Historische Übersicht

Geschichte

2018

«Durchschnittlicher Einsatz reicht nicht aus.
Genug ist zu wenig.»

Guido A. Zäch

Website in neuem Design

Im April 2018 geht die Website der Schweizer Paraplegiker-Gruppe paraplegie.ch in neuem Look online. Die Inhalte lassen sich grosszügig und leserfreundlich darstellen. Besucher gelangen durch die übersichtliche Navigation einfach und schnell zu den gewünschten Informationen. Insbesondere nutzerfreundlich und dem technischen Standard entsprechend, ist das responsive Design. Dieses passt die Inhalte dem entsprechenden Ausgabegerät an. Zudem ist die Website barrierefrei.

Baubeginn Besucherzentrum

Anfang März 2018 erfolgt der Spatenstich zum Besucherzentrum. 

Active Communication wird neue Tochtergesellschaft der SPS

Seit dem 1. Januar 2018 ist die  Active Communication AG eine Tochtergesellschaft der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS). Das Unternehmen versorgt seit 1999 Menschen mit Behinderung oder einer neurologischen Erkrankung mit elektronischen und didaktischen Hilfsmitteln für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung im Alltag. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Steinhausen (ZG).

SPS schafft Innovationszentrum für assistive Technologien

Um auch in der Zukunft die Versorgung mit zeitgemässen Hilfsmitteln sicherzustellen, schafft die SPS parallel dazu das Innovationszentrum für assistive Technologien (IAT). Als Kompetenzzentrum und Wissensfabrik ist es Anlaufstelle für die Neu- und Weiterentwicklung von Hilfsmitteln für Querschnittgelähmte. Sitz der IAT ist Nottwil (LU) und Sierre (VS).

2017

Ein Roboter für die Apotheke

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Der Medikamentenroboter beim Einbau.

Das Team der SPZ-Apotheke erhielt Verstärkung. Ab Herbst 2017 verpackt ein Roboter 90 Prozent aller verordneten Medikamente individuell für 150 stationäre Patienten.

Dazu holt der Roboter die von ihm zuvor aus den Mehrpackungen exakt ausgeschnittenen Einzeldosen an Tabletten oder Kapseln aus dem Lager, findet verschriebene Ampullen, Fertigspritzen, Sirup-Portionen oder Zäpfchen und stellt die codierten Produkte korrekt dosiert zusammen, durchschnittlich zehn Dosen pro Patient und Tag.

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Die vom Medikamentenroboter verpackten Medikamente, Spritzen und Ampullen.

«Der Roboter wird die Arbeit schneller und kostengünstiger machen. Und -  noch wichtiger - das Risiko von Medikationsfehlern massiv verringern».

Patientensicherheit erhöhen

Beauftragt wird der Roboter vom behandelnden Arzt. Der tippt die Verordnung auf der Station in den Computer. Wird das Medikament schliesslich verabreicht, registriert die Pflegefachperson mittels Barcode auch diesen Schritt. Der Roboter und die damit einhergehende konsequente Dokumentation stellen sicher, dass die Mitarbeiter der Apotheke, die Ärzte und das Pflegefachpersonal durchgängig über die bestellten und verabreichten Medikamente informiert sind.

Auch die Pflegekräfte auf den Stationen werden entlastet. Sie können eine aufwändige Routinearbeit dem Roboter anvertrauen und die dadurch gewonnene Zeit ihren Patienten widmen.

Mit dem Kinobus auf Fachkräfte-Suche

Das SPZ machte mit einer innovativen Rekrutierungskampagne für Fachkräfte auf sich aufmerksam; mit einer Rollstuhl-Challenge der besonderen Art.

Im kleinsten Kino der Welt mit - gerade einem Platz - sitzt der Besucher in einem Rollstuhl. Durch eine Virtual-Reality-Brille sieht er die Welt durch die Augen eines Querschnittgelähmten: Vom Rega-Transfer in die Notaufnahme des Schweizer Paraplegiker-Zentrums auf den Operationstisch, in die Intensivstation durch die Rehabilitation, bis zum Leben danach.

Als Kinosessel dient ein umgebauter Rollstuhl, der sich dank neuster Simulationstechnologie dem Filmgeschehen entsprechend bewegt. Präsentiert wird der Film im Kinobus, einem frisch eingekleideten Lieferwagen des SPZ.

Aufrichtefest Nordtrakt SPZ

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Mitarbeitende besichtigen zum ersten Mal den Rohbau des Nordtraktes.

Am 29. Juni 2017 fand das Aufrichtefest für den Nordtrakt des SPZ statt. 268 Bauleute und die Mitarbeitenden der SPG feierten die Fertigsstellung des Rohbaus gebührend. Insbesondere die Mitarbeitenden durften erstmals einen Blick ins neue Gebäude werfen. Selbstverständlich war auch Guido A. Zäch, Ehrenpräsident und Gründer der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, anwesend.

Spatenstich für den Erweiterungsbau war am 1. Oktober 2015 im Zuge des 20-Jahr-Jubiläums der Spezialklinik für Querschnittgelähmte gewesen.

Der Nordtrakt ist die grösste Erweiterungsbaute im Zuge des mehrjährigen Bauprojekts auf dem Campus Nottwil. Die Bauarbeiten dauern noch bis 2020.

Weitere Teilbau-Projekte eröffnet

Im Frühling 2017 wurden die neue Tiefgarage mit 246 weiteren Parkplätzen in Betrieb genommen und die Passerelle eröffnet. Sie ist rollstuhlgängig und verbindet das Hotel Sempachersee und das Guido A. Zäch Institut. 

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Launch der Online Community für Querschnittgelähmte

Homepage der Website der Community

Die Community steht allen offen - Betroffenen, Angehörigen, Freunden oder anderweitig Interessierten. Sie bietet bietet die Möglichkeit, Hilfe zu suchen, Wissen aufzubauen und sich auszutauschen.

2016

Das SPZ erhält Upgrade als Weiterbildungsstätte von Intensivmedizinern

Die Intensivstation des Schweizer Paraplegiker-Zentrums erhielt die Anerkennung als Weiterbildungsstätte Kategorie B (bisher C).
Dank der Neueinstufung können sich Assistenzärzte in Nottwil während 18 Monaten zu Intensivmedizinern ausbilden lassen.

Die Vielfalt an Patienten mit verschiedensten Diagnosen sowie die Schwierigkeit der Fälle und der Therapien, die im Schweizer Paraplegiker-Zentrum behandelt werden, ermöglichten dieses Upgrade.

