Daniel's Blog

Oktober-Blog Daniel

Oktober 2021

Meine Weiterbildungen beim Verein Bildung für Unterstützte Kommunikation – buk

Der Verein Bildung für Unterstützte Kommunikation (buk) mit Sitz in Zug, bietet Modulschulungen im Bereich der Unterstützten Kommunikation und im Bereich Behinderung und Entwicklung an.

Seit vielen Jahren ist das buk Modul 22 und ab und an auch das buk Modul 1, fest in meinem Jahreskalender eingetragen. Ich bin sehr gerne am buk. Das buk Modul 22 - Elektronische Kommunikationshilfen, gebe ich besonders gerne, da ich fast nur da über mein Kodierungsystem Minspeak sprechen kann.  Kodierungsysteme? Minspeak? habt ihr bereits einmal etwas davon gehört? Auf den Kommunikationsgeräten gibt es viele verschiedene Kodierungsysteme, die mit Kombinationen arbeiten. Das Ziel von Kodierungssystemen ist, die Anzahl Tastenanschläge pro Wort zu minimieren, um Zeit zu sparen.

Minspeak, das Kodierungssystem, welches ich nutze, arbeitet mit Icons (Bildkombinationen).

Das buk Modul 22 gebe ich gerne zusammen mit meiner Arbeitskollegin Susanna Berner. Susanna ist schon seit vielen Jahren meine Beraterin bei der Active. Im buk ergänzen wir uns hervorragend. Manchmal «zünden» wir uns auch gegenseitig an. Dies könnte etwa so klingen:

Ich: «Susanna, kennst du oder ich Minspeak besser?» Oder Susanna: «Dani, speichere einmal das Wort ab, damit du schneller bist!»

Susanna, du hast so etwas von recht, trotzdem wäre es besser, wenn du nichts sagen würdest. 

«Durch diese Erfahrung sah ich, dass ich auch spontan eine Weiterbildung geben kann, wenn es sein sollte.»

Die Vorbereitungen gehen mittlerweile sehr gut. Wir schreiben vor der Modulschulung zusammen per E-Mail und besprechen was wir machen. Dann bereite ich alles vor. Beide wissen genau was zu tun ist.

Vor ein paar Wochen bekam ich eines Morgens einen Anruf vom buk mit der Frage, ob ich am selben Nachmittag ein Teil des buk Moduls 1 - Einführung Unterstützte Kommunikation, geben würde. Dieses Modul schule ich schon lange nicht mehr. Ganz schnell habe ich mich in den Modulteil eingelesen, kratzte alles was ich auf meinem Talker hatte und mit diesem Modulteil zutun hat zusammen und machte mich auf den Weg nach Zug. Auch wenn bei dieser Präsentation nicht alles so lief, wie ich es gerne gehabt hätte, hat es mir gutgetan. Durch diese Erfahrung sah ich, dass ich auch spontan eine Weiterbildung geben kann, wenn es sein sollte.

Ich danke dem Verein buk für die tollen Modulaufträge, die mir sehr viel Spass machen und hoffe, dass ich noch bei ganz vielen mitwirken darf.

Über den Autor

Daniel Rickenbacher

Hallo zusammen

Mein Name ist Daniel Rickenbacher und bin der Autor dieses Blogs. Hier berichte ich regelmässig aus meinem nicht ganz alltäglichen Alltag. Ich wurde 1993 geboren und lebe aufgrund eines Sauerstoffmangels seit meiner Geburt mit einer Cerebral Parese (CP). Aufgewachsen in Illgau (Kanton Schwyz), wohne ich heute in meiner ersten eigenen Wohnung in Luzern. Die Selbstbestimmung und die Selbständigkeit sind in meinem Alltag nicht selbstverständlich. Doch dafür kämpfe ich, Tag für Tag.

«Ich lebe Selbstbestimmung bis zur Grenze meiner Behinderung.»

Vergangene Blogs

  • Genauso wie mein Kommunikationsgerät für mich nicht nur ein Computer ist, ist mein Elektrorollstuhl nicht nur eine Maschine. Bei mir hängt fast alles, das ich selbständig machen kann, mit meinem Elektrorollstuhl zusammen: Aufstehen, anziehen, transferieren, mich fortbewegen – ja, sogar Kaffee trinken und arbeiten. Deshalb habe ich zu meinem Elektrorollstuhl eine spezielle Bindung.

    Mitte Juli als das Hochwasser in Luzern war, musste mir wieder einmal so richtig bewusstwerden, wie viel in meinem Leben von meinem Elektrorollstuhl abhängt. Auf dem Weg zum Bahnhof Luzern fuhr ich durch das Hochwasser. Ich konnte danach noch 20 Minuten bis zum Bahnhof weiterfahren, danach ging nichts mehr und ich wusste, was dies bedeutete: Wasserschaden. Ohne Elektrorollstuhl kann ich mich nicht fortbewegen, keine Transfers machen, mich nicht umziehen - ja, ich kann mir ohne Elektrorollstuhl nicht einmal einen Kaffee machen. Deshalb musste ich am selben Abend noch zu meinen Eltern nach Illgau.

    «Liebes Orthotec-Team, ich danke euch von Herzen, dass ihr mir und vielen Menschen mit Beeinträchtigungen Mobilität ermöglicht.»

