International FES Centre ® - Funktionelle Elektrostimulation

2018 eröffneten wir das International FES Centre ® für stationäre und ambulante Patienten im Bereich der neurologischen und muskuloskeletalen Rehabilitation.

  • Datum: 22. & 23. November 2019
    OrtHotel Sempachersee, Nottwil
    Zielpublikum:
    - 
    Ärzte, die im Bereich Neurologie, Orthopädie und Rehabilitation tätig sind
    Physio- und Ergotherapeuten die in der Praxis Patienten mit einer Schädigung des unteren motorischen Neurons behandeln, wie Querschnittläsionen, plexus brachialis und lumbalis Läsionen und andere periphere Nervenläsionen

    Kurssprache: Englisch

    Credits: SGPMR: 10 Credits

    Weitere Informationen finden Sie hier....

    Auskünfte
    Schweizer Paraplegiker-Zentrum
    Sekretariat Rehabilitation
    Guido A. Zäch Strasse 1
    CH-6207 Nottwil

    Telefon        +41 41 939 55 76
    e-Mail           fes.spz@paraplegie.ch

FES im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ)

Die Funktionelle Elektrostimulation (FES) wurde 1992 am SPZ als Behandlungsmethode eingeführt. Seitdem ist sie fester Bestandteil in der Rehabilitation von stationären als auch ambulanten Patienten. Es werden alle Anforderungen, der funktionellen Elektrostimulation im muskuloskeletalen Bereich, die in den Richtlinien der internationalen Gesellschaft für Funktionelle Elektrostimulation (IFESS) aufgeführt sind, umgesetzt.

Dies beinhaltet ausserdem die Integration aller aktuellen Technologien im Bereich der funktionellen Elektrostimulation, der verschiedenen Robotik inkl. Exoskelette mit integrierter FES sowie die Kombinationsbehandlungen wie z. B. die Stimulation nach Botolinum Toxin Injektion.

Bereits heute führen wir Forschungsprojekte durch, die die Evidenz der Methodik weiterhin verbessern und belegen.

Funktionelle Elektrostimulation FES

Was bedeutet „funktionelle Elektrostimulation“?

Die FES ist eine Behandlungsmethode, welche mit elektrischen Impulsen anstelle von Nervenreizen auf Muskeln einwirkt. Die Kontraktion eines oder mehrerer Muskeln ist die Folge. Die Elektrostimulation kann unterstützend wirken, um ein neues funktionelles Gleichgewicht zu erreichen, d. h. Funktionen zu unterstützen oder zu ersetzen.

Bei der Anwendung der Elektrostimulation wird mittels Elektroden, die auf die Haut gelegt werden, ein künstliches elektrisches Feld erzeugt. Unter dem Einfluss dieses elektrischen Feldes wird die Erregung von Nerven- und Muskelgewebe stimuliert, der Muskel kontrahiert sich. Bei Patienten mit einer Schädigung des oberen Motoneurons werden mit Elektrostimulation unterhalb der Läsion die Nerven, bei Patienten mit einer Schädigung des unteren Motoneurons direkt die betroffenen Muskeln, stimuliert.

Stationärer Betrieb

Die stationäre Betreuung der Patienten, welche FES bekommen, wird durch den behandelnden Therapeuten gewährleistet, durch Fachspezialisten und Therapieexperten im Bereich der FES betreut.

Ambulanter Betrieb

Betreuung aller ambulanten Zuweisungen inkl. Weiterbetreuung.

Betreuung aller nachstationärer Patienten mit funktioneller Elektrostimulation auf Rezeptbasis und Abonnementsystem.

  • Ärztetarif

    Das Angebot der ambulanten Sprechstunde wird durch einen Arzt und eine FES-Therapeutin abgedeckt. Ziel dieser Sprechstunden ist es, im interdisziplinären Team komplexe Patientensituationen befunden und austesten zu können. Diese Leistung wird mit folgenden Tarmed Positionen abgerechnet:

    • Konsilium (bei externem Zuweiser für die Erstbefundung à Tarif höher)
    • Arztkonsultation/Verlaufskontrolle (Interner Zuweiser)
    • Ärztliche Leistung in Abwesenheit des Patienten
    • Abrechnung Arztberichte nach Vorgaben Tarmed

    Paramedizinischer Tarif

    Es wird eine Verordnung für ambulante Physiotherapie benötigt, über welche die Behandlung abgerechnet werden kann. Die Abrechnung läuft über einen Physiotherapietarif mit Zusatz Erstbehandlung bei der ersten Konsultation.