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Im SPZ werden nicht nur gelähmte, sondern auch Nichtquerschnittpatienten - vor allem im Bereich der Beatmung - behandelt. Sehr häufige Diagnosen sind dabei Lungenentzündungen und andere Infekte. Speziell zu erwähnen ist ausserdem auch eine beträchtliche Anzahl von nicht gelähmten Patienten, die eine grosse Rücken- bzw./oder Wirbelsäulen-Operation benötigen.

«Diese Möglichkeiten machen uns für junge Assistenzärzte als Weiterbildungsplatz attraktiv, was für das SPZ im heutigen starken Konkurrenzkampf um junge Fachleute wichtig ist.»

Markus Béchir, ehem. Chefarzt Intensiv-, Schmerz- und Operative Medizin SPZ

Gemäss System des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) erhalten grosse Universitätsspitäler wie Zürich, Basel oder Lausanne die höchste Auszeichnung A als Weiterbildungsstätten. In der Zentralschweiz ist das SPZ damit neben dem Luzerner Kantonsspital die am zweithöchsten eingestufte Klinik, die diese Ausbildung ermöglicht.

2015

SPG-Jubiläen: «Visionen verwirklichen: Gestern – heute – morgen»

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Mehr als 9000 Besucherinnen und Besucher nahmen am 24. und 25. Oktober 2015 an den Jubiläumsfeierlichkeiten der Schweizer Paraplegiker-Gruppe teil. Zu feiern gab es etliches: konnte doch die Schweizer Paraplegiker-Stiftung ihren 40., die Paraplegiker-Vereinigung ihren 35., das Paraplegiker-Zentrum seinen 25. und die Paraplegiker-Forschung ihren 15. Geburtstag feiern. Guido A. Zäch, Stiftungsgründer und Ehrenpräsident feierte zudem seinen 80. Geburtstag.

«Wir wollten Starthilfe zu Selbsthilfe geben
und keine Almosen.»

Guido A. Zäch mit Silvia Buscher

Guido A. Zäch vor seinem Geburtstagsgeschenk
Guido A. Zäch mit seiner langjährigen Wegbegleiterin Silvia Buscher

Tage der offenen Türe mit viel Sehenswertem

Der Campus Nottwil präsentierte sich für zwei Tage unter dem Motto «Visionen verwirklichen: Gestern – heute – morgen» der breiten Öffentlichkeit. Die diversen Abteilungen und Berufsgattungen präsentierten an Ständen in der Begegnungshalle des SPZ und im GZI ihre Arbeit.  

Jubiläumsfilm der SPG

Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten würde ein 12-minütiger Jubiläumsfilm realisiert, der auch in drei Einzelteilen angesehen werden kann.

Guido A. Zäch wird Ehrenbürger von Nottwil

An der offiziellen Jubiläumsfeier ernannte die Gemeinde Nottwil den Gründer und Pionier Guido A. Zäch zum Ehrenbürger. «Als Zeichen der Anerkennung für das Lebenswerk von Guido A. Zäch und als grosses Danke für das Geleistete» überreichte Walter Steffen, Gemeindepräsident von Nottwil, feierlich die Urkunde.

«Guido A. Zäch hat den Rollstuhlfahrern ein Gesicht und eine Identität gegeben. Er hat die Menschen sensibilisiert und viel Verständnis erwirkt, auch hier in Nottwil.»

Walter Steffen, Gemeindepräsident Nottwil

Walter Steffen verleiht Guido A. Zäch die Ehrenbürgerschaft von Nottwil.

Interessante Dokumente

Spatenstich Erweiterungsbau SPZ

Die Erfolgsgeschichte weiterentwickeln 

Am 1. Oktober haben die Verantwortlichen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und des Zentrums den Startschuss für das rund vier Jahre dauernde Bauprojekt gegeben.

Mit dem Bauprojekt will die SPS dem Stiftungszweck zukunftsgerichtet Rechnung tragen. Ebenso will sie ihre Vorreiter- und Führungsrolle in der Akutmedizin, Rehabilitation und der lebenslangen Begleitung von Querschnittgelähmten auch in den kommenden Jahren einnehmen.

«Patienten und die Komplexität ihrer Verletzungen oder Krankheiten haben sich verändert – es bestehen neue, andere Anforderungen an Personal, Prozesse und Infrastruktur.»

 

Hans Peter Gmünder, Direktor SPZ

Luftaufnahme SPZ vor Baubeginn

Hohe Bettenauslastung

Zu  etwa 97 Prozent sind die Betten im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) belegt. Dies bringt die Spezialklinik an Kapazitätsgrenzen. Steigenden Bevölkerungszahlen, Menschen, die immer älter werden und dadurch zunehmend krankheitsbedingt querschnittgelähmt werden, will man weiterhin gerecht werden können. Dazu ist mehr Raum notwendig.

Weitere Informationen

2013

Gründung der AWONO AG für altersgerechtes und hindernisfreies Wohnen in Nottwil

2012

Erwerb Hotel Sempachersee (HSS)

Das Hotel Sempachersee bietet Dienstleistungen in den Bereichen Hotel, Seminare, Kulinarik, Sport, Medizin und Events. Das Hotel verfügt über 150 Doppelzimmer verteilt auf 5 Pavillons und einen separaten Hoteltrakt. Fast die Hälfte aller Zimmer sind für Personen im Rollstuhl eingerichtet.

2007

Gründung Schweizer Wirbelsäulen- und Rückenmark-Zentrum (SWRZ)

Das SWRZ ist ein gemeinsames Kompetenzzentrum des Luzerner Kantonsspital LUKS und des Schweizer Paraplegiker-Zentrums. Es bietet hochspezialisierte Medizin in der Behandlung von Wirbelsäulen- und Rückenmarkverletzungen und Erkrankungen.

Weitere Informationen

«Hat es mich heute gebraucht?»

Guido A. Zäch

2006

Eröffnung Zentrum für Schmerzmedizin (ZSM)

Eröffnung ZSM - Behandlungszimmer Tag der offenen Tür

Eröffnung Zentrum für Schmerzmedizin: Die Räumlichkeiten stehen zur Besichtigung offen.