    Als mir am nächsten Tag die Firma Orthotec mitteilte, dass der Schaden nicht allzu schlimm sei und ich meinen Elektrorollstuhl in den nächsten Tagen wieder bekommen würde, fiel mir ein schwerer Stein vom Herzen und ich konnte das Wochenende bei meiner Familie richtig geniessen.

    Orthotec, mit Sitz in Nottwil ist (genau wie Active Communication) ein Tochterunternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Die Orthotec setzt sich für die Bewegungsfreiheit von Menschen mit Querschnittslähmungen und ähnlichen Einschränkungen ein. Elektrorollstühle, Handrollstühle, Fahrräder, Gehhilfen, Handbikes, Autoumbauten und noch vieles mehr bieten sie an. Jedes Hilfsmittel wird individuell auf den Kunden zugeschnitten, so auch mein Elektrorollstuhl. Ich bin sehr zufrieden und glücklich, dass ich Kunde der Orthotec sein darf.

    Es freut mich besonders, dass ich mit Markus Anderhub ein Interview führen durfte. Markus hat mich - und damals eher noch meine Eltern - bereits beraten, als ich noch nicht einmal in den Kindergarten ging.

     

    Interview mit Markus Anderhub

    Berater techn. Aussendienst Rehatechnik, Orthotec Nottwil

     

    Markus, stellst du dich kurz vor?

    Mein Name ist Markus Anderhub und ich bin 57 Jahre alt. Zusammen mit vier Geschwistern bin ich auf einem Bauernhof in der Nähe von Luzern aufgewachsen. Ich hatte mit 19 Jahren einen folgenschweren Motorrad-Unfall mit einer bleibenden inkompletten Querschnittslähmung im Lendenbereich. Ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Leben total verändert und nun fahre ich mit dem Rollstuhl rollend durch das neu geschenkte zweite Leben. Ich habe mich schon während meiner Rehabilitations-Zeit im Paraplegiker-Zentrum in Basel 1983 in den Rollstuhlsport verliebt, insbesondere Rollstuhl-Basketball hat mich sehr fasziniert. Mit viel Geschick den Rollstuhl anzutreiben und den Basketball geschickt in den Korb zu werfen. 16 Jahre habe ich in der Nationalmannschaft in ganz Europa Turniere gespielt. Auch in verschiedenen Rollstuhlklubs CH-Meisterschaften bestritten und dies mit viel Leidenschaft. Auch andere Rollstuhl-Sportarten, wie Rennrollstuhl-Marathons und vieles mehr waren ein Teil meiner über 30-jährigen Sportkarriere. Meine erste Berufsausbildung als Blasinstrumenten-Reparateur habe ich immer noch in guter Erinnerung. Diesen Beruf habe ich 7 Jahre ausgeübt. Nach meinem 4-monatigen Sprachaufenthalt 1992 in San Diego USA, entschied ich mich, eine neue berufliche Herausforderung in Luzern als Reha-Fachmann im Kinder-Bereich anzunehmen. Ich bin im Aussendienst unterwegs und mache diesen Job schon über 29 Jahre. Seit über drei Jahren arbeite ich bei der Firma Orthotec in Nottwil. Für unsere Kundschaft sind wir stets bemüht, Hand in Hand interne Lösungen zu suchen, um eine gute Versorgung zu gewährleisten.

    Was ist deine Arbeit bei Orthotec?

    Mein Beruf als Reha-Fach-Techniker im Aussendienst umfasst Hilfsmittel-Beratungen, wie auch Hilfsmittel-Anpassungen sowie Notfall-Reparaturen für unsere Kundschaft vor Ort zu leisten.

    Warum machst du diesen Job?

    Es fällt mir bestimmt etwas leichter mit unseren Kunden auf Augenhöhe zu sein, um ein modernes und gut angepasstes Hilfsmittel auszuwählen, da ich selbst im Rollstuhl sitze.

    Wie hast du deine Arbeitsintegration erlebt?

    Damals 1984 war alles noch viel beschwerlicher und ich musste richtiggehend darum kämpfen, als Rollifahrer in der freien Marktwirtschaft eine gute Lehrstelle zu finden. Ich habe glücklicherweise eine 4-jährige Ausbildung als Blasinstrumenten-Reparateur absolviert und war in der damaligen Firma gut akzeptiert, integriert und unterstützt worden.

    Was macht Orthotec alles? Für was steht Orthotec?

    Orthotec AG ist eine Tochtergesellschaft der Schweizer Paraplegiker-Stiftung Nottwil. Orthotec steht für Qualität und ein umfassendes Hilfsmittel-Angebot für unsere Kunden. Orthotec deckt einen grossen Bereich in der Mobilität für Personen mit körperlicher Behinderung ab: Fahrzeugumbau, Rehabilitations-Technik, Rollstuhl- und Hilfsmittel-Beratung, Reparaturen und Sonderbau, Orthopädie-Technik, Sitzschalenbau, Orthetik, Prothetik und Bandagie, Kontinenz und Alltagshilfen sowie Rollstuhlsport (Sportgeräte-Verleih).

