Nothilfe für die Ukraine

Hilfe für Querschnitt­gelähmte aus der Ukraine

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Unterstützung für querschnittgelähmte Flüchtlinge aus der Ukraine

Es ist für uns kaum vorstellbar, was es bedeutet, aus einem Kriegsgebiet zu fliehen – zudem als Mensch mit einer Querschnittlähmung. In der Schweiz haben viele das Bedürfnis, diesen Menschen zu helfen. Auch die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) setzt ein Zeichen der Solidarität gegen den Krieg in der Ukraine: In Wolka Cycowska an der polnisch-ukrainischen Grenze hat sie ein Safe House in Betrieb genommen, in dem querschnittgelähmte Flüchtlinge einen Zufluchtsort finden. Dabei besteht eine Zusammenarbeit mit ESCIF (European Spinal Cord Injury Federation) und weiteren Partnern. Das ehemalige Pflegeheim bietet Platz für rund 30 Personen. Sie erhalten dort Sicherheit, professionelle Pflege und eine medizinische Betreuung.

Flüchtlinge vor dem Safe House

Querschnittgelähmte Flüchtlinge vor dem Safe House

Ein Zufluchtsort nach den Strapazen der Flucht

«Wir haben die Expertise im Bereich Querschnittlähmung, wir haben die Hilfsmittel und wir haben Mitarbeitende, die sich engagieren wollen», betont Heidi Hanselmann, Präsidentin der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Sie fuhr gemeinsam mit Stefan Dürger (Geschäftsführer Orthotec) und Laurent Prince (Direktor Schweizer Paraplegiker-Vereinigung) Anfang April eine Grundausstattung an Material und Medikamenten von Nottwil ins 1637 Kilometer entfernte Wolka Cycowska. Die drei Führungskräfte halfen beim Einrichten des Safe House – und zeigten sich tief beeindruckt von der grossen Dankbarkeit der Flüchtlinge.

Die grosse Dankbarkeit der Flüchtlinge hat uns zutiefst bewegt. 

Heidi Hanselmann, Präsidentin SPS

Die Leitung vor Ort hat die erfahrene SPZ-Pflegefachfrau Sara Muff. Sie wurde rasch zur Vertrauensperson der vom Krieg gezeichneten Menschen. Wer im Safe House Zuflucht gefunden hat, sieht endlich wieder eine Perspektive, sagt sie. Diese Menschen wollen nicht zur Last fallen, sondern selber anpacken. Die Paraplegiker-Stiftung unterstützt sie vor Ort in Polen und bietet in medizinisch dringenden Fällen auch Plätze in Nottwil an. Am 22. April sind die ersten Betroffenen im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) eingetroffen.

  • Die 29-jährige Sara Muff aus Sursee ist seit April im Safe House im polnischen Wolka Cycowska. Im Interview schildert die Luzernerin die Situation vor Ort und sagt auch, wozu die Spendengelder zugunsten von querschnittgelähmten Flüchtlingen eingesetzt werden.

    Sara Muff, was motiviert Sie zur Arbeit im Safe House?
    Mir war sofort klar, dass ich für diese Aufgabe zusage. Unser Leben in der Schweiz ist so privilegiert und wir haben ein so gutes Bildungssystem. Zudem herrscht bei uns Frieden. Da sehe ich mich in der Pflicht, etwas weiterzugeben. Mit meiner Erfahrung aus Nottwil kann ich hier sehr viel bewirken – auch wenn es nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist.

    Welche Hilfe wird benötigt?
    Die Flüchtlinge waren oft tagelang unterwegs; sie haben Druckstellen vom langen Sitzen im Rollstuhl oder leiden an Harnwegsinfekten. Viele mussten ihre Behandlung im Krieg abbrechen. Teilweise fand keine gute Erstversorgung nach einer frischen Querschnittlähmung statt. Wir unterstützen die Betroffenen pflegerisch und medizinisch, aber auch, indem wir eine Atmosphäre schaffen, in der sie sich willkommen fühlen. Manchmal reicht es, einfach da zu sein und zuzuhören.

    Wie lange bleiben die Flüchtlinge?
    Das ist unterschiedlich. Einige möchten in Polen bleiben und sofort zurück, wenn der Krieg vorbei ist. Andere möchten zu Bekannten nach Europa und wir organisieren die Transporte. Wir klären auch ab, wer eine medizinische Behandlung benötigt. In dringenden Fällen sorgen wir für einen Transport ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum nach Nottwil.

    Wie sieht Ihr typischer Tag aus?
    Jeder Tag ist anders. Heute half ich einem Tetraplegiker beim Duschen und beim Blasen- und Darmmanagement. Dann war viel Administratives zu erledigen und ich gab dem Personal Tipps für die Pflege. Es gab mehrere Abklärungen, ich wechselte Verbände und führte Gespräche mit den Flüchtlingen. Sie zeigten mir Bilder von ihren zerbombten Häusern und Städten. Am Abend mache ich den Grosseinkauf für den nächsten Tag. Manchmal zeichnen wir noch zusammen. Teilweise fehlen den Flüchtlingen Dokumente für die Weiterreise oder Betroffene schaffen es nachts überraschend über die Grenze – dann bin ich um 01:30 Uhr noch wach …

    Was schildern die Flüchtlinge?
    Sie erzählen von der Flucht; wen sie zurücklassen mussten und welche Personen tot sind. Sie sprechen auch medizinische Themen an oder wollen einfach ein Alltagsgespräch führen. Ich finde es schön, dass sie mir so viel anvertrauen. Eine Zwanzigjährige schilderte, wie ihr gesagt wurde, ihr totgeglaubter Freund sei nicht unter den Gefallenen und gelte als verschollen. Seither versucht sie ständig, ihn zu erreichen. Es ist so schlimm – wir haben beide geweint. Eine Mutter erzählte, wie ihre Familie im Fluchtkorridor aus Mariupol im Auto beschossen wurde. Eine junge Frau schilderte mir, dass sie zusammen mit ihrer 83-jährigen Grossmutter einen Monat im zerbombten Mariupol ausharren musste, bis sie endlich fliehen konnte. Der Schock sitzt noch tief. Es sind berührende Geschichten. Diese Menschen stehen vor der absoluten Ungewissheit.

    Wie kommunizieren Sie?
    Oft nutzen wir «SayHi». Ich spreche einen Satz auf Deutsch und die App übersetzt in die gewünschte Sprache. Meistens klappt es gut, aber es kommen auch kreuzfalsche Übersetzungen heraus. Dann können sogar wir kurz zusammen lachen.

    Wie lange bleibt dieses Safe House?
    Ich hoffe fest, dass es so lange bestehen kann, wie es gebraucht wird. Dieser Ort ist für Menschen mit Querschnittlähmung enorm wichtig.

Eindrücke aus dem Safe House

Den Blick in die Zukunft richten

Die SPS liefert aber auch Medikamente und Hilfsmittel an Kliniken in der Ukraine. Die dafür eingesetzten Mittel sollen nicht mit den Mitteln für den Betrieb in Nottwil konkurrieren, erklärt Heidi Hanselmann: «Um die Hilfe losgelöst von unseren Gönnergeldern aufrechtzuerhalten, haben wir ein Spendenkonto eingerichtet.» Dank der Solidarität der Schweizer Bevölkerung sollen die querschnittgelähmten Flüchtlinge den Blick nach dem Kriegserlebnis wieder in eine Zukunft richten können.

In einem Krieg erleiden rund zehn Prozent der Opfer eine Rückenmarkverletzung. Auch Sie können mithelfen, querschnittgelähmte Flüchtlinge aus der Ukraine zu unterstützen.

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