Das Zentrum für Schmerzmedizin stellt nach internationalen Kriterien die höchste Versorgungsstufe zur Behandlung von Schmerzen aller Art dar.  Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegenden klärt chronische Schmerzen und deren Ursachen mit allen etablierten wie auch zukunftsweisenden diagnostischen Methoden ab. Eine vielfältige Palette an Behandlungsmethoden stehen den Schmerzspezialisten zur Verfügung, um Schmerzen ganzheitlich zu behandeln.

Weitere Informationen

2005

Einweihung des Guido A. Zäch Instituts (GZI)

Das Guido A. Zäch Institut wurde 2005 eröffnet. Das Gebäude beherbergt eine Bibliothek, Hotelzimmer und die Schweizer Paraplegiker-Forschung.

2003

Gründung Schweizer Institut für Rettungsmedizin (Sirmed)

Ganz am Anfang der Versorgungskette für Menschen mit schweren Wirbelsäulen- und Rückenmarkverletzungen arbeitet das Team von Sirmed. Das Schweizer Institut für Rettungsmedizin eroberte sich sukzessive einen festen Platz unter den Veranstaltern von Aus- und Weiterbildungen für Rettungskräfte. Die klassische Lehre für Rettungssanitäter gibt es nach wie vor. Doch wurde auch zusätzlich Platz geschaffen, um Spezialitäten, zugeschnitten auf besondere Bedürfnisse von Laien oder Profis, zu pflegen. Das tun die Experten von Sirmed so erfolgreich, dass sich die Nachfrage auch in den französisch- und italienischsprachigen Landesteilen laufend erhöht.

«Das Richtige rechtzeitig richtig zu tun.»

Guido A. Zäch

Simulation einer Rettungsübung von Sirmed

Angehende Rettungskräfte üben den Ernstfall.

Weitere Informationen

Gründung ParaHelp

ParaHelp wurde aus der Not von Angehörigen und externen Pflegekräften geboren. Diese stehen mit der anspruchsvollen Betreuung von Querschnittgelähmten ausserhalb der Klinik vor grossen Herausforderungen. Erfahrene Fachkräfte aus der Spezialklinik springen hier in die Lücke. Sie erarbeiten Programme zur Schulung, Weiterbildung und leisten zudem praktische Unterstützung vor Ort. Im Besonderen kümmert man sich auch um die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen. ParaHelp hat in der ganzen Schweiz mehrere Aussenstellen eingerichtet. Das Unternehmen baut die Kooperation mit diversen Spezialkliniken kontinuierlich aus. Denn die Aufgaben werden fortwährend komplexer.

Weitere Informationen

2002

Gründung Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF)

Erfolgreiche Nische: Die Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF) ist zur Vorreiterin auf dem Gebiet der Rehabilitationsforschung für Querschnittgelähmte geworden. Das auch international. Die mittlerweile erworbene Anerkennung ihrer Tätigkeit quer durch alle wichtigen Instanzen hindurch widerlegt auch die anfänglich zahlreichen Kritiker. Sie hatten schwerste Bedenken, dass Forschung auf der grünen Wiese tiefe Wurzeln schlagen und gedeihen könne.

Im Kleinstformat existierte Forschung in Nottwil schon 1993. Zuständig war ein Arzt und Ingenieur aus Deutschland. Ihn störte, dass es keine weltweit koordinierte Grundlagenforschung von Rückenmarksverletzungen gab. Dazu kam, dass allgemein zu wenig getan wurde, um davon Betroffenen das Leben zu erleichtern. Im Institut für Sportmedizin im SPZ entwickelte man Methoden, um die Trainings- und Wettkampfplanung für Mehrleistung von Rollstuhlathleten zu verbessern.

Vorläufer der Schweizer Paraplegiker-Forschung war das Institut für Klinische Forschung. Forschungsthema dort war vor allem die Verhinderung und Therapie von Osteoporose sowie Schlafapnoe. Ein häufiges Problem bei Menschen mit Querschnittlähmung. Wahrste «Knochenarbeit» sorgte dafür, dass Knochendichtemessungen und Tests im Schlaflabor zu einem festen Bestandteil standardisierter Untersuche wurden.

«Mit der Schweizer Paraplegiker-Forschung verbinden uns ehrgeizige Ziele, viele grosse Projekte und eine hervorragende Zusammenarbeit. Daraus ist etwa der erste weltweite WHO-Report zum Thema «Querschnittlähmung» entstanden.

Prof. Dr. Alarcos Cieza, Leiterin Disability and Rehabilitation, World Health Organization (WHO)

GZI Haupteingang bei Nacht

Forschung unter einem Dach

Als der Beschluss zum Bau des Guido A. Zäch Instituts (GZI) gefasst war, wurden sämtliche wissenschaftlichen Aktivitäten in einer separaten Gesellschaft zusammengelegt; der SPF. Ihr Auftrag: das vierte Standbein des einzigartigen Solidarwerkes werden.

Über den Inhalt herrschte absolute Einigkeit. Doch bezüglich Methoden diskutierte man lebhaft. «Tierversuche – ja oder nein?» - lautete die Gretchenfrage. Das letzte Wort sprach Guido A. Zäch: Verzicht auf Grundlagenforschung mit Tierversuchen. Aber Forschung im Sinne von nachhaltiger Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Perspektiven von querschnittgelähmten Menschen.

Diese mündet in detaillierten Papieren und Empfehlungen zu:

  • mehr Lebensqualität und Teilhabe,
  • einfacherer Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen,
  • höhere Chancen auf Gleichstellung im Beruf

– und damit mehr Selbstbestimmung. Die Forschungstätigkeit der SPF richtet sich demnach auch an die Politik, die Behörden in Gesundheits- und Sozialwesen, Leistungserbringer und Versorgungsinstitutionen.

Wissenschaftler im Forschungslabor der SPF.

Wissenschaftler im Forschungslabor der SPF.

Internationale Taktgeberin

Seit 2005 ist die SPF zügig zur Taktgeberin der grenzüberschreitenden Rehabilitationsforschung aufgestiegen. Beschleunigt wurde dieser Prozess durch ein grosses Netzwerk zu Kliniken und Universitäten national und weltweit. Ebenso die enge Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und in Arbeiten, die die Europäische Union (EU) fördert. Aus deren Töpfen fliessen regelmässig Gelder in Projekte und Studien, die in Nottwil initiiert und gesteuert werden.