    Wie kannst du deine jahrelange Berufserfahrung und deine Erfahrung als Selbstbetroffener ins Geschäft einbringen?

    Durch meinen grossen Erfahrungsschatz als Reha-Techniker (mittlerweile fast 30 Jahre in der Branche) und die langjährigen Kontakte mit Hilfsmittel-Lieferanten, Reha-Firmen, Ärzten, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten sowie in verschiedenen Einrichtungen, wie Spitäler, Kinderheimen, Schulen für körperlich eingeschränkte Personen und Altersheimen, kann ich dies gut und professionell einbringen.

    Wir haben uns kennengelernt als ich etwa vier Jahre jung war. Wie hast du meine Entwicklung und mein Erwachsenwerden miterlebt?

    Daniel ich habe dich immer als sehr neugierigen, offenen, lebensfrohen und lustigen jungen Kerl erlebt. Auch deine Familie hat dich immer wertvoll und wohlwollend unterstützt bei der Anschaffung deiner Hilfsmittel. Du konntest deine Wünsche genau und offen darlegen, trotz der schwierigen Sprachkommunikation. Du hast dich aber mit deinem Sprachcomputer immer gut verständigen können und das hat mich sehr beeindruckt und mir imponiert. Danke für deine tolle Kameradschaft.

    Was kommt mit der fortlaufenden Digitalisierung noch auf die Firma Orthotec und auf deine Arbeit zu?

    Auch in unserer Branche ist die Digitalisierung schon länger angekommen. Bei den Elektrorollstühlen sind die Fahrsteuerungen mit den neuen Medien mittlerweile gut vernetzt. Neue Augen- und Brillensteuerungen sind derzeit auf dem Markt und es werden viele neue Technologien in Zukunft das Leben der Elektro-Rollifahrern vereinfachen. Auch die 3D-Drucker halten schon länger Einzug, besonders im Orthopädie- und Sitzschalen-Bereich. Eine gute Technologie, welche viele neue Ideen nun hervorbringt.

    Was sind deine Hobbys?

    Meine Lieblings-Aktivitäten sind gut kochen, jassen, tanzen, Ski und Quad fahren und Fitness.

    Was möchtest du noch sagen?

    Dieser Beruf erfüllt mich jeden Tag aufs Neue mit viel Freude und Genugtuung bei der Arbeit. Eben auch gerade wie mit dir Daniel sind solche freundschaftlichen Begegnungen für mich sehr wertvoll. Daniel bleib so wie du bist und ein grosses Vorbild in unserer Gesellschaft. Bleib gesund!

    Markus, ich danke dir viel Mal für das Interview!

  • Heute kann ich mir ein Leben ohne Kommunikationsgerät nicht vorstellen. Dies war jedoch nicht immer so. Wenn ich jetzt zurückschaue, habe ich viel zu spät begonnen mit einem Talker zu arbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass meine Kollegen und ich in der Primarschule viel Spass damit gehabt hätten. Wahrscheinlich hätte ich auch früher und leichter ein gutes Deutschverständnis aufgebaut

    «Als ich mit 17 Jahren meinen ersten Talker bekam, ging für mich eine neue Welt auf.»

    Heute kann ich hauptsächlich dank meinem Kommunikationsgerät ein aussergewöhnlich gewöhnliches Leben führen. Immer häufiger bin ich unterwegs und gehe mit dem Talker unter die Leute. Nun habe ich in Luzern sogar meine Stammbar gefunden. Im Januar 2021 bekam ich Nachbarn, die in der Stadt eine eigene Bar besitzen. Dank meinem Kommunikationsgerät kamen wir in Kontakt. Wir lernten uns etwas besser kennen und sie erzählten mir, dass sie eine rollstuhlgängige Bar besitzen. Wie cool ist das denn?! Heute gehe ich oft in diese Bar und kann dort und an allen anderen Orten, an denen ich unterwegs bin, dank meinem Kommunikationsgerät soziale Kontakte knüpfen. Ich kann allein unterwegs sein und Inklusion leben.

    Unterstützte Kommunikation ist relevant in jedem Alter

    Am 8. September 2021 findet der Digitaltag UK statt. Am Digitaltag UK werden die Arbeit und Umsetzungsmöglichkeiten von Fachpersonen aus allen Lebensbereichen von UK-Nutzenden vorgestellt. Die Teilnehmenden erhalten praktische Tipps und Einblicke in den UK-Alltag. Der Digitaltag richtet sich an Fachpersonen, Institutionen, Angehörige und UK-Nutzende.

    Es gibt noch freie Plätze – anmelden lohnt sich!

    Ich selbst bin am Digitaltag bei der Diskussionsrunde mit dabei und durfte beim Video-Portrait mitwirken. Hierfür hat mich Jonas (unser Video-Profi) im Büro in Steinhausen und Zuhause besucht. Einen ganzen Nachmittag haben wir gefilmt. Zuerst wurde ich interviewt – ich durfte spannende Fragen beantworten, die ich zuvor vorbereiten konnte. Nach dem Interview drehten wir einige Szenen an meinem Arbeitsplatz. Anschliessend machten wir uns auf den Heimweg, holten uns unterwegs etwas zu essen und filmten am Abend noch am See die schöne Abendstimmung. Für mich ging ein schöner und langer Arbeitstag zu Ende.

