Michael Knoepfle SPZ

«Ich fühlte mich im Paraplegiker-Zentrum sehr gut aufgehoben.»

Nach einem Sportunfall musste Michael Knöpfle seine verantwortungsvolle Anstellung aufgeben und fand eine neue Aufgabe.

Mit einem zertrümmerten Rückenwirbel nach einem Sportunfall musste Michael Knöpfle seine verantwortungsvolle Anstellung aufgeben. Sein Berufscoach in Nottwil fand für ihn eine neue Aufgabe, die der Baufachmann als «Volltreffer» bezeichnet.

 

Text: Philipp Dreyer
Bilder: Walter Eggenberger

 

Sein kräftiger Händedruck lässt erahnen, dass Michael Knöpfle weiss, was anpacken heisst. Bis zu seinem Unfall im September 2014 war der heute 57-Jährige für verschiedene Baufirmen tätig. Er arbeitete sich hoch bis zum Montageleiter im Innenausbau. «Ich war mein Leben lang ein Chrampfer», erzählt er und manövriert geschickt seinen Rollstuhl durch die moderne Attikawohnung, die über einen eigenen Lift und eine riesige Dachterrasse verfügt. Seit 2016 lebt er mit seiner Freundin im schaffhausischen Neunkirch. Wären da nicht das behindertengerechte Badezimmer und die etwas tiefer liegende Küchenanrichte, man würde nicht vermuten, dass hier ein Mensch mit einer Beeinträchtigung lebt. Der Paraplegiker Michael Knöpfle ist vom Bauchnabel abwärts gelähmt.

Luftwalze in Südfrankreich

Nie hätte er sich vorstellen können, dass ihm, dem erfahrenen Gleitschirmflieger, der fast dreissig Jahre lang durch die Lüfte schwebte, ein solch gravierender Unfall widerfahren würde. Der Einschnitt in sein Leben geschah in Südfrankreich. Beim Endanflug überraschte ihn kurz vor der Landung eine Luftwalze, ausgelöst durch Winde aus verschiedenen Richtungen, und verursachte den Absturz aus zehn Metern Höhe. «Ich versuchte aufzustehen, aber klappte wieder zusammen. Meine Beine waren wie weggebrochen », erinnert sich Knöpfle. Die Ärzte sagten kurz nach der Operation, dass er nie mehr laufen könne. «Das zu hören war für mich ein Schock. Doch ich habe schnell realisiert, dass ich meine neue Situation akzeptieren und mein früheres Leben hinter mir lassen muss.» Nach zehn Tagen im Spital in Südfrankreich wurde er mit der Rega ans Schweizer Paraplegiker- Zentrum (SPZ) in Nottwil verlegt.

 

«Das zu hören war für mich ein Schock. Doch ich habe schnell realisiert, dass ich meine neue Situation akzeptieren und mein früheres Leben hinter mir lassen muss.»

Die sechsmonatige Rehabilitation in Nottwil lobt Knöpfle besonders: «Ich fühlte mich am SPZ sehr gut aufgehoben und bekam wenn nötig rund um die Uhr eine Betreuung.» Egal was passiere, immer sei eine Fachperson für einen da.  Bereits während der Rehabilitation sei er gefragt worden, ob er sich frühpensionieren lassen möchte, erinnert sich Knöpfle. «Das kam für mich aber nicht infrage, denn ich wollte arbeiten. Früher habe ich immer Vollgas gegeben.» Umgehend nahm er am SPZ die Berufs- und Laufbahnberatung von ParaWork in Anspruch.

 

Michael Smilestone AG
Michael Smilestone AG

Befriedigung am Arbeitsplatz

Berufscoach Martin Senn, der selber im Rollstuhl sitzt, hat mit Michael Knöpfle eine individuelle Lösung erarbeitet. Beim spezifischen Berufstraining in Nottwil machte sich Knöpfle dank seinem guten Vorstellungsvermögen mit viel Begeisterung daran, einen 3D-Drucker zu bauen. «Als Montageleiter hatte ich von Computern damals wenig Ahnung», erinnert er sich. Doch dank raschem Umdenken und seiner grossen Offenheit kam die Zusammenarbeit mit der Vermittlung mitschaffe.ch zustande, wo er sein grosses Fachwissen und seine neu erworbenen Kenntnisse einbringen konnte. Das Unternehmen vermittelt an Menschen mit Behinderungen Jobs im ersten Arbeitsmarkt. Beim Gespräch fällt der Name der Smilestones AG in Neuhausen am Rheinfall. Das Start-up baut die grösste Miniaturwelt der Schweiz auf einer Fläche von sechs Tennisplätzen. Seinen Job bezeichnet er als Volltreffer: «Früher habe ich Häuser gebaut, heute baue ich Modellhäuschen. So bleibe ich der Baubranche treu.»

 

«Da bekam ich schon etwas den ‹Morelli›»

Grosse Hilfe: Gönnerunterstützung

Kurz vor seinem Unfall hat Michael Knöpfle mit viel Herzblut sein knapp dreihundertjähriges Bauernhaus in Beringen umgebaut und vollständig saniert. «Das war mein Traumhaus.» Als er im Frühling 2015 mit zwei Ergotherapeutinnen aus Nottwil sein bezugsbereites Haus besichtigt, wird rasch klar: Hier wird er nie wohnen können, das Treppenhaus ist zu eng für einen Rollstuhl. Die Nachricht ist wie ein Schlag ins Gesicht: «Da bekam ich schon etwas den ‹Morelli›», sagt er über diesen Moment. Eine grosse Hilfe ist, dass seine Freundin auch nach dem Unfall zu hundert Prozent hinter ihm steht. Ihr verdankt er, dass beide seit 2012 Mitglied der Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung sind. «Wir machten viel Sport und meine Freundin meinte, dass auch beim Skifahren jemand mit einem zusammenprallen kann.» Dank seiner Mitgliedschaft hatte Knöpfle damals Anspruch auf 200 000 Franken Gönnerunterstützung. Damit konnte er seine neue Wohnung mitfinanzieren. 

 

Michael Knöpfle Küche
Michael Knöpfle Balkon

Unabhängig bleiben

Was das Schwierigste in seinem «zweiten» Leben ist? Er nennt: Nicht laufen und stehen zu können, das Darm-Blasen-Management und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Am meisten vermisst Michael Knöpfle jedoch, dass er Menschen nicht mehr helfen kann. «Früher haben mich Leute zum Beispiel beim Zügeln oder beim Umbau ihres Hauses um Hilfe gebeten. Heute bin ich derjenige, der um Hilfe fragen muss. Ich bin zum Bittsteller geworden.» Nur schwer gewöhnen kann er sich auch an den Umstand, dass er im Rollstuhl nie mit den Menschen auf Augenhöhe sei und stets nach oben schauen müsse, wie ein Kind. Letzten Sommer hat er sich beim Grillieren eine Verbrennung am Unterschenkel zugezogen. «Ich habe es überhaupt nicht gemerkt, da ich in den Beinen ja nichts mehr spüre.» Eines ist für Michael Knöpfle klar: «Trotz meiner Behinderung Iasse ich mich nicht unterkriegen, denn ich hatte ja Glück im Unglück.»

 

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