Wertvolle Forschung für morgen

Auch wenn Querschnittlähmung künftig geheilt werden könnte, würden Rehabilitations- und Funktionsfähigkeits-Forschung keineswegs überflüssig. Denn für viele Betroffene käme das Wunder zu spät. Ausserdem rufen demografische Begebenheiten, wie Ageing, früher oder später nach verlässlichen Grundlagen zur Bewältigung von Problemen. Die Wissenschaftler in Nottwil sind gut darauf vorbereitet. Summe und Aussagekraft von Erkenntnissen und Erfahrungen, die schon abgelegt sind und tagtäglich neu eingehen, bilden wertvolles Kapital für morgen.

Eigeninitiative der SPF

Die SPF lancierte zudem die erste gross angelegte Langzeitstudie (SwiSCI). Ziel ist es, ein repräsentatives, umfassendes Abbild der Situation von querschnittgelähmten Menschen in der Schweiz zu erhalten.

2009 begab sich die SPF zusammen mit der Universität Luzern auf Neuland: Es wurde ein Lehrstuhl für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik eingerichtet. Ebenso kam ein Seminar für diese Fachrichtung zustande. Schliesslich etablierten die beiden Partner erfolgreich einen Masterstudiengang in Gesundheitswissenschaften.

  • Mit dem Beginn der ersten Umfrage im Jahr 2011 erfasste SwiSCI bislang komplexe Daten von ca. 2000 Personen. Diese wertvollen Informationen bringen neue Erkenntnisse über die Lebenssituation, Gesundheit und Lebensqualität von rückenmarkverletzten Personen in der Schweiz hervor.

    In der Studie werden Elemente wie Gesundheitsverhalten, Versorgung, gesellschaftliche Teilhabe, Arbeitsmarktintegration und Präventionsmassnahmen für ein gesundes Altern erfasst. Dies ermöglicht es, Problembereiche und Bedürfnisse systematisch zu identifizieren. Verbesserungsmassnahmen im Schweizer Gesundheits- und Sozialsystem können auf Basis dieser Daten entwickelt werden.

Weitere Informationen

  • Übergeordnetes Ziel der klinischen Forschung im SPZ ist die Optimierung der Behandlung der Patienten. Deshalb sind neue Forschungserkenntnisse zwingend erforderlich. Denn es sollen die Lebensqualität verbessert und Komplikationen vermieden werden. Klinische Forschung wird im SPZ von verschiedenen Bereichen, häufig interdisziplinär und im direkten Patientenkontakt durchgeführt.

    Die Clinical Trial Unit (CTU) unterstützt alle SPG-Mitglieder bei der Planung, Durchführung und Koordination klinischer Forschungsprojekte.

    Forschungsthemen

    Manuela Schär trägt Marker

1994

Gründung der Orthotec

Die Orthotec gehört zu den Spitzenreitern der Branche. Das Dienstleistungsangebot reicht vom Fahrzeugumbau, Rehabilitationstechnik, Inkontinenzhandel, bis zur Orthopädietechnik. Die Firma weitete ihre Angebotspalette und ihre Präsenz kontinuierlich aus. Zuletzt durch die Integration des bis dahin eigenständigen Bereichs Fahrzeugumbau (Paramobil), die Modernisierung der Werkstätten in Nottwil inklusive Eröffnung der ersten Filialen in der Westschweiz und im Raum Zürich.

Meilensteine

  • 1998

    Erste Durchführung  der Fachmesse «Rollivision»

  • 1999

    Gründung der Paramobil (Fahrzeugumbau)

  • 2014

    Eröffnung Fahrzeugumbau am Standort Cugy (VD).

Weitere Informationen

1990

Bau Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ)

Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) findet sich Ungewöhnliches: eine eigene Feuerwehr, eine Sporthalle, eine Sport Arena mit Zeitmessturm, ein Tennisplatz und ein Hallenbad, ein Gutsbetrieb, ein Biotop, eine öffentliche Apotheke, eine eigene Kapelle, eine Werkstatt für Fahrzeugumbau sowie die Rettungssanitäterschule.

Bautafel 1990

Die Bautafel kündigt den Bau des Schweizer Paraplegiker-Zentrums an.

Nein, eine gewöhnliche Klinik war das SPZ nie. Und wollte es nie sein. Das hätte Auftrag und Konzept widersprochen. Denn beides sah ausdrücklich die wirkliche Rundum-Versorgung und -Rehabilitation von querschnittgelähmten Menschen unter einem Dach vor. Inklusive Spitzenmedizin und -therapie sowohl der klassischen wie komplementären Art. Alles auf neustem Stand und in unerreichter Vielfalt. Etwas, das man in der Schweiz bis dahin nicht kannte. Parallel dazu mauserte sich das SPZ auch zum Treffpunkt für Menschen aus aller Welt; zur Kunstgalerie, zum Sport- und Forschungsplatz, zur Unterhaltungsbühne und sogar zur Kulisse eines mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilmes.

«Man sagte mir auf der Fahrt nach Nottwil, wir würden jetzt ein Spital besuchen. Ich hatte aber während unseres Besuches keine Minute das Gefühl, in einem Spital zu sein.»

Der Startschuss zum SPZ fällt

Es gab mehrere mögliche Standorte für die Erstellung einer Privatklinik. Ein erster Anlauf in der Gemeinde Risch ZG scheiterte 1984 am Nein der Bevölkerung. Die Suche nach einem idealen Areal endete schliesslich in Nottwil LU: Zwischen dem Sempachersee und der Kantonsstrasse stand ein Stück Land zur Verfügung, das der Brauerei Eichhof Luzern gehörte. Die Gemeinde, die Stiftung und der Verkäufer wurden sich rasch einig. Am 5. Juli 1985 sagte auch die Gemeindeversammlung «Ja» zum Bauvorhaben.

104 Betten und 250 Arbeitsplätze

Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit erfolgte am 12. März 1987 der Spatenstich für das SPZ. Im Sommer 1987 fuhren die ersten Bagger auf. 100 000 Kubikmeter Erde mussten ausgehoben und der Baugrund gepfählt werden. Bereits sieben Monate später legte Guido A. Zäch mit Weggefährten den Grundstein für die Hochbauten. Schliesslich stand das Haus: 104 Betten und 250 Vollzeitstellen entstanden.

Das Personal nahm seine Arbeit ab Frühling 1990 schrittweise auf. Unter dem Motto «Zäme dur’s Läbe» öffnete das Schweizer Paraplegiker-Zentrum am 8. und 9. September 1990 erstmals seine Türen für die Bevölkerung. Rund 100 000 Besucher waren beim Einweihungsfest dabei. Am 1. Oktober 1990 traf der allererste Patient in Nottwil ein: ein damals 18-jähriger Aargauer. Er hatte sich im Kunstturn-Training schwer verletzt und eine Tetraplegie erlitten.