    Voller Spannung und Freude schaue ich auf den ersten Digitaltag. Ich hoffe, Du bist auch mit dabei!

    Rückblick Digitaltag UK

  • Unsere Kunden und Kundinnen sowie ihre Geschichten liegen uns am Herzen. Sie zeigen uns auf, was mit Digitalen Assistiven Technologien alles möglich werden kann und inspirieren uns, individuelle Lösungen zu finden.

    Ich durfte über Jan Cookman eine Kundengeschichte schreiben, die ich euch heute vorstellen möchte. Zuerst möchte ich euch aber erzählen, warum Jan mein Leben verändert hat und warum ich ihm auf diesem Weg danke sagen möchte.

    Als ich in der ersten Oberstufe war, hatte ich eine wegweisende Begegnung mit Jan. Wenn Menschen längere Zeit um mich sind, verstehen sie meine Mundartikulation. Da ich die Primarschule Illgau besuchte und Illgau ein kleines Dorf ist, haben mich meine Lehrerpersonen, Kollegen und Bekannte mehr oder weniger gut verstanden. So gut, dass nach meinem heutigen Empfinden eine einfache, unaussprechlich mühsame Buchstabentafel ausreichte. Warum also ein Kommunikationsgerät? Die Menschen, die mich verstehen mussten, verstanden mich ja und meine Kollegen hatten auch keinen Talker.

    «Jan hat mein Leben verändert und ich möchte ihm auf diesem Weg danke sagen.»

    Als ich in die Rodtegg kam, war dies nicht mehr so. Ich wurde nicht mehr so gut verstanden. Jedoch hatte ich die grosse Befürchtung, dass ich durch ein Kommunikationsgerät meine Mundartikulation verlieren würde. Nun kommt Jan in meine Geschichte. Jan kam mich einmal besuchen und ich sah, wie selbstbestimmt und selbständig er mit seinem Talker leben und kommunizieren konnte. Ab da an konnte ich mir vorstellen, ein Kommunikationsgerät zu haben. Da ich durch das Gerät Deutsch gelernt habe, wurde auch meine Mundartikulation bedeutend besser.

    Von ganzem Herzen danke ich Jan für die Begegnung, die mein Leben verändert hat. Ich freue mich, hier nun seine Geschichte erzählen zu dürfen.

    Viel Spass beim Lesen!

     

    Jan's Geschichte

    «Das Schreiben gehört zu meinen Leidenschaften.»

    Jan Cookman kommt ursprünglich aus dem Zürcher Oberland. Heute wohnt er in Reinach im Kanton Basel-Landschaft. Jan wurde am 04. Dezember 1990 geboren. Seit seiner Geburt lebt er mit einer Cerebral Parese (CP). Der junge Mann arbeitet im Wohn- und Bürozentrum Reinach (WBZ). Dort erledigt er diverse Schreibarbeiten und ist im Kreativatelier tätig. Jan ist bekannt für seine humorvolle Art – für Spässe und Witze ist er immer zu haben.

    In seiner Freizeit wird es Jan nicht langweilig. Abends oder an den Wochenenden trifft er sich viel mit seiner Freundin Julia. Zur Entspannung hört Jan gerne Hörbücher, am liebsten Krimiromane. Zudem schreibt er selbst zu verschiedenen Themen. Seine Texte sind tiefgründig und haben immer ein wenig Humor. Jan ist gerne und oft in der Natur – im Sommer mit seinem Liegerad. An seinem freien Vormittag ist er oft bis zu zwei Stunden mit seinem Liegerad unterwegs. Auch das Schwimmen bereitet Jan grosse Freude. Im Winter mag er den Schnee und die Berge. Er liebt es, mit dem Skibob (Dualski) den Berg hinunterzusausen. Das gibt ihm ein unbeschreiblich schönes Gefühl von Freiheit.

    «Mein Kommunikationsgerät ist in meinem Alltag nicht wegzudenken, dank ihm kann ich einen eigenen YouTube-Kanal betreiben.»

    Das Schreiben ist einer seiner Lieblingsbeschäftigungen. Für Jan ist das eine Ausdrucksform, die er mit viel Leidenschaft pflegt. «Das Schreiben ist für mich eine Art Ventil. Es gibt mir Kraft und Halt», so Jan Cookman. Er spielt sogar mit dem Gedanken, selbst ein Buch zu schreiben.

    Daneben verbringt der junge Mann viel Zeit auf der Plattform YouTube. Dort sieht er sich gerne Videos an. Mit viel Freude stellt er seit April 2020 auch selbst YouTube-Videos her und unterhält einen eigenen Kanal mit interessanten und philosophisch angehauchten Beiträgen. Hierfür hat er sich ein Video-Schnittprogramm gekauft und von seinem Vater eine Kamera geschenkt bekommen. Nebst dem YouTube-Kanal betreibt Jan ausserdem eine eigene Website mit Infos über sich.

    Der Glaube an Gott ist Jan besonders wichtig und ein zentraler Punkt in seinem Leben. Dieses Thema fliesst deshalb auch in vielen seiner Beiträge mit ein.