    Es wird eine Verordnung für ambulante Ergotherapie benötigt, über welche die Behandlung abgerechnet werden kann. Die Abrechnung läuft über einen Ergotherapietarif in Anwesenheit des Patienten und Tarif 7602 in Abwesenheit des Patienten.

    FES-Geräte

    Im schweizerischen Versicherungssystem ist die Kostenübernahme für Eigen- und Leihgeräte nicht eindeutig geregelt. Auf der Mittel- und Gegenstandsliste (MiGel) sind Stimulatoren für den Bereich der funktionellen Elektrostimulation nicht aufgeführt. Kostengutsprachen beruhen auf Einzelfallentscheidungen.

    Ambulante Patienten-Dokumentation

    Aus allen Erstkonsultationen eines externen Zuweisers werden Berichte verfasst, welche Informationen über die Austestung und das geplante Prozedere beinhalten. Verlaufsberichte werden einen Monat vor Ablauf der Kostenübernahme für den Hausarzt und die Versicherer erstellt. Sie beinhalten den bisherigen Verlauf, das weiter geplante Prozedere und evtl. die Anfrage zur Verlängerung der Kostenübernahme.

FES-Angebot / Behandlungsmethoden

Die FES stellt eine vielfältige Behandlungsmethode dar, die bestenfalls mit einer ergo- und/oder physiotherapeutischen Behandlung kombiniert wird. Die Auswahl der Stimulationsprogramme mit deren Parametern sollte jedoch immer individuell erfolgen. In aller Regel können keine Standardprogramme erfolgsversprechend eingesetzt werden.

  • Motorisches Lernen ist eine überdauernde Veränderung in der Beherrschung einer Fertigkeit, die auf Übung oder Bewegungserfahrung zurückgeht.  Das bedeutet, das „Motorische Lernen“ beinhaltet das Lernen oder Wiedererlernen von Bewegungen und Funktionen, die durch eine neurologische Schädigung wie eine Rückenmarksverletzung oder einen Schlaganfall beeinträchtigt wurden. Es kann nicht alles wiedererlernt werden, da zu stark geschädigte Bereiche von diesem Prozess ausgeschlossen werden. Es kommt jedoch zu einer Aktivierung von Bereichen der motorischen Grosshirnrinde, die durch den “erlernten Nichtgebrauch” betroffen sind. Dies ist auch bei chronischer Querschnittlähmung möglich. 
    Popovic et al 2011

  • Das FES Cycling (Radfahren) wird im Sinne der Prävention als Herz-Kreislauf-Training empfohlen. Hierbei werden die Beinmuskeln (M. quadriceps, Mm. ischiocrurales, M. glutaeus maximus, M. tibialis anterior, M. gastrocnemius) während der Radfahrbewegung stimuliert. Das bedeutet, dass man das Rad mit der Bewegung der stimulierten Beine antreibt. Effekte wie eine grössere Sauerstoffaufnahme während des Trainings und eine gesteigerte Fettverbrennung durch das Training sind untersucht und belegt worden. Ein weiterer Effekt stellt die Verbesserung der körperlichen Fitness dar. Perret et al 2010, Gorgey et al 2016, Hasnan et al 2013.

  • Patienten mit einer Tetraplegie und Paraplegie (TH2 –TH5) fehlt lähmungsbedingt die willkürliche Aktivität der Bauchmuskulatur. Diese wiederum ist wesentlich an der forcierten Ausatmung beteiligt. Die forcierte Ausatmung ist notwendig für eine gute Belüftung der Lunge, das Husten und laute kraftvolle Sprechen. Normalerweise benötigt ein Tetraplegiker eine Hilfsperson, die beim Abhusten eine manuelle Unterstützung gibt. Eine Alternative stellt die FES der Bauchmuskulatur dar. Sie verstärkt die Ausatmung und den Hustenstoss.