  • Zwischen Frührapport und Nachtwache ereignete sich allerhand, das in keinem Therapie- oder Pflegeplan stand. Auf der Intensivstation zündete sich ein Anästhesist eine Zigarre an und wickelte vorsichtshalber (aber nutzlos) einen OP-Handschuh um den Brandmelder. Die Sporthalle wurde für eine Ausstellung von Tauben zweckentfremdet. Deren strenges Parfüm überwaberte dasjenige schwitzender Athleten noch lange. Ein begüterter Privatpatient verschwand ohne Bezahlung auf Nimmerwiedersehen. Die Mitglieder des mitten in der Nacht aufgebotenen Notfallteams hetzten vergeblich nach Nottwil; wegen eines Missverständnisses in der Alarmzentrale landete der Rettungshelikopter an einem anderen Ort. Der Chef der Gärtnerei mutierte in der Freizeit zum Metzger, um den Bestand der Heidschnuckenherde unter Kontrolle zu halten.

    Die Patienten bekamen von diesen und anderen unvorhersehbaren «Betriebsstörungen» wenig oder nichts mit. Sie konnten sich stets auf kompetente Behandlung verlassen und schätzten die fürsorgliche Betreuung.

«Wie hätten Sie es gerne, wenn …?»

Guido A. Zäch

Das SPZ braucht mehr Platz

Die Nachfrage nach den Angeboten für Para- und Tetraplegiker im SPZ stieg ab dem ersten Tag stetig. Bald machten Kapazitätsengpässe einen Ausbau nötig. In einem ersten Schritt wurden 1998 der Pflegetrakt aufgestockt und Therapieräume geschaffen. Neu standen anstatt 104 schliesslich 140 Betten zur Verfügung.
Knapp vier Jahre später folgte der Nordwesttrakt, in dem die Schmerzklinik, die orthopädische Werkstatt und die Rollstuhlmechanik, die Informatik und Beratungsdienste Platz fanden. In der ebenfalls neuen Verbindungsbrücke zwischen den beiden Behandlungstrakten wurden die ambulante Chirurgie, die Physiotherapie, diverse Untersuchungszimmer und Räume für die Intensivpflege untergebracht.

Spatenstich Erweiterungsbauten

Spatenstich zu den Erweiterungsbauten.

Publikum aus aller Welt

Im Laufe der ersten Dekade begann das von erbitterten Gegnern zur «Ruine» gewünschte Haus zu strahlen; ziemlich hell und weit über die Schweiz hinaus. Regelmässig begegnete man im SPZ hohen Magistraten, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Show und Sport. Paraplegiologen aus aller Welt trafen sich in Nottwil zu Fachkongressen. Zu Tausenden strömten Besucher zu Tagen der offenen Tür an den Sempachersee. Die Hochblüte hinterliess deutliche Spuren; in der Personalstatistik, in der Anzahl Betten und Pflegetage, in den Budgets, in der Organisation und vor allem auch in besserer Versorgung querschnittgelähmter Menschen.

Regelmässig begegnete man im SPZ hohen Magistraten, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Show und Sport.

Die Brasilianische Fussball-Nationalmannschaft in Nottwil

Brasilianische Nationalmannschaft

Internationale Gäste im SPZ

Das SPZ steht für Innovation

Ob Schmerzklinik, modernste Diagnostikgeräte oder neue Operationstechniken – das SPZ stand und steht für Innovation. Als Erste in Europa bekamen zwei Tetraplegiker hier das Freehand-System eingesetzt. In der Neuro-Urologie erfreuten vermehrt eintreffende Geburtsanzeigen von glücklichen Eltern mit Querschnittlähmung. Patienten brauchten fortan keine plakatgrossen Röntgenaufnahmen mehr unter den Arm zu klemmen. Die Bildübermittlung erfolgte ruckzuck online. Eines der schweizweit ersten EOS-Röntgengeräte befindet sich im SPZ. Damit lassen sich dreidimensionale Körperbilder berechnen. Untersuche können stehend oder in einem eigens am SPZ entwickelten Stuhl erfolgen. Eine grosse Erleichterung für Querschnittgelähmte. Zu Therapiezwecken verfügt die Klinik über ein Exoskelett. In der Apotheke sichert ein Medikamentenroboter zusätzlich die Medikation für die Patienten.

Herausfordernd sind wie überall im Gesundheitswesen steigende Administrationsaufwände für das medizinische Personal, Tarife und wachsender Spardruck der Kostenträger.

Magnetspital

Es gilt, einen Weg in diesem Spannungsfeld zu finden. Daher heisst die Losung «Magnetspital bleiben». Das bedeutet: ein hochstehendes, zeitgemässes Angebot in Medizin und Therapie auf ureigenstem Gebiet zu sichern. Und ebenso das Erschliessen verwandter Tätigkeitsfelder unter Einbezug innovativer Massnahmen:

  • Entwöhnung von künstlicher Beatmung (Weaning)
  • Behandlung von muskuloskelettalen Leiden oder Geronto-Paraplegiologie
  • Spezialchirurgie (Tetrahand)
  • Professionelle Begleitung bei beruflicher Wiedereingliederung
SPZ-Eingang bei Nacht

Meilensteine SPZ

  • 1979

    Die Ernst Göhner Stiftung stellt in Risch (ZG) Land für den Bau einer Spezialklinik für Querschnittgelähmte zur Verfügung

  • 1984

    Die Bürger der Gemeinde Risch lehnen die Umzonung ab.