    Jan nutzt Unterstützte Kommunikation seit seiner Kindheit

    Jan lebt seit Geburt ohne Lautsprache. Digitale Assistive Technologien begleiten ihn bereits seit dem Kindergarten. Seinen Weg mit Unterstützter Kommunikation hat Jan damals mit einfachen Geräten und einer Kommunikationstafel gestartet. Heute kommuniziert er mit der Wortstrategie 144, in welcher die Wörter nach dem Minspeak-Kodierungssystem angeordnet sind. Sein Gerät, der Accent 1400, ist für ihn unabdingbar geworden. Dank diesem kann er sich klar und verständlich ausdrücken. Zudem kann er sein Kommunikationshilfsmittel via Bluetooth mit dem Computer oder mit seinem Handy verbinden und den Accent als Steuer- oder Eingabegerät benutzen. Für die Zukunft wünscht sich Jan, dass er eine SIM-Karte direkt in seinen Accent einbauen kann. Dadurch könnte er zum Beispiel WhatsApp direkt auf dem Gerät nutzen.

    «Die Berater*innen von Active Communication sind sehr hilfsbereit und lösungsorientiert.»

    Jan ist mit seinem Hilfsmittel und seiner Active-Beraterin sehr zufrieden und schätzt den persönlichen Austausch. Dank seinem Kommunikationsgerät kann Jan frei kommunizieren – von einfachen Bedürfnissen bis hin zu ganzen Vorträgen – einkaufen gehen, Zug fahren, seiner Arbeit nachgehen und seine Freizeit gestalten. Das Gerät erleichtert ihm seinen Alltag merklich. Besonders glücklich macht es ihn, wenn er dank dem Talker in der Öffentlichkeit auch mit fremden Menschen ins Gespräch kommen und so neue Bekanntschaften knüpfen kann.

    Jan’s YouTube-Kanal «Tiefgang»

    Jan’s Website

  • Als ich in der dritten Oberstufe war, organisierte eine Ergotherapeutin der Rodtegg eine Tagung für die IV. Sie fragte mich, ob ich kurz etwas über meine Hilfsmittel sagen könnte. Zum Glück habe ich zugesagt, sonst wäre ich heute wahrscheinlich nicht da, wo ich jetzt bin.

    Voller Aufregung habe ich mein erstes Kurzreferat vorbereitet. Ich begann, über mich und meine Hilfsmittel zu schreiben. Was mein Deutsch und meine Expertise anging, waren die ersten Referate noch nicht einwandfrei. Ich fragte mich immer wieder: Wie kann ich meine Referate noch spannender machen? Wie kann ich die Aufmerksamkeit der Zuhörer*innen behalten? Was möchte ich mit diesem Referat bewirken? Was mache ich mit meiner Mimik, wenn der Talker spricht? Ich habe nie eine Referenten-Ausbildung gemacht und ich hatte auch keinen Coach. Ich wusste gar nicht, dass es eine Ausbildung hierfür gibt.

    Meine AC-Beraterin und heutige Arbeitskollegin, Susanna Berner, gab mir den Tipp, Notizbücher anzulegen. Dies habe ich direkt umgesetzt. Seither schreibe ich jeden Themenabschnitt eines Referats in ein eigenes Notizbuch. So kann ich je nach Thema und Ablauf eines Referats die Notizbücher mit den Themenabschnitten so zusammenstellen, dass es auf die gewünschte Weiterbildung passt. Oft schreibe ich auch die Notizbücher um oder schreibe komplett neue. Damit ich auch während den Themenabschnitten immer auf mein Publikum eingehen kann, arbeite ich mit der Funktion «Satz sprechen». Dies ist eine Taste, die ich drücken kann, wenn es Zeit ist, den nächsten Satz zu sagen. Meine PowerPoint-Präsentation stimme ich immer auf mein Referat ab. Während des Referats bediene ich die Präsentation, welche auf dem Notebook ist, selbständig über den Elektrorollstuhl-Joystick. Dieser ist via Bluetooth mit meinem Notebook verbunden und wird zu meiner PC-Maus.

    «Zum Glück habe ich zugesagt, sonst wäre ich heute wahrscheinlich nicht da, wo ich jetzt bin.»

    Das erste Referat war für mich nicht nur ein Referat, nein, es war der Startschuss meiner Karriere, die bis heute anhält. Es machte mir immer mehr Spass, da ich spürte, dass ich etwas sagen und damit Dinge bewirken kann. Deshalb habe ich mich für die Mister Handicap Wahl 2014, die Wahl der Botschafter für Menschen mit einer Behinderung, beworben. Tatsächlich wurde ich Kandidat und durfte an der Endrunde der Wahl im KKL Luzern teilnehmen. Das Wahl-Wochenende und das Vorbereitungsjahr sind für mich unvergesslich. Ich durfte zusammen mit den anderen Kandidaten sehr viel lernen. Zum Beispiel lernten wir, wie man mit Medien umgeht, was ein guter Auftritt ausmacht oder was man sagen sollten und was besser nicht. Was man sagen kann ohne etwas zu sagen, welche Kleider man anziehen sollte, damit es im Fernsehen gut aussieht und noch vieles mehr. Im Kinderzoo Rapperswil fand das grosse Fotoshooting statt. Sogar Glanz & Gloria war da. Es war der offizielle Start der Kandidatur.