  • Die FES kann Teilfunktionen von Muskelgruppen oder einzelne Muskeln in ihrer Funktion unterstützen oder sogar ersetzen. Das am häufigsten angewandte System unterstützt Muskeln in den unteren Extremitäten beim Gehen, wie z. B. die Fussheber- und/oder die Gesässmuskulatur. Es können jedoch auch Muskeln im Rumpf, in der Fortbewegung sowie in den oberen Extremitäten beim Greifen von Gegenständen unterstützt oder ersetzt werden. Es bedarf einer individuellen Abklärung, um einen effektiven und effizienten Funktionsersatz zu erstellen.

  • Mit der FES kann verhindert werden, dass es zur Muskelatrophie, aufgrund von Nichtgebrauch oder Denervation (Gordon et al 1994) kommt. Die Kraft der Muskulatur (Crameri et al 2004), die Leistung (Haapala et al 2008) und die Ausdauer (Sabatier et al 2005) können verbessert werden. Es kommt zu einer Zunnahme der Querschnittsfläche der Muskeln (Martin et al 1992, Scremin et al 1999) sowie zu einer Zunahme von Muskelmasse (Scremin et al 1999). Es können einzelne Muskeln oder Muskelgruppen in ihrer Funktion gekräftigt werden.

  • Der Einsatz der FES hat eine Tonus, d.h. Spastik und Spasmen eine regulierende Wirkung. Diese Wirkung setzt kurz anhaltend, bereits nach der ersten Behandlung ein. Eine länger anhaltende Wirkung wird jedoch erst nach einigen Wochen bis Monaten erzielt.

Struktur

  • Die Gefahr einer Fehlstellung des Oberarmkopfes zum Schulterdach zu bekommen, trifft Menschen mit einer Tetraplegie, bei denen die schulterumgebene Muskulatur, aufgrund der Lähmung nicht ausreichend vorhanden ist. Folgen einer Subluxationsstellung im Schultergelenk können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sein. Die FES stellt eine Behandlungsmethode dar, die dem entgegenwirken kann. Optimal ist die Kombination zwischen einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung und der FES.

  • Strukturelle Veränderungen im Bereich der Statik und Rumpfmuskulatur können bei einer skoliotischen Fehlhaltung, lähmungsbedingten Skoliosen, Asymmetrien im Rumpf durch Spastik oder Willkürmotorik oder bei Kindern mit Querschnittlähmung während des Wachstums entstehen. Die FES in Kombination mit einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung der Haltung, sowie einer gleichzeitigen Anpassung des Rollstuhls stellt eine Behandlungsmethode dar.

  • Die FES kann zur Vermeidung und Behandlung von Gelenkseinschränkungen, sofern sie muskulär bedingt sind, eingesetzt werden. Dies kann an der oberen als auch an der unteren Extremität eingesetzt werden. Im Bereich der Hand- und Fingergelenke können muskuläre Verkürzungen behandelt werden, die z. B. durch ein Ungleichgewicht zwischen den Hand- und Fingerbeugern und Streckern entsteht. In der unteren Extremität kann der Spitzfuss mit FES behandelt werden. Hier bietet sich nach ärztlicher Abklärung eine Kombinationsbehandlung nach Injektion Botulinumtoxin und anschliessender FES an.

Laufende Studien Funktionelle Elektrostimulation im SPZ

  • Die Studie untersucht die Wirkung der Elektrostimulation auf schlaff gelähmte Muskulatur im Unterarm und in der Hand. Diese Studie wird durchgeführt, um die Wirkung der Elektrostimulation auf die Muskelstruktur und die Muskeldicke zu untersuchen. Die Studie wird bei Tetraplegikern durchgeführt, die entweder den Handgelenksstrecker, den kurzen Daumenabspreizer oder den Muskel, der zwischen Daumen und Zeigefinger liegt, schlaff gelähmt haben. Durch die Stimulation eines schlaff gelähmten Muskels erhält man seine Fähigkeit, sich zusammenzuziehen (kontrahieren). Dieser Erhalt des Muskels hat einen positiven Einfluss auf seine Struktur. Fehlstellungen im Handgelenk zum Beispiel können möglicherweise vermieden oder verbessert werden. Gegebenenfalls können andere Behandlungsmöglichkeiten wie Nerventransfers zur Funktionsverbesserung diskutiert werden.