  • 1985

    Bewilligung Umzonung von Industrieland in eine Spezialzone für klinische und therapeutische Zwecke in Nottwil (LU) durch die Gemeindeversammlung

  • 1987

    Grundsteinlegung und Spatenstich, Beginn Bau des Schweizer Paraplegiker-Zentrums

  • 1988

    Aufrichtefest

  • 1990

    Eröffnungsfest und Inbetriebnahme der Spezialklinik

  • 1998

    Einweihung Erweiterungsbauten (dritter Pflegetrakt) und Eröffnung des Zentrums für Schmerzmedizin

  • 2000

    Rücktritt von Guido A. Zäch als Chefarzt

  • 2003

    Einweihung Erweiterungsbauten (Brücke, Nordwesttrakt)

  • 2005

    Rücktritt von Guido A. Zäch als Direktor

  • 2006

    Eröffnung Swiss Prevention Center und erste Durchführung Publikumskongress «Gesundheit»

  • 2007

     Vertrag über öffentlich-rechtliche Partnerschaft mit dem Luzerner Kantonsspital (LUKS), Gründung Schweizer Wirbelsäulen-und Rückenmark-Zentrum (SWRZ)

  • 2008

    Gründung Radiologie Luzern-Land AG (Ralula)

  • 2013

    Gründung Swiss Society of Paraplegia (SSoP)

  • 2015

    Spatenstich Erneuerungs- und Erweiterungsbauten

  • 2020

    Geplante Eröffnung Erneuerungs- und Erweiterungsbauten

Weitere Informationen

1987

Grundsteinlegung Schweizer Paraplegiker-Zentrum

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit, fuhren 1987 in Nottwil die Bagger auf.

Grundsteinlegung SPZ 1987

Guido A. Zäch (M.) bei der Grundsteinlegung zum SPZ.

«Was man besser machen kann, muss man verändern.»

Guido A. Zäch

1985

Zwischen dem Sempachersee und der Kantonsstrasse Nottwil stand ein Stück Land zur Verfügung, das der Brauerei Eichhof Luzern gehörte. Am 5. Juli 1985 sagte die Gemeindeversammlung «Ja» zum Bauvorhaben.

Flugaufnahme Nottwil

Luftaufnahme von Nottwil 1965, vor dem Bau des Schweizer Paraplegiker-Zentrums.

1984

Die Stimmbevölkerung der Gemeinde Risch lehnt den Bau des Schweizer Paraplegiker-Zentrums ab.

1980

Gründung der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV)

Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV)setzt sich seit 1980 für die bestmögliche Wiedereingliederung und Gleichstellung querschnittgelähmter Menschen im Alltag ein. Rund 11’000 Mitglieder in 27 Rollstuhlklubs können auf verschiedenste Dienstleistungen sowie materielle und administrative Unterstützung zählen. Und dies in den Bereichen Rollstuhlsport, Kultur und Freizeit, hindernisfreies Bauen, Rechtsberatung, Lebensberatung.

Erste Initiativen zur Bildung einer Interessengemeinschaft von querschnittgelähmten Menschen gehen auf die Fünfzigerjahre zurück. Damals entstand die Schweizerische Vereinigung der Gelähmten. Dieser gehörte auch eine separate, von Ärzten geleitete Paraplegiker-Gruppe an. Im Vordergrund ihrer Tätigkeit standen die Verbesserung der medizinischen Behandlung sowie die gegenseitige Hilfe in sozialen Belangen, wobei dem Sport eine tragende Rolle zukam.

Die SPV-Gründer

Die SPV zieht anfangs der 1990er Jahre an die Kantonsstrasse in Nottwil, um näher bei den Patienten zu sein.

Ursprung der SPV

Kriens (LU) Mitte der Sechzigerjahre: der erste Rollstuhlklub entstand. Sechs weitere in der deutschsprachigen Schweiz folgten bald. 1980 fanden sich diese Klubs zusammen und gründeten in Basel eine nationale Selbsthilfeorganisation. Mit dem Ziel: sich gemeinsam mehr Gehör und Beachtung für die eigenen Anliegen zu verschaffen.

1983 eröffnete in Kriens die erste Geschäftsstelle mit zwei Personen. Das Angebot traf den Puls: es regnete Anfragen, Anregungen und Wünsche. Häufig halfen auch Ehefrauen, Kinder und weitere Verwandte unentgeltlich in der Organisation. Bei der Betreuung von Anlässen, bei Botendiensten, beim Reinigen, beim Kleben von Kuverts oder Abtragen von Papierbergen. Manchmal stand man sieben Tage pro Woche im Einsatz. Die Förderung des Zusammenhalts untereinander stand von Anfang weit oben auf der Agenda. Nahezu revolutionär damals: die Inbetriebnahme des ersten Busses mit behindertengerechter Ausstattung, die Durchführung von Tetraentlastungswochen oder von Weiterbildungskursen für Lehrpersonen.

«Querschnittgelähmte bedürfen nicht des Mitleids, sondern der aktiven Mithilfe.»

Guido A. Zäch

Prinzip Betroffene beraten Betroffene

Einen weiteren Meilenstein bildete die Einführung des Aussendienstes. Damit konnten querschnittgelähmte Menschen fortan auch vor Ort auf persönlichen Rat und Hilfe zählen. SPV-Mitarbeitende, die selber im Rollstuhl sassen und wussten, wie es sich unter Einschränkungen lebt und was einen beschäftigt. 

Etwas Besseres als dieses Prinzip gibt es bis heute nicht.

Beratung von Rollstuhlfahrern für Rollstuhlfahrer

Die SPV bietet Beratung von Rollstuhlfahrern für Rollstuhlfahrer -  ein Konzept, das sich bis heute bewährt.

Sport

Wenn der Spruch «Sport ist Lebenselixier» irgendwo zutrifft, dann bei querschnittgelähmten Menschen. Hauptsächlich wegen der Gesundheit, aber auch fürs persönliche Selbstwertgefühl und das Sozialleben. Wo sind die Berührungsängste Betroffenen gegenüber geringer und funktioniert Teilhabe auf Augenhöhe so selbstverständlich wie in der lockeren Atmosphäre eines Sportanlasses?

1986 hatte der Internationale Rollstuhl-Marathon in Schenkon (LU) Premiere. Bis heute ein Klassiker. Seitdem haben unter Führung oder mit Beteiligung der SPV schweizweit fast 20 Welt- und Europameisterschaften in neun verschiedenen Sportarten stattgefunden. Einige waren die Allerersten überhaupt.

Ein Engagement das sich auszeichnet: ein gewaltiger Sack, gefüllt mit Rekorden, Siegen und Medaillen, die unsere Spitzenathleten bei internationalen Titelkämpfen geholt haben. Heinz Frei, Franz Nietlispach, Rolf Zumkehr, Alice Rast, Giuseppe Forni, Franz Weber, Ursina Greuter, Hansjörg Arnold, Ruedi Weber, Hansruedi Weber, Edith Wolf-Hunkeler, Pia Schmid, Sandra Graf, Beat Bösch, Karin Suter-Erath, Sandra Kalt, Ursula Schwaller, Jean-Marc Berset, Tobias Fankhauser, Christoph Kunz, Marcel Hug, Manuela Schär  und viele mehr.