    Nach der Kandidatur gab ich mir ein Jahr Zeit. In diesem Jahr machte ich mir immer wieder Gedanken, wie ich meine Kandidatur als Sprungbrett nutzen könnte, damit ich Botschafter sein kann und somit die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen und die Unterstützte Kommunikation fördern kann. Ende 2015 habe ich mir eine Webseite erstellt. Ab diesem Zeitpunkt ging es so richtig los. Ab da an war ich in der ganzen Deutschschweiz und manchmal auch in der französischen Schweiz unterwegs. Ich wurde immer mehr gebucht. Seit 2018 darf ich als Botschafter für Active Communication unterwegs sein. Meine Botschafter-Arbeit wurde immer mehr. Mein Hobby wurde zu einem Teil meines Jobs. Damals arbeitete ich noch in der Rodtegg. Ich war so viel unterwegs, dass mir alles zusammen manchmal etwas zu viel wurde. Ich wusste jedoch, das ist mein Job. Dies war unter anderem ein Grund, weshalb ich die Rodtegg verlassen habe.

    Aktuell bin ich bei Active Communication im Marketing und als UK-Referent tätig. Die Arbeit als UK-Referent macht mir besonders Spass. Ich bin oft in Institutionen oder an Hochschulen unterwegs. Mehrmals jährlich bin ich bei den buk-Weiterbildungsmodulen als Referent tätig. Ausserdem wurde ich dieses Jahr eingeladen, an einem Video-Projekt mitzuarbeiten, welches als Roadshow an Regelschulen gezeigt wird.

    Ich freue mich, wenn wieder mehr Weiterbildungen und Projekte stattfinden können und ich wieder überall vor Ort mitwirken kann. Vielleicht bist du auch einmal dabei? - ich würde mich freuen.

  • Ganz ehrlich gesagt kann ich es heute manchmal noch nicht ganz fassen, dass ich bei Active Communication arbeiten darf. Das letzte Jahr verging wie im Flug, obwohl ich die meiste Zeit im HomeOffice war. Die Weiterbildungen, die ich so gerne gebe, fanden online statt oder fielen aus. Trotzdem hatte ich immer Arbeit und es wurde mir nie langweilig, was nicht selbstverständlich ist.

    Ich wurde so gefördert, wie ich schon seit längerer Zeit gefördert werden wollte. Ich durfte mein Hobby - mich für Menschen mit einer Beeinträchtigung einsetzen, Barrieren abbauen und mich für die Inklusion stark machen - zu meinem Beruf machen.

    Ich hätte fast meinen ersten Arbeits- und Einführungstag verpasst. Damals lebte ich wie ihr wisst wegen der Corona-Pandemie in Illgau bei meiner Familie. Dummerweise habe ich den Termin für das Online-Meeting vergessen. Zufällig war ich am Computer, als Fiore Capone anrief und mich fragte, ob ich nicht auch noch zu meiner Einführung kommen möchte. Schöner Moment, endlich bekomme ich meine Traumstelle und dann vergesse ich meinen ersten Arbeitstag - ups!

    Danach ging es aber nur noch aufwärts. Die ersten Wochen arbeitete ich von Zuhause aus. Ich musste mich zuerst an vieles gewöhnen. Es war für mich neu, dass ich arbeiten konnte, wann ich wollte. Ich durfte lernen, dass Active Communication mir das Vertrauen in meine Arbeit schenkt und mir die Verantwortung überlässt. Meine Arbeit wird geschätzt, was ich nicht als selbstverständlich anschaue. Ausserdem war ich es nicht gewohnt, dass ich immer etwas zu tun habe und alle Arbeiten sinnvoll sind.

    «Ich wurde so gefördert, wie ich schon seit längerer Zeit gefördert werden wollte.»

    Im letzten Blog habe ich über den Umgang mit Personen mit Handicap geschrieben. Für mich nimmt hier Active Communication eine Vorbildrolle ein. Wenn ich mit meinen Kollegen oder meinen Vorgesetzten spreche, ist mir nicht bewusst, dass ich eine Beeinträchtigung habe. Sie begegnen mir wie allen anderen Kollegen auch. Dieses Gefühl kenne ich von meiner Primarschulzeit in Illgau. Ich habe es sehr vermisst. Es geht nicht darum, dass man die Beeinträchtigung nicht mehr spüren darf. Ohne meine Beeinträchtigung hätte ich nicht den Job, den ich so liebe. Nein, es geht darum Inklusion zu leben, sein Leben zu leben. Liebe dein Leben, lebe dein Leben auf deine ganz persönliche Art und Weise.

    Liebe Leserinnen und Leser. Ich danke euch von Herzen, dass ihr mich durch das letzte Jahr begleitet habt.

    Ich freue mich sehr, dass ich mit Fiore Capone, dem Geschäftsführer der Active Communication ein Interview führen durfte.

     

    Interview mit Fiore Capone, Geschäftsführer Active Communication AG

     

    Fiore, stellst du dich kurz vor?

    Ich bin Fiore Capone, der Geschäftsführer und Gründer von Active Communication. Seit 25 Jahren bewegen Digitale Assistive Technologien meinen Berufsalltag.