  • Spastizität ist eine häufig auftretende Begleiterscheinung von Rückenmarksverletzungen. Sie verursacht oft schwere Beeinträchtigungen im Alltag und kann die noch vorhandene Bewegungsfähigkeit weiter erschweren. Gängige Behandlungsmethoden sind Physiotherapie oder medikamentöse Therapien. In den letzten Jahren wurde eine Methode, die sog. transkutane Rückenmarkstimulation, entwickelt, über die das Rückenmark durch Klebeelektroden auf der Haut elektrisch angeregt werden kann. Pilotstudien haben gezeigt, dass eine einmalige Anwendung dieser Stimulationstechnik für eine halbe Stunde die Spastizität über mehrere Stunden wirkungsvoll kontrollieren kann. Ziel dieser Studie ist es daher zu untersuchen, ob durch die mehrmalige Anwendung der transkutanen Rückenmarkstimulation über einen Zeitraum von 6 Wochen die Spastizität bei Patienten mit inkompletter Rückenmarksverletzung nachhaltig, also über die Anwendungsdauer hinaus, kontrolliert werden kann.

  • Für die funktionelle Verbesserung der oberen Extremitäten liegen wenige Studien vor. In der Rehabilitation von Patienten mit einer Querschnittlähmung, die eine Tetraplegie erlitten haben, ist die FES eine weit verbreitete und viel genutzte Methode, um die Funktionen der Arme und Hände zu verbessern. Die EMG ausgelöste Elektrostimulation wird z.B. zur Verbesserung des motorischen Lernens eingesetzt. Die bereits untersuchten Effekte der FES gewinnen zusätzlich an Bedeutung, wenn man eine rekonstruktive Arm und/oder Handchirurgie bei tetraplegischen Patienten in Betracht zieht. Hierbei wäre es eine Möglichkeit die Spender- und Empfängermuskeln vor und nach der Operation mittels FES zu kräftigen. Besonders nach der Operation ist der Prozess des motorischen Lernens ein Bestandteil der Behandlung. Bislang wurde noch nicht untersucht, ob der gezielte Einsatz der FES vor und nach den rekonstruktiven Operationen das Ergebnis bezüglich Kraft, motorischen Lernens und funktionellem Ergebnis zusätzlich verbessern könnte. Erste klinische Beobachtungen weisen auf einen möglichen positiven Effekt der FES hin. Im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie sollen folgende Punkte untersucht werden:

    • Ob der Einsatz der FES vor und nach der Operation die Kraft des Spender und Empfängermuskels vergrössern kann und somit das Ergebnis bezüglich Kraft und Funktionalität verbessert
    • Ob der Einsatz der FES mit einem EMG getriggerten Stimulator den Prozess des motorischen Lernens nach der OP beschleunigt
    • Wie gross die Zufriedenheit und die Durchführung vom Patienten individuell definierter Alltagsbewegungen ist
    • Ob die FES eine Volumenzunahme der stimulierten Muskeln zur Folge hat
    • Wie die Anwendbarkeit der FES im Verhältnis zum Nutzen in Vor und Nachbehandlung von Seiten des Patienten eingeschätzt wird
  • Wir wollen mit dieser Studie den Effekt von zwei verschiedenen Trainingsarten der gelähmten Beinmuskulatur mit Elektrostimulation auf die körperliche Fitness untersuchen. Dabei soll die Auswirkung eines intensiven, jedoch kurzen Trainings im Vergleich zu einem längeren, jedoch wenig intensiven Trainings der Beinmuskulatur mit Elektrostimulation verglichen werden.

Links

Unsere Fachpersonen

  • Ines Bersch-Porada

    Leiterin International FES Centre und Physiotherapeutin

  • Dr. med. Michael Baumberger

    Chefarzt Paraplegiologie und Rehabilitationsmedizin / Medizinische Verantwortung International FES Centre

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