Das ist gerade mal ein kleiner Auszug aus der langen Liste mit den Namen der Erfolgreichsten der letzten 15 Jahre, die auch die breite Öffentlichkeit kennt. 

Sympathische Botschafter

Die vermehrte Wahrnehmung ihrer Leistungen hat nicht nur damit zu tun, dass sich die mediale Beachtung von Rollstuhl- und Behindertensport langsam dem nähert, was die erzielten Resultate schon längst verdienen. Viele von ihnen sind regelmässig auch als sympathische, glaubwürdige Botschafter der Schweizer Paraplegiker-Gruppe unterwegs. Etwa bei Vorträgen in Schulen, in Unternehmen, in Vereinen oder bei Führungen und Sensibilisierungskursen in Nottwil.

Beat Bösch gibt einen Sensibilisierungskurs.

Rollstuhlsportler als Botschafter: Beat Bösch gibt Fussgängern einen Eindruck vom Leben im Rollstuhl.

Näher zu den Patienten

Zu Beginn der Neunzigerjahre wurde es in Kriens definitiv zu eng. Die Geschäftsstelle zog nach Nottwil um. Näher zu den Patienten im neu eröffneten Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Der Umzug wirkte beflügelnd. Kein Jahr, ohne dass die bestehenden Angebote weiter ausgebaut wurden oder neue hinzukamen. So etwa:

  • Stellenbörse
  • Reisebüro
  • ein spezieller Hotelführer
  • das Kids Camp
  • Das Zentrum für Hindernisfreies Bauen in Muhen (AG)

Kultur und Freizeit

Die SPV bietet Reisen und Beratung durch die Schweiz, ins nahe und ferne Ausland. Betroffene können sich  über rollstuhlgängige Unterkünfte und Freizeitangebote für Rollifahrer informieren.

Ausflug mit dem Swisstrac

Die SPV bietet viele Angebote für Kultur und Freizeit: Ausflug mit dem Swisstrac.

Die Zahl der Mitglieder und Mitarbeitenden erhöhte sich kontinuierlich. Die SPV bekam erstmals einen Direktor, der im ersten Amtsjahr gleich eine nationale Politkampagne orchestrieren musste. Grund: Mit einem Referendum widersetzte sich die Selbsthilfeorganisation 1998 dem Parlamentsbeschluss, die IV-Viertelsrente zu streichen.

  • Man zog alle Register, um die erforderliche Anzahl Unterschriften beizubringen. Es waren schliesslich mehr als genug. Die Belohnung folgte in einer Volksabstimmung: die Schweizer sprach sich mit grossem Mehr für die Beibehaltung der IV-Viertelsrente aus. Die Sieger des Urnengangs jubelten im SPZ Nottwil vor laufenden Kameras des Schweizer Fernsehens.

    Weitere Abstimmungen zu sozialpolitischen Themen und zunehmende Komplexität von Fragen der Wiedereingliederung in den folgenden Jahren gaben Anstoss zum schrittweisen Aufbau eines Lobbyings in Bern. Dieses wird heute in Zusammenarbeit mit «Integration Handicap» wahrgenommen. Zu den drängenden Problemen in der Politik gehören die Altersvorsorge, die Renten der Invalidenversicherung (IV) und die Verbesserung der Chancen von querschnittgelähmten Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Hier bleibt noch eine Menge zu tun; auch europaweit. Dort ist die SPV als Initiantin der ESCIF, einer kontinentalen Vereinigung, seit mehr als zehn Jahren aktiv.

Die SPV sieht sich auch künftig stetig verändernden Rahmenbedingungen. Das Bekenntnis zu überdurchschnittlicher Qualität steht ausser Frage. Genauso wenig wie die Mission, den Menschen im Rollstuhl weiterhin wirksame Unterstützung und lebenslange Begleitung anzubieten. Früher in die Ecke gedrängt, schaffen es heute immer mehr von ihnen, in die Mitte der Gesellschaft zurückzukehren.

Meilensteine

  • 1980

    Gründung Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV)

  • 1986

    Erste Austragung Internationaler Rollstuhl-Marathon in Schenkon (LU)

  • 1993

    Gründung von «Swiss Paralympic»

  • 1995

    Erste Weltmeisterschaft Rollstuhl-Rugby in Nottwil

  • 1995

    Eröffnung Zentrum für Hindernisfreies Bauen in Muhen (AG)

  • 2001

    Erste Europameisterschaft Rollstuhl-Leichtathletik in Nottwil

  • 2006

    Gründung der ESCIF (European Spinal Cord Injury Federation)

  • 2009

    Aufbau Geschäftsbereich Lebensberatung

  • 2010

    Auszeichnung «Recognised Business Excellence****» durch EFQM (European Foundation for Quality Management)

  • 2013

     Aufbau Fachbereich «Angewandter Wissenstransfer», Kooperationsvertrag mit der Universität Luzern

  • 2014

    SPV nimmt Einsitz in «Integration Handicap»

  • 2015

    UCI Weltmeisterschaft Para-cycling in Nottwil

Weitere Informationen

1977

Erste Ausgabe des Gönnermagazins Paraplegie

Das Magazin Paraplegie erscheint viermal jährlich.

1975

Gründung Schweizer Paraplegiker-Stiftung

Ende der 1960-er Jahre: Guido A. Zäch ist Assistenzarzt im damaligen Schweizerischen Paraplegikerzentrum (heute REHAB) Basel, das er später, 1973 bis 1989, als Chefarzt leitet. Täglich sieht der junge Arzt die unwürdige Situation von Querschnittgelähmten. Er will ihre Behandlung in neue Bahnen lenken. Was daraus entsteht, ist Geschichte; die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS).

Wenig medizinisch-therapeutische Angebote und spärliche individuelle Behandlung sowie hohe Todesraten und Ignoranz gegenüber Betroffenen – damals ein Normalfall. Frühestens nach einem Jahr war die Rückkehr in den Alltag möglich. Aus Versicherungsgründen. Menschen im Rollstuhl – Menschen am Rand der Gesellschaft. Sozialfälle eben.

«Mein Name ist Zäch und ich bin es auch!»

Guido A. Zäch

Eine Vision mit Potenzial

Behörden und Vorgesetzte wollten den Ist-Zustand wahren. So brütete Dr. Zäch über Ideen, um selber etwas zu ändern.