    Wie lautet die Mission von Active Communication?

    Sie lautet: «Aussergewöhnlichen Menschen Gewöhnliches ermöglichen». Wir engagieren uns täglich mit Leidenschaft und Professionalität dafür, damit die Partizipation und Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen gefördert werden.

    Ich bin seit einem Jahr Mitarbeiter bei Active Communication. Wie hast du dieses Jahr und auch die Vorbereitung zu meiner Anstellung erlebt?

    Leider entspricht dein erstes Anstellungsjahr auch der Pandemiezeit, welche natürlich alles auf den Kopf gestellt hat. Die gemeinsame Zeit am Arbeitsplatz konnte kaum erlebt werden. Die Pandemie hat auch hier als Innovationsbeschleuniger funktioniert. Du bist ebenfalls – auch dank den technologischen Möglichkeiten – ins Homeoffice beordert worden und es hat funktioniert. Eben absolute Chancengleichheit und Gleichbehandlung! 😉

    Die Vorbereitung zu deiner Anstellung verlief grundsätzlich wie immer. Es herrschte grosse Vorfreude, denn ein langersehnter Wunsch von mir ging in Erfüllung. Wir haben uns sicherlich den einen oder anderen Gedanken mehr gemacht, denn wir wollten nichts «vergessen».

    Hattest du Bedenken, eine Arbeitsintegration zu machen und wenn ja, welche?

    Persönlich nicht. Im Team spürte man anfänglich gewisse «Unsicherheiten». Obwohl wir uns als Unternehmen für Menschen mit Beeinträchtigungen engagieren, waren nicht alle sicher, was dies denn konkret im alltäglichen Umgang bedeuten würde. Fragen, wie «Braucht er dann Pflegehilfe? Muss jemand von uns ihm beim Essen helfen?» standen im Raum. Ich denke, dies war damals absolut normal. Heute ist das alles kein Thema mehr. Oder Daniel?

    Daniel: Nein, dies ist kein Thema mehr. Für mich war immer klar, dass wenn ich viel Assistenz brauche, diese selbst organisiere, wenn dies Active Communication möchte. Alle von Active Communication sind jedoch sehr hilfsbereit. Auch wenn ich wieder mehr vor Ort bin, wird dies kein Thema mehr sein - ausserdem brauche ich heute nur noch wenig Pflegehilfe.

    Warum habt ihr mich eingestellt? Was bringe ich dem Unternehmen Active Communication?

    Weil wir überzeugt waren, dass du der richtige Kandidat mit den passenden Voraussetzungen und Fähigkeiten für die angedachten Aufgaben bist. Wie gesagt, es verlief nicht anders als bei einem anderen Rekrutierungsprozess.

    Niemand von uns kann «glaubwürdiger» den Nutzen von Digitalen Assistiven Technologien sowie von unserer Expertise aufzeigen. Du als Betroffener kannst die Vorteile, die Grenzen und auch die Verbesserungsmöglichkeiten aus erster Hand beurteilen und einbringen.

    Wir beide kennen uns schon ca. 10 Jahre. Hat dies bei meiner Arbeitsintegration eine Rolle gespielt?

    Nicht wirklich, denn im beruflichen Alltag haben wir beide nicht viele «Berührungspunkte».

    Was waren die Erwartungen meiner Arbeitsintegration? Haben sich diese Erwartungen erfüllt?

    Es ist immer wichtig, dass man die richtigen Personen am richtigen Ort beschäftigt. Dann resultiert automatisch eine Win-Win-Situation für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber. Dies ist hier absolut der Fall. Die gemeinsame Reise geht weiter und wir haben noch vieles vor mit dir!

    Wie läuft die Zusammenarbeit mit mitschaffe.ch? Warum braucht es mitschaffe.ch?

    Sehr gut. Als Arbeitgeber sind wir für die Zusammenarbeit dankbar. Mitschaffe.ch - sprich Thomas Bräm - kümmert sich um die arbeitsrechtlichen Belangen und federt für uns vieles ab. Wir haben mitschaffe.ch stets kooperativ und als kompetenten Ansprechpartner erlebt.

    Würdest du - wenn es passen würde - weitere Arbeitsintegrationen bei Active Communication unterstützen?

    Wenn wir der Überzeugung sind, dass der/die Bewerber*in die geeignete Person ist, absolut ja. Wir stellen keinen Menschen mit einer Beeinträchtigung als «Quotenbehinderten» ein. Wie gesagt, es geht darum, die richtigen Personen am richtigen Ort zu beschäftigen.

    Wo steht Active Communication in 10 Jahren?

    Wenn ich das nur wüsste (Lacher). Wir sehen uns als Schnittstellen-Experten zwischen der Technologie und den Menschen mit Beeinträchtigungen. Denn es gilt auch in Zukunft, den täglichen Einsatz und den Nutzen von Digitalen Assistiven Technologien für die Förderung von Partizipation und Selbstbestimmung voranzutreiben. Dafür engagieren wir uns täglich, auch in den kommenden 10 Jahren.

    Möchtest du noch etwas sagen?

    Nein, aber ich bedanke mich für das Interview und vor allem für dein Geleistetes. Dein Engagement und dein Wissen sind sehr wichtig für uns und unsere Kunden. Auf viele weitere gemeinsame Jahre. Bleib stets gesund!

     

    Fiore, ich danke dir für das Interview. Vielen Dank, dass ich an der Mission von Active Communication teilhaben und dafür arbeiten darf.

  • Wie begegnest du Menschen mit einer Beeinträchtigung? Wirst du unsicher und weisst nicht, wie du dich verhalten sollst? Oder macht es für dich keinen Unterschied, ob eine Beeinträchtigung da ist oder nicht?

    Ich habe schon sehr viele verschiedene Begegnungen erlebt. Grundsätzlich wäre die bevorzugte Begegnungsart so einfach, dass ich diesen Blog gar nicht schreiben müsste. Die wäre nämlich, dass du dir gar keine Gedanken machst, wie du Menschen mit einer Beeinträchtigung begegnest. Wir sind Menschen und möchten aus meiner Sicht keine Sonderbehandlung.

    Oft fragen die Menschen einander, ob ich allein unterwegs bin. «Das kann doch nicht sein, seine Begleitung ist sicher in der Nähe» sagen sie zueinander. Sie sprechen mich jedoch nicht an. Trotzdem gebe ich ihnen Antwort. Oft glauben sie es nicht, dass ich wirklich allein bin.

    Bitte frag nicht jemand anderen etwas über mich – vor mir. Vor allem nicht jemand, der mich ebenfalls nicht kennt. Wenn ich sage, dass ich allein bin und keine Hilfe brauche, dann nimm es bitte einfach an. Bitte verständige z.B. am Bahnhof nicht gleich die Polizei, weil du denkst, dass ich mich nicht mehr zurechtfinde, obwohl ich nur auf den Zug warte – das ist mir tatsächlich schon einmal passiert. Ganz toll!

    «Wenn wir sagen, dass wir keine Hilfe brauchen, dann brauchen wir keine Hilfe – danke.»

    Sprichst du Menschen, die du nicht kennst, mit «Sie» oder «Du» an? Machst du einen Unterschied, ob das Gegenüber eine Beeinträchtigung hat oder nicht? Menschen mit der Höflichkeitsform «Sie» anzusprechen hat etwas an Bedeutung verloren. Ich erlebe oft, dass mich Menschen einfach so mit der Du-Form ansprechen, während die Person nebenan oder meine Assistenzperson mit der Sie-Form angesprochen wird, obwohl mich die Person ebenfalls nicht kennt. Was soll das? Warum ist das so? Wenn du darauf eine vernünftige Antwort weisst, schreib mir bitte.

    Warum bekomme ich im Restaurant oft keine Menükarte? Soll ich von Luft leben? Liebe Kellner/innen, wenn ihr nicht wisst, ob die Person lesen kann oder überhaupt etwas essen möchte/kann, dann legt die Menükarte bitte einfach hin. Nein, nimmt bitte das Weinglas nicht einfach weg. Auch mit einer Beeinträchtigung kann man gerne ein Glas Wein trinken. Nachdem allen Gästen Wein eingeschenkt wurde, mein Glas noch immer leer ist (und ich auch nicht gefragt wurde) und der Kellner wieder verschwinden möchte, muss ich oft fragen «Darf ich bitte auch etwas Wein haben?»

    Stell dir bitte einmal folgende Situation vor:

    Du bist mit einer Assistenzperson unterwegs und triffst jemanden. Die fremde Person kommt mit deiner Assistenzperson ins Gespräch. Plötzlich sprechen die zwei über dich. Die fremde Person stellt deiner Assistenzperson Fragen über dich und du sitzt nebenan. Was würdest du denken? Das ist nicht so toll, findest du nicht? Ich kann dieses Gefühl nicht mit schönen, konformen Worten beschreiben, deshalb lasse ich es lieber sein!

    Die Begegnung mit Menschen mit Beeinträchtigungen musst du nicht lernen, lasse es einfach geschehen.

    Ein Lieblingsfilm von mir ist «Ziemlich beste Freunde». Ich habe im Kino geweint. Vielleicht ist er etwas überspitzt, jedoch spricht er mir aus dem Herzen. Für mich ist dieser Film nicht nur ein Film, ich lebe ihn Tag für Tag.

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  • Meine Hilfsmittel von Active Communication geben mir die Grundlage, damit ich selbstbestimmt leben kann. Ebenso mein Elektrorollstuhl der Firma Orthotec (ebenfalls ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung). Wenn ich unterwegs bin, sind oft Kinder - vor allem Jungs - so fasziniert, dass sie kaum mehr weiter gehen möchten. Diese Situationen nerven mich nicht, im Gegenteil: Ich finde sie schön und sehr wichtig. Zusammen mit ihren Eltern oder anderen Begleitpersonen kläre ich alle offenen Fragen. Es ergeben sich oft interessante Dialoge.

    «Meine Geräte helfen mir, meinen Alltag zu bewältigen. Dank ihnen kann ich selbstbestimmt leben.»

    Welche Hilfsmittel fahren immer mit mir mit und wofür brauche ich sie? Wenn Sie mich treffen würden, würde Sie von all meinen Hilfsmitteln wahrscheinlich zuerst mein Kommunikationsