbeit spannend. Ich schätze dabei besonders den Austausch mit den Klientinnen und Klienten. Das ist stets bereichernd.

    Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

    Er ist geprägt von vielen Sitzungen – derzeit häufig in Teams oder Zoom – und vielen auch unplanbaren Fragestellungen. So kann es vorkommen, dass plötzlich ein Thema auf dem Pult ist, mit dem ich an diesem Tag nicht gerechnet habe. Derzeit hat häufig die Corona-Aktualität Vorrang. Oft wird mein Arbeitsablauf durch Mailings oder Telefonanrufe mitbestimmt. Da muss ich häufig entscheiden, was ist wichtig und was dringlich.

    Wie viel arbeiten Sie? Haben Sie genug Erholungszeit?

    Ich schreibe meine Arbeitszeit nicht auf. Im Normalfall stehe ich an meinem Pult. In der zweiten Hälfte des Nachmittags werden dann die Beine gewöhnlich müde und ich gönne mir den Stuhl. An den Wochenenden achte ich darauf, dass ich viel draussen sein kann. Das ist für mich die beste Erholung.

    Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

    Ich lese gerne Literatur und geschichtliche Bücher, dann pflege ich meinen privaten Zoo (div. Vögel und Fische) und treibe viel Ausdauersport in der Natur, vorzugsweise in den Bergen. Das Zusammensein mit Familie und Freunden bedeutet mir viel.

    Welche Herausforderungen bring Ihr Job mit sich?

    Ich darf mit vielen Menschen zusammenarbeiten. Meine Rolle ist häufig die der Führung und Leitung in Projekten und Sitzungen. Mir gefällt es, mich auf unterschiedliche Situationen und Menschen einzustellen und mit ihnen zusammen etwas zu erreichen. Dabei muss ich darauf achten, dass all die vielen Themen durch mich gut und effizient gemanagt werden. Dazugehört immer auch die passende Kommunikation.

    Womit sind Sie im Moment am meisten beschäftigt?

    Derzeit muss ich viel kommunizieren nach allen Seiten: Die Corona-Pandemie ist da im Vordergrund. Es läuft aber auch das Alltagsgeschäft weiter und wir planen jetzt schon viel an der Zukunft: Das 40 Jahr-Jubiläum der Rodtegg im 2021 steht bald an.

    Die Institutionen entwickeln sich stets weiter, eine Neuorientierung ist im Gang. Auch der Kanton Luzern möchte, dass sich die Institutionen mehr öffnen und neue Angebote schaffen. Dies auch im Bereich externe Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Das Ziel ist unter anderem, mehr Wahlfreit zu ermöglichen. Welche Rolle nimmt die Rodtegg in diesem Prozess ein?

    Wir wollen da unseren Beitrag leisten. Einzelne Leistungen, die wir jetzt bereits stationär in der Rodtegg anbieten, möchten wir in Zukunft auch ambulant erbringen. In Frage kommen da Fachassistenz bei begleitetem Wohnen oder die Öffnung der Therapien für externe Personen. Damit können wir es einzelnen Klientinnen und Klienten ermöglichen, sich konkrete mit dem Gedanken von selbständigem Wohnen auseinander zu setzen und dann in einem zweiten Schritt diesen Weg auch zu wagen. Das wäre schön.

    Was ist Ihre Aufgabe als Direktor in dieser Neustrukturierung?

    Meine Aufgabe dabei ist, die Mitarbeitenden für diesen Weg zu gewinnen, die Rahmenbedingungen zu gestalten und die Finanzierung zu sichern. Das alles kann die Rodtegg nicht allein, wir müssen uns mit anderen Institutionen vernetzen und im Austausch mit dem Kanton Luzern sein.

    Die Subjektfinanzierung nimmt immer mehr Fahrt auf. Studien sagen, dass wenn jemand 24 Stunden Assistenz braucht, er zwar zu Beginn mehr kostet, längerfristig jedoch günstiger kommt als in einer Institution. Geschweige bei Personen, die nicht so viel Assistenz brauchen und auch kein Fachpersonal benötigen. Bereitet Ihnen diese Entwicklung Kopfschmerzen oder sehen Sie diese als Chance?

    Da bin ich in meiner Rolle in der Tat etwas gespalten. Einerseits unterstütze ich das Bestreben nach individuellen, passförmigen Lösungen ganz klar. Ich kann den Wunsch nach Entscheidungsfreiheit, Selbständigkeit und Autonomie gut verstehen. Die «Subjektfinanzierung» könnte es einigen Menschen erleichtern, den Schritt noch vermehrt in diese Richtung zu gehen, was wünschenswert ist. Anderseits fordert uns die Komplexität der vielfältigen Möglichkeiten stark heraus. Ich denke da an die betreffenden Menschen mit Behinderung, deren Angehörige und auch an die Anbieter von Dienstleistungen. Entscheidend wird sein, wie kompliziert und um welchen Preis das alles zu haben ist. Damit meine ich den bürokratischen Aufwand und die vielen Absprachen, die nötig sein werden.  

    Die Rodtegg darf dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiern. Ist ein Fest geplant?

    Am Samstag 12.06.2021 findet ein Jubiläumsfest auf dem Areal der Rodtegg statt. Wir planen vielfältige Attraktionen für alle Interessierten und die Öffentlichkeit. Das Datum sollte man sich sofort merken. Wir hoffen derzeit, unsere Pläne werden nicht durch die aktuelle Pandemie durchkreuzt, sind aber freudigen Mutes.

    Möchten Sie noch etwas sagen?

    Vielen Dank, dass ich die Gelegenheit erhalten habe zu diesem Interview. Ich mache das gerne und verfolge interessiert Ihre Aktivitäten. Alles Gute!

Herr Bühler, ich danke Ihnen herzlich, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben. Das ganze Active-Team gratuliert der Rodtegg zum 40-Jahre-Jubiläum.

Im nächsten Blog werde ich über meine Physiotherapie berichten und erzählen, wie ich mich fit halte.

Über den Autor

Daniel Rickenbacher

Hallo zusammen

Mein Name ist Daniel Rickenbacher und bin der Autor dieses Blogs. Hier berichte ich regelmässig aus meinem nicht ganz alltäglichen Alltag. Ich wurde 1993 geboren und lebe aufgrund eines Sauerstoffmangels seit meiner Geburt mit einer Cerebral Parese (CP). Aufgewachsen in Illgau (Kanton Schwyz), wohne ich heute in meiner ersten eigenen Wohnung in Luzern. Die Selbstbestimmung und die Selbständigkeit ist in meinem Alltag nicht selbstverständlich. Doch dafür kämpfe ich, Tag für Tag.

«Ich lebe Selbstbestimmung bis zur Grenze meiner Behinderung.»

Vergangene Blogs

  • Nebst der Wohnungssuche war die Suche nach Assistenten der zweite grosse Teil der Vorbereitung in ein noch selbstbestimmteres Leben. Als ich noch in der Institution wohnte und arbeitete, begann ich mein Assistenzteam aufzubauen. Schon früh habe ich Personen angefragt, die früher einmal in der Institution gearbeitet haben oder immer noch dort arbeiten. Da ich die Assistenten im Nebenjob anstelle, haben einige direkt zugesagt. Zusätzlich habe ich viele Menschen, die ich kenne über WhatsApp angeschrieben und gefragt, ob sie bei mir arbeiten möchten. So hatte ich schnell 14 Assistenten zusammen.

    Team-Aufbau im Eiltempo

    Oft liegt die Schwierigkeit darin, zuerst eine Wohnung zu finden, da diese meistens innerhalb von drei Monaten bezogen werden muss. Das würde bedeuten, man müsste in den drei Monaten das ganze definitive Assistenzteam aufbauen, Arbeitsverträge ausstellen, alle Anträge schreiben, alle Hilfsmittel organisieren, vielleicht noch die Wohnung umbauen usw. Ich bin sehr dankbar, dass mir mein Vermieter, die Pensionskasse Luzern, fünf bis sechs Monate Zeit gab.

    Im Juli/August 2020 habe ich gespürt, dass das Assistenz-Management sehr gut läuft, ich jedoch noch mehr Personal brauchen könnte. So schrieb ich ein Inserat auf Facebook und führte Vorstellungsgespräche durch. Glücklicherweise konnte ich vier neue Assistenzpersonen anstellen.

    Was gibt’s zu tun?

    Meine Assistenten unterstützen mich hauptsächlich in Alltags- und Haushalts-Tätigkeiten oder sie leisten mir Hilfestellungen. Sie kochen für mich, helfen mir beim Essen einnehmen und machen den Haushalt. Sie helfen mir bei gewissen Transfers und bereiten alles vor, damit ich danach wieder selbständig sein kann. Zum Beispiel betten Sie jeweils die Bettdecke so, dass ich mich selbst zudecken kann. Sie legen das Ladekabel vom Elektrorollstuhl auf das Bett, damit ich ihn einstecken kann (wenn ich dann einmal ins Bett gehen würde😊). Ich habe Socken-Anziehhilfen. Die Assistenten stülpen jeden Tag neue Socken über die Anziehhilfen, damit ich die Socken am nächsten Morgen allein anziehen kann.

    «Ich bin sehr dankbar, dass ich ein Team von 18 Assistenten habe - dank ihnen kann ich in meiner eigenen Wohnung leben und ein selbstbestimmtes Leben führen.»

    Meine Schwester ist hauptverantwortlich für den Haushalt

    Meistens arbeiten die Assistenten am späten Vormittag oder um die Mittagszeit sowie am Abend. Bei mir machen alle Assistenten alles, je nach Diensteinteilung. Meine Schwester ist jedoch hauptverantwortlich für den Haushalt (natürlich mit mir zusammen). Sie kommt einmal pro Woche meine Wohnung putzen, Wäsche waschen und sie macht alles was in einem Haushalt so anfällt. Wir besprechen immer zusammen welche übrigen Aufgaben im Haushalt wann von wem erledigt werden müssen. Damit ich nicht alles 18x erzählen muss, arbeiten wir viel mit Anleitungen. Das funktioniert sehr gut. So haben wir auch gemeinsam ein Corona-Schutzkonzept erarbeitet, welches wir immer wieder an die vorgegebenen Massnahmen und an meine Situation anpassen.

    Assistenz-Management

    Das ganze Assistenz-Management mache ich. Im Outlook-Kalender habe ich Terminserien mit allen Standard-Assistenzdiensten erstellt, dort steht auch was die Assistenten etwa im Dienst erledigen. Meine Assistenten dürfen ihre Dienste frei wählen. Wenn einige Dienste noch nicht abgedeckt sind, schreibe ich die Daten in unseren WhatsApp-Chat, den wir vor allem für die schnelle Kommunikation nutzen. Falls eine Assistenz-Person krank ist oder aus anderen Gründen den Dienst nicht übernehmen kann, schreibt diese sofort in den Chat und sucht selbständig Ersatz.

    Ich biete Unterstützung beim Assistenz-Management

    Meine Assistenten und ich sind ein eingespieltes Team und haben oft sehr viel Spass zusammen. Das Management ist komplex, aber es bereitet mir grosse Freude. Gerne unterstütze ich Sie, falls Sie ein Wohnen mit Assistenz aufbauen möchten, wenn Sie beim Assistenz-Management Unterstützung benötigen oder wenn Sie sich einfach einmal mit mir austauschen möchten. Besonders in der Corona-Zeit bin ich auch gerne über Online-Chat für Sie da. Ich freu mich auf Ihre Kontaktaufnahme!

  • Die erste Ferienwoche der Herbstferien verbrachte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester. Von Illgau aus machten wir diverse Ausflüge. Wir fuhren mit der Hochstuckli-Bahn (die Bahn ist sehr speziell, denn sie dreht während der Fahrt ein paar Mal um die eigene Achse), überquerten eine Hängebrücke (eine wackelige Angelegenheit mit dem Elektrorollstuhl) und grillierten im Wald.

    Meine zweite Ferienwoche verbrachte ich mit einem Freund in Interlaken. Ich freute mich schon lange auf diese Woche. Wir gingen in Luzern noch etwas trinken, bevor wir mit dem Zug nach Interlaken fuhren. In der Jugendherberge wurden wir sehr freundlich empfangen. Am nächsten Tag gingen wir in den Naturschutzpark. Bäume, Pflanzen, Moore und noch viel mehr – sogar Eichhörnchen haben wir gesehen. Abends gingen wir meistens essen oder kochten etwas. Ich esse sehr gerne. Essen gehört für mich zu den Ferien. Natürlich darf der Wein auch nicht fehlen.

    Interlaken ist bekannt für Paragliding. Bereits als ich ca. 12 Jahre jung war, hatte ich den Traum vom Gleitschirmfliegen. Viele Jahre ging ich mit der Familie nach Fiesch in die Ferien. In Fiesch sah ich immer wieder Gleitschirmflieger und ich dachte das möchte ich auch einmal machen. Als ich genug alt war, bekam ich von meinen Eltern einen Flug in Fiesch geschenkt. Der Flug war sehr schön und für mich ging ein Traum in Erfüllung. Vor zwei Jahren ging ich zum zweiten Mal in Fiesch fliegen und noch ein weiteres Mal in Emmetten. Es ist zu einem Hobby geworden für mich. Mein Ziel ist es, ein bis zwei Mal pro Jahr gleitschirmfliegen zu gehen. Natürlich buchte ich auch in Interlaken einen Flug.

    «Es war bereits mein fünfter Gleitschirmflug.»

    Wir fuhren mit dem Auto auf den Beatenberg. Mein Pilot trug mich vom Auto zum Startplatz und zog die Gleitschirmschnallen an. Er und die Helfer hingen alle Karabiner ein und prüften die Sicherheit. "Alles OK" sagten sie, ausser der Wind. Wir mussten wenige Minuten warten bis wir optimalen Wind zum Starten hatten. Ein Mann war links und einer rechts und stützten den Gleitschirm. Da ich nicht selbst springen kann, sprangen Sie mit uns mit.  Sie halfen uns beim Absprung und schon waren wir in der Luft. Wir flogen über 30 Minuten wie ein Vogel über Interlaken. Die Natur von oben sehen, die Luft spüren und geniessen. Ich fühlte mich frei. Beim Landeanflug kamen drei Helfer angerannt. «Die Beine nach vorne strecken» sagte mein Pilot. Ich kam mit den Beinen und mit meinem Gesäss auf den Boden auf. Die Helfer bremsten uns ab. Dank der guten Polsterung bereitete mir die Landung keine Schmerzen. Am Boden angekommen hingen die Helfer wieder alle Karabiner aus und halfen mir aus den Gurten raus. Da kam auch schon ein Helfer mit meinem Elektrorollstuhl angefahren. Leider war es schon zu Ende. Am nächsten Tag bat ich meinen Freund noch einmal anzurufen und nachzufragen, ob ich noch einmal fliegen könnte. Er sagte zu mir: «Dieses Mal möchte ich auch fliegen» und wir buchten zwei Paragliding-Flüge. Beide Flüge in Interlaken machten mir sehr viel Spass und es war traumhaft schön. Eindrücke von unseren Flügen finden Sie in meinem Video.

    Im November-Blog werde ich die Arbeit meiner Assistenten genauer vorstellen. Bis dann!

  • In der Oberstufe war mein Ziel, mit dem ÖV von Luzern nach Brunnen zu reisen. Die Ergotherapie und die Wohngruppe haben mich auf diesem Weg stark unterstützt. Sie fuhren mit mir Bus und sie haben mir gezeigt, wie ich alles machen muss. Das Gefühl, als ich zum ersten Mal von einer Betreuungsperson zur Schiffsstation begleitet wurde und ich allein nach Brunnen fahren durfte, war unbeschreiblich. Es war ein Gefühl von Freiheit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Mit der Zeit lernte ich auch mit den anderen Verkehrsmitteln zu reisen.

    «Es war ein Gefühl von Freiheit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.»

    Heute fahre ich viel mit dem ÖV. Es wurde schon sehr viel für die Mobilität für Menschen mit Beeinträchtigung gemacht, doch gibt es noch einiges zu tun. Wie weit sollte die Autonomität beim Ein- und Aussteigen in den ÖV gehen? In der jetzigen Situation müssen die Buschauffeure aus dem Bus steigen und die Rampe runter klappen. Das ist für die Chauffeure und für uns Menschen mit Beeinträchtigungen, aber auch für Menschen im Alter sehr mühsam. Oft beobachte ich, dass Menschen im Alter kaum einsteigen können. Wenn Sie Glück haben, hilft ihnen jemand. So ist es auch bei den S-Bahnen. Viele Menschen denken, in der S-Bahn kann jeder selbständig ein- und aussteigen. Leider ist das noch viel zu oft nicht die Realität. Bei einigen Bahnhöfen stimmt die Perronhöhe nicht. Es wurde jedoch begonnen, die Züge so umzubauen, damit ein Zugwaggon zwei verschieden hohe Türen hat.

    Die InterRegio-Züge haben meistens noch ein weiteres Hindernis: Sie können die Rampen nicht rausfahren. Der Abstand zwischen dem Zug und dem Perron ist viel zu gross. Zum Glück gibt es die Bahnhofshilfe. Diese hilft Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen im Alter selbständig zu reisen. Menschen, die die Bahnhofshilfe brauchen, können sie per Telefon oder per E-Mail buchen. Bei grossen Bahnhöfen telefonisch etwa zwei Stunden im Voraus und per E-Mail eins bis zwei Tage im Voraus. Je nach Zug kommt die Bahnhofshilfe entweder mit der gelben Hebebühne oder mit einer Rampe zum Perron und hilft beim Ein- oder Aussteigen. Die Bahnhofshilfe leistet sehr gute und wertvolle Arbeit. Ich bin sehr dankbar dafür.

    Das Ziel muss aber das autonome Reisen für Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen im Alter sein. Autonomes Reisen ist Gleichberechtigung, da man nichts organisieren muss. Es fördert die Selbständigkeit und die Selbstbestimmung. Längerfristig ist es auch kostensparend, da es weniger Hilfspersonal braucht.

    Aktuelle Maskenpflicht im ÖV

    Haben Sie schon Menschen gesehen, die aktuell im öffentlichen Verkehr keine Maske tragen und nicht aufgefordert werden eine anzuziehen? Ich bin einer davon. Als die Maskenpflicht im ÖV eingeführt wurde, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich in Zukunft reisen werde. Ich kann motorisch keine Maske anziehen. Hinzu kommt, dass ich nicht gut atmen kann. Aber ich muss geschäftlich sowie auch privat mit dem ÖV fahren können. Ich fragte mich, ob die Behörden an uns gedacht haben, wollte aber nicht warten. Mit einer Assistenzperson rief ich meinen Arzt an und fragte ihn, ob ich ein Attest haben könnte, damit ich keine Schwierigkeiten kriege. Ein paar Tage später wurde in der Tagesschau darüber berichtet, dass es eben Menschen gibt, die von der Maskenpflicht ausgenommen sind - da gehöre ich auch dazu. Trotzdem ist es gut, wenn ich mein Attest dabeihabe. So ist es klar und ich kann die Fahrt mit dem ÖV geniessen, denn der ÖV ist für mich sehr wichtig.

    Im Oktober-Blog erwarten Sie spannende Berichte über meine Sommer- und Herbstferien. Bis dann!

  • Da Active Communication ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung ist, durfte ich am Einführungstag in Nottwil teilnehmen. Dieser ist für alle neuen Mitarbeiter der Gruppe bestimmt. Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut. Mein Assistent war bereits um 06:30 Uhr bei mir. Zusammen fuhren wir mit dem ÖV nach Nottwil.

    Im SPZ angekommen nahmen wir am ersten Vortrag über die Unternehmenskultur teil, es war sehr spannend. Nach der Pause starteten wir mit dem Rundgang. Wir lernten zuerst die Paraplegiker-Vereinigung kennen, die ihre Mitglieder in den verschiedensten Lebenssituationen unterstützt. Normalerweise organisiert die Vereinigung bis zu 350 Anlässe pro Jahr, das ist einfach gigantisch! Dieses Jahr ist bekanntlich alles etwas anders. Ausserdem haben Sie ein grosses Ferienangebot. Gerne würde ich einmal mitfahren.

    Die neuen Sanitäter-Ausbildungsräume waren das grosse Highlight des Rundgangs. Die Räume wurden so gestaltet wie im Spital mit einem Bett, Beatmungsmaschinen und noch viel mehr. Mit Vorhängen kann innerhalb von wenigen Sekunden ein neuer Raum «erstellt» werden. Ein Vorhang war ein Operationssaal, der nächste ein Wohnzimmer und der dritte war eine Baustelle. In einem Bett lag eine Puppe. Diese können die Dozenten vom Kontrollraum aus steuern. Zum Beispiel befindet sich im Mund der Puppe ein Mikrofon, über welches die Auszubildenden von der Puppe authentische Antworten erhalten, welche von den Dozenten gesteuert werden. Die Kontrollräume befinden sich hinter einer Scheibe und hatten eine Ähnlichkeit mit einem Verhörraum im Kommissariat.

    «Es wurde mir bewusst, dass ich ein Teil von etwas ganz Grossem bin.»

    Auf dem Weg nach draussen sahen wir einen Rega-Helikopter, der für die Ausbildung gebraucht wird. Nach dem Mittag stellte unser Geschäftsführer, Fiore Capone, die Active Communication vor. Es wurde mir bewusst, dass ich ein Teil von etwas ganz Grossem bin. Für mich war es speziell, nicht als Kunde, sondern als Angestellter im SPZ zu sein.

    In Sachen Mobilität und Orthopädie für Menschen mit Beeinträchtigungen ist die Firma Orthotec eine sehr kompetente Anlaufstelle. Sie gehört ebenfalls zur Unternehmensgruppe der Schweizer Paraplegiker Stiftung. Wir durften die Autogarage besuchen. Dort werden Autos auf individuelle Bedürfnisse angepasst und umgebaut. Die Ortothec macht einfache sowie auch sehr komplexe Umbauten, wie zum Beispiel ein Auto mit Joysticksteuerung. In der Rollstuhl-Werkstatt der Orthotec war ich nicht zum ersten Mal - ich bin ein sehr zufriedener Kunde. Handrollstühle, Elektrorollstühle, Fahrräder und noch viele weitere Hilfsmittel werden abgeklärt, angepasst und gewartet, darunter auch Sitzschalen. Ich brauche eine neue Sitzschale, da die jetzige nicht mehr passt. Es ist sehr wichtig, dass dieses Hilfsmittel korrekt angepasst ist, da wir Rollstuhlfahrer sehr viele Stunde im Rollstuhl sitzen.

    Zum Abschluss durften meinen neuen Arbeitskollegen von der SPG in der Turnhalle ihre eigene Erfahrung mit einem Rollstuhl machen. Ich finde das sehr wichtig. Ich danke der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und der Active Communication, dass ich an diesem spannenden Einführungstag teilnehmen durfte. Mit viel Freude und Motivation werde ich für Active Communication arbeiten. Ich bin stolz, dass ich ein Mitarbeiter der SPG sein darf.

    Lesen Sie in meinem September Blog wie ich mit dem ÖV reise: Was muss ich beachten? Welche Hürden gibt es? Was bedeutet die Maskenpflicht im ÖV für mich?

  • Bis ich meine eigene Wohnung hatte, war es ein langer Weg. Als ich mich im September 2018 entschieden habe, dass ich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen möchte, konnte ich vieles noch nicht: morgens vom Bett in den Elektrorollstuhl transferieren, meine Kleider anziehen, aufs WC gehen und noch vieles mehr. Meine Entscheidung hat mich verändert. Sie gab mir eine riesige Motivation, alles aus mir herauszuholen. Dazu kam, dass ich von klein auf immer wieder Therapie gemacht habe. Deswegen war ich geistig und körperlich bereit für grosse Veränderungen.

    «Nicht alles ist möglich, aber sehr vieles.»

    Ich hatte ein Ziel. Und ich habe mir gesagt, es ist nicht alles möglich, aber sehr viel. So habe ich begonnen, viele Dinge mit Aufsicht selbst zu versuchen. Nach einiger Zeit habe ich meine Physiotherapeutin gefragt, ob ich in eine REHA gehen kann. Ich wollte Zeit haben, damit ich Sicherheit gewinne und die richtige Technik für den Alltag erlernen kann. Ende Februar 2019 ging ich für sechs Wochen ins REHAB nach Basel. Fünf Tage pro Woche hatte ich von morgens bis abends Therapie oder selbständiges Training. Ich kam oft an meine Grenzen. Etwa drei Wochen habe ich fast jeden Tag geübt, die Socken allein anzuziehen. In der Ergotherapie haben wir verschiedene Hilfsmittel ausprobiert, bis wir das richtige gefunden hatten und ich die Socken allein anziehen konnte. Auf diese Weise habe ich auch transferieren gelernt. Mein Elektrorollstuhl ist seit der REHA vorne und hinten auf beiden Seiten mit Schlaufen ausgestattet, so dass ich mich beim Transferieren in den Elektrorollstuhl hinüberziehen kann. Wir haben alle täglichen Herausforderungen besprochen und nach Lösungen gesucht. Nebenbei haben sie mich bei der Assistenzplanung unterstützt.

    «Ich liebe es, in der Natur zu sein.»

    Heute lebe ich mit Assistenz. Anfang dieses Monats habe ich einen Tagesausflug mit einer Assistentin gemacht. Wie ich gehofft habe, war das Wetter schön. Wir machten eine grossartige Schifffahrt vom Verkehrshaus Luzern nach Beckenried. Dann gings weiter mit der Seilbahn auf die Klewenalp. Es wurde Zeit fürs Mittagessen. Da ich am Morgen bereits Therapie hatte, war mein Appetit gross. Während meine Assistentin auch etwas zu sich nahm, legte ich mich an die Sonne. Am Nachmittag gingen wir auf den Rundweg. Wir sahen sehr viele Blumen. Ich liebe es, in der Natur zu sein.

    Einige Tage später ging ich mit meinem Kollegen, der auch mein Assistent ist, wandern. Da haben wir wieder einmal gelernt, dass wir uns vorher richtig über die Rollstuhlgängigkeit der Wanderwege erkundigen sollten. Das war ein grosses Abenteuer, das zum Glück gut ausging. Wir haben alles gut überstanden und mein Rollstuhl kam auch einwandfrei in Illgau bei meinen Eltern an. Nur war er noch nicht ganz geeignet für die Wohnung. Mein Vater musste ihn zuerst reinigen. Dies ist jedoch für meine Eltern nichts Neues. Am nächsten Tag ging ich wieder in die Natur wandern und mein Rollstuhl musste erneut geputzt werden. Ich geniesse die Ausflüge und die neu gewonnene Freiheit und freue mich schon jetzt auf das nächste Mal.

    Nächte Woche habe ich meinen Einführungstag im SPZ in Nottwil. Dort erhalten alle neuen Mitarbeiter einen Einblick in die SPG-Gruppe und die verschiedenen Tochtergesellschaften. Ich freue mich sehr darauf. Wie ich diesen Tag erlebt habe, wie es mir gefallen hat und noch viel mehr aus meinem nicht ganz alltäglichen Alltag könnt ihr im August-Blog lesen. Bis dahin wünsche ich allen eine schöne Sommerzeit.

  • Am Montag 25. Mai war es endlich soweit: Ich kehrte zurück nach Luzern in meine eigene Wohnung. Es war ein Gefühl von Heimkehren. Ein Gefühl, das ich in den letzten 12 Jahren kaum hatte. Langsam beginne ich zu realisieren, dass sich mein Leben um 180° gedreht hat. Alles was mit dieser Veränderung zu tun hat, habe ich selbst, mit Hilfe von Beratung, bestimmt. Selbstbestimmung ist für mich sehr wichtig. Ich hätte jedoch kaum gedacht, dass ich lernen muss, mit so viel Selbstbestimmung umzugehen. Wann möchte ich Assistenz und wann nicht? Möchte ich am Wochenende einen Ausflug mit einer Assistenzperson machen? Möchte ich nur mittags und abends Assistenz haben?  Oder möchte ich doch lieber zu meiner Familie gehen? Diese Entscheidungen selbst treffen zu können, ist sehr schön, jedoch auch noch ungewohnt für mich.

    Seit ich in meiner eigenen Wohnung lebe, werde ich oft gefragt, wie ich die Assistenten bezahle. Als ich in der Institution lebte, war dies fast nie ein Thema, obwohl das Assistenzmodell vielfach als kosteneffizienter erscheint. Es scheint, als ob das Assistenzmodell noch zu neu und zu wenig bekannt ist - das möchte ich ändern! Es darf nicht sein, dass das Wohnen in einer Institution und das Wohnen mit Assistenz einander gegenübergestellt werden. Das Ziel sollte die Wahlfreiheit sein. Dafür müsste es aber noch mehr Anlaufstellen, wie "luniq" in der ganzen Schweiz geben, die eine begleitende Rolle einnehmen. Auch zentrale Stellen, welche die ganze Assistenz-Administration übernehmen, könnten sehr hilfreich sein, da die Anforderungen für das Assistenzmodell hoch sind. Diese Arbeit könnten auch Bürowerkstätten in Institutionen übernehmen.

    Nun, wie erstelle ich die Assistenzabrechnung?
    Jeden Monat erhalten meine Assistenten einen neuen Rapport, den sie ausfüllen. Sie notieren dort die Anzahl Stunden, die sie täglich arbeiten. Anfangs des Folgemonats zähle ich alle Stunden jeder Assistenzperson zusammen und erstelle die Lohnabrechnungen. Ich überweise die Löhne und versende die Lohnabrechnung per E-Mail. Jeden Monat schreibe ich zudem eine Rechnung an die IV. Darauf stehen alle Stunden, die ich im Monat Assistenz gebraucht habe, die ich dann vom IV-Assistenzbeitrag zurückerstattet bekomme.

    Am Donnerstag, 18. Juni durfte ich meinen ersten Arbeitstag in Steinhausen erleben. Ich fuhr mit dem ÖV von Luzern nach Steinhausen. Während der Fahrt dachte ich über meinen Weg nach, welchen ich bis zu diesem Tag zurückgelegt habe. Es war ein unbeschreibliches Gefühl und ich hatte grosse Freude.

    Um die Mittagszeit kam ich bei Active Communication an. Ganz spontan habe ich das Marketing-Team in die Mittagspause nach draussen begleitet. Nach dem Mittag kam auch Thomas Bräm von mitschaffe.ch an. Das Einführungsgespräch war sehr spannend und verlief super. Die Zusammenarbeit mit mitschaffe.ch und die wichtigsten Regelungen wurden besprochen. Noch ein schönes Gruppenfoto und dann ran an den Computer. Doch zum Arbeiten kam ich noch nicht wirklich, wir waren mit der Einrichtung meines Arbeitsplatzes beschäftigt. Ein Blick auf die Uhr und schon war Feierabend. Glücklich und zufrieden machte ich mich nach meinem ersten Arbeitstag in Steinhausen auf den Heimweg nach Luzern.

    Ich freue mich auf einen spannenden und sinnvollen Job bei Active Communication.

    So geht es in meinem Juli-Blog weiter:

    • Privat habe ich vor, mit den Assistenten Tagesausflüge zu machen und so noch mal einen Teil meiner neuen Selbstbestimmung kennenzulernen. Wie wird das für mich sein?
    • Ich blicke auf die letzten zwei Jahre zurück: Wie habe ich mich auf das Wohnen mit Assistenz vorbereitet? Warum ging ich sechs Wochen in die REHA? Und wie war die REHA für mich?
  • Mein erster Arbeitstag

    Am 5. Mai 2020 war mein erster Arbeitstag bei Active Communication. Leider nicht vor Ort in Steinhausen, sondern von Zuhause aus per Video-Besprechung. Ich wurde offiziell begrüsst und lerne meine zukünftigen Aufgaben kennen. Dieser Tag war für mich sehr speziell - ein langjähriger Traum nahm an diesem Tag seinen Anfang. Meine Freude war so gross, dass ich in der darauffolgenden Nacht kaum einschlafen konnte. Obwohl ich als Botschafter schon lange ein Teil von AC bin, durchdrang mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich darf bei der Firma arbeiten, die zu einem grossen Teil mein Leben, so wie ich es jetzt leben kann, ermöglicht hat. Mit viel Freude werde ich meinen Teil zu unserer Mission WE INTEGRATE. ACTIVE beitragen.

    Wohnsituation

    Aufgrund der Corona-Krise wohne ich nach wie vor in Illgau bei meiner Familie. So lange hier zu sein bedeutet für mich auch, dass ich nicht in die Physiotherapie gehen kann. Doch wenn ich wieder in meiner Wohnung bin, muss ich teilweise ohne Assistenz allein zurechtkommen. Es sind dann keine Eltern mehr da, die ich rufen kann (was momentan sehr bequem ist 😉)

    Seit einiger Zeit gehe ich etwa an fünf Tagen pro Woche je ca. 45 Minuten mit meinem Rollator spazieren. Meine Schwester, die gleichzeitig auch meine Assistentin ist, begleitet mich dabei. "Seit wann kannst du denn so zu Fuss gehen?" fragen mich die Menschen im Dorf. Sie kennen mich fast nur im Rollstuhl. Am Donnerstag, 7. Mai, war ich eine Stunde und 15 Minuten zu Fuss unterwegs - das ist der Rekord! Laufen stärkt meine Muskeln, regt die Durchblutung an und fördert meine Koordination. Auch die Transfers mache ich oft allein, damit ich bereit bin, wenn ich Ende Mai wieder in meine Wohnung nach Luzern zurückkehre.

    Um auch in meiner eigenen Wohnung die sozialen Kontakte möglichst bescheiden zu halten, konnte ich aus meinem 14-köpfigen Assistententeam ein Kernteam von drei Personen zusammenstellen.

    Gerne möchte ich euch meine Rolle als Arbeitgeber vorstellen: Was sind meine Aufgaben? Der IV-Assistenzbeitrag ist so aufgebaut, dass ausschliesslich Privatpersonen angestellt werden können. Also musste ich meine Assistenten selbst suchen. Die IV hat mir ein Muster eines Arbeitsvertrages zur Verfügung gestellt, welches ich nach meinen Bedürfnissen anpassen konnte. Die Procap hat mich dabei unterstützt. Schon 1.5 Jahre vor meinem Umzug begann ich, mir folgende Gedanken zu machen: Wann brauche ich Hilfe?, Wo brauche ich Unterstützung, Was kann ich noch dazu lernen?

    Aus diesen Überlegungen erstellte ich einen Grundplan ohne Namen. Meine Assistenten teilen mir dann mit, wann sie arbeiten können. Anschliessend nehme ich die Personaleinteilung vor und versende den definitiven Arbeitsplan. Ab diesem Zeitpunkt sind die Assistenten selbst für ihre Dienste verantwortlich. Dies bedeutet, dass Sie bei Dienstverhinderung innerhalb des Teams selbst Ersatz suchen müssen.

    Lesen Sie im Juni-Blog:

    • Wie erstelle ich die Assistenzabrechnung?
    • Wie wird die Rückkehr nach Luzern in meine Wohnung?
    • Wird der Arbeitsstart im Juni in Steinhausen möglich sein?
  • Im Februar 2020 habe ich meine eigene Wohnung in Luzern bezogen und lebe seither mit Assistenz. Dies bedeutet, dass ich 14 Assistenten angestellt habe. Bevor ich meine eigene Wohnung bezog, lebte ich mehr als elf Jahre in der Stiftung Rodtegg, wo ich als Büropraktiker und in der «bürowärckstatt» in der Buchhaltung tätig war. Ich bin Botschafter und ab Mai neu auch Mitarbeiter bei Active Communication, was mich sehr freut.

    Aufgrund der aktuellen Situation rund um den Coronavirus (COVID-19) habe ich mich mit meiner Familie entschieden, über diese Zeit in Illgau bei meinen Eltern zu leben. Diese Entscheidung war richtig, dennoch war sie schwer für mich.

    Nach 1.5 Jahren Vorbereitung durfte ich am 1. Februar 2020 meine erste eigene Wohnung beziehen. Der Umzug verlief sehr gut und auch die Assistenzplanung funktionierte einwandfrei. Ich fühlte mich wohl und meine Wohnung wurde schnell zu meinem neuen Zuhause.

    Nun bin ich seit dem 20. März in Illgau. Es geht mir sehr gut hier bei meiner Familie, jedoch vermisse ich meine Wohnung, meine Selbständigkeit und meine Assistenten. Ich lebe gerne in Illgau. In den letzten Wochen war das Wetter traumhaft. Hier in der Natur gibt es viele schöne Orte die ich mit dem Rollstuhl besuchen kann, ohne die Vorgaben des Bundes zu verletzen. Vorausgesetzt es gibt keine Ausgangssperre.

    Die Zeit Zuhause habe ich genutzt, um das Assistenz-Management zu vereinfachen und dadurch viel Zeit einzusparen. Somit habe ich - wenn ich wieder in Luzern wohne - viel mehr Zeit für andere Dinge. Wie zum Beispiel für meine Arbeit bei Active Communication.

    Ich habe im Office-Programm Excel mein eigenes Buchhaltungs-Programm mit sehr vielen Formeln programmiert. So, dass ich jeweils per Ende des Monates nur noch zwei Zahlen pro Assistenten eintragen muss und ich dann alles auf einen Blick sehe: Die Löhne, Monatsstunden, Monatsrechnung, Jahresrechnung, mein momentanes Jahresstundenguthaben und noch viel mehr. Ich finde die Tabelle super. Nicht weil ich sie selbst erstellt habe, sondern weil durch mein Assistenz-Management-Programm alles einfacher, übersichtlicher und viel weniger zeitintensiv ist.

    Bei Interesse an diesem Programm, dürfen Sie mir gerne eine Anfrage senden. Ich würde das Programm dann auf Ihre Wünsche anpassen.

    Falls Sie einmal live mit mir sprechen möchten, bin ich aktuell über Video-Chat für Sie da. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme. Bleiben Sie gesund.

    Daniel Rickenbacher

    PS: Im Mai-Blog berichte ich über meinen Arbeitsstart bei Active Communication. Lesen lohnt sich!

  • Seit rund zehn Jahren kommuniziert der junge Mann über einen Talker, der an seinem Elektrorollstuhl befestigt ist – ein speziell konfiguriertes Tablet, das Tasteneingaben akustisch als Sätze wiedergibt. Der Sprachcomputer verleiht Daniel Rickenbacher eine klar verständliche Stimme. Wie erlebt er dieses Gerät?

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