Er gründete mit seinem eigenen Geld eine Stiftung. Ein gemeinnütziges Werk, dessen Fundament eine Gönner-Vereinigung ist.

Das Prinzip lautete: «Solidarität = Gegenleistung für Eigenleistung».

Jedes einzahlende Mitglied erhielt im Fall einer unfallbedingten Querschnittlähmung ein Sofort-Unterstützungsbeitrag. Zusätzlich wurden Gelder zur Hilfe für schwer getroffene Mitmenschen bereitgestellt. Ein spezielles Vorsorgeangebot mit Erfolgspotenzial. Weniger als ein Jahr nach der Gründung umfasste die damals noch von Hand geführte Mitgliederkartei die Namen von 50 000 Personen.

Ohne finanzielle Mittel geht es nicht

Bei der Mittelbeschaffung war Kreativität und hohes Engagement der Gründer gefragt:

  • Abendliche Touren mit dem Diaprojektor bei Samariter- und Frauenvereinen
  • Verkauf von Agenden, Bade- und Seidentüchern, Kalendern, Uhren oder Taschenlampen
  • Verkauf handgefertigter Teddybären im Rollstuhl
  • Verkauf von Briefkuverts mit Sonder- und Ersttagsstempeln
  • Benefizanlässe wie das Adventskonzert, an dem den Besuchern wärmstens die «kleine Papiersammlung am Ausgang» empfohlen wurde

Auch Mitmenschen zeigten Initiative; Schüler verkauften selbst gemachtes Weihnachtsgebäck. Formel-1-Rennfahrer oder Schwinger veranstalteten Skirennen zugunsten Querschnittgelähmter und, und, und.

Innert einem Vierteljahrhundert erlangte die Schweizer Paraplegiker-Stiftung einen hohen Bekanntheitsgrad und hohe Glaubwürdigkeit. Sie belegt seither einen Dauer-Spitzenplatz unter den nationalen Hilfswerken. Heute ist sie die zweitgrösste Stiftung der Schweiz und zählt ca. 1.8 Mio. Mitglieder.

«Wie Guido A. Zäch und seine Nachfolger seit vielen Jahren die Vision einer ganzheitlichen Behandlung und Wiedereingliederung von Querschnittgelähmten umsetzen, verdient im In- und Ausland höchste Anerkennung.»

Dr. Markus Dürr, alt Präsident GDK (Gesundheitsdirektoren-konferenz)

Markus Dürr, alt Präsident GDK

Umfassende Unterstützung

Die Stiftungsurkunde hielt fest, in Härtefällen alle Menschen mit Querschnittlähmung in der Schweiz sowie entsprechende Institutionen zu unterstützen. Die Folge: Im Sekretariat trafen unzählige Gesuche für die finanzielle Beteiligung an der Beschaffung von Hilfsmitteln, an Umbauten von Fahrzeugen, Wohnungen oder Büros ein. Die von der SPS meist grosszügig erfüllten Verpflichtungen umfassten jedoch noch viel mehr:

Sie übernahm Pflegekosten, die von Versicherungen nicht abgegolten wurden, veröffentlichte Fachliteratur, organisierte Tagungen, lancierte spezielle Projekte für Betroffene sowie Weiterbildungsanlässe für Ärzte und medizinisches Fachpersonal.

 

Ende der Pionierära

Mitten in eine gedeihliche Periode platzte ein aufreibender Rechtstreit. Er beschäftigte Exponenten der SPS, Gerichte, Anwälte sowie Medien sehr lange und beendete die Pionierära von Guido A. Zäch nach fast 33 Jahren. Eine neue Führungsmannschaft beabsichtigte danach, das Unternehmen zu modernisieren. Reformbedarf gab es ohne Zweifel. Doch wurde übereifrig zu viel aufs Mal verordnet und unerbittlich aufs Tempo gedrückt. Beides führte zu einer Unwucht im eng verzahnten Räderwerk der Schweizer Paraplegiker-Gruppe (SPG) und brachte die ambitiöse Übung zum Scheitern. Durch deren Abbruch übernahm zum ersten Mal ein Betroffener das Amt des Stiftungsratspräsidenten. Es gelang ihm allmählich, wieder Ruhe und Ordnung in den Alltag und die SPG zurück in die Spur zu bringen.

 

«Hochqualifizierte, begeisterte Mitarbeitende leisten in Nottwil täglich hervorragende Arbeit zugunsten von Menschen mit Querschnittlähmung und anderen Wirbelsäulenverletzungen oder -erkrankungen. Meine Anerkennung!»

Konrad Graber, Ständerat Kanton Luzern

Weitblick, Zuversicht und ständige Bewegung sind zentrale Bestandteile der SPG. Sie ist zu einer unübersehbaren Grösse im nationalen Gesundheitswesen, unter den gemeinnützigen Institutionen wie auch in der Unternehmenslandschaft Zentralschweiz geworden.

Meilensteine

  • 1975

    Gründung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS)

  • 1977

    Erste Ausgabe des Magazins «Paraplegie»

  • 1978

    Gründungs- und erste Mitglieder-Versammlung der Gönner-Vereinigung

  • 1979

    Einführung des Unterstützungsbeitrages für Mitglieder der Gönner-Vereinigung

  • 1980
  • 1982

    Gründung der Schweizerischen Stiftung für elektronische Hilfsmittel (FST)

  • 1994

    Gründung der Orthotec AG

  • 1998

    Erste Durchführung der Fachmesse «Rollivision»

  • 1999

    Gründung der Paramobil AG

  • 2002

    Rücktritt von Guido A. Zäch als Präsident der Gönner-Vereinigung

  • 2003

    Gründung des Schweizer Instituts für Rettungsmedizin (SIRMED)

  • 2003

    Gründung des Vereins ParaHelp (heute ParaHelp AG)

  • 2003

    Spatenstich zum Bau des Guido A. Zäch Instituts (GZI)

  • 2005

    Einweihung und Eröffnung des Guido A. Zäch Instituts (GZI)

  • 2007

    Rücktritt von Guido A. Zäch als Präsident des Stiftungsrates

  • 2012

    Erwerb des Hotels Sempachersee (HSS)

  • 2013

    Gründung der AWONO AG für altersgerechtes und hindernisfreies Wohnen in Nottwil

  • 2015

    Beginn der Bauarbeiten zu den Erweiterungsbauten des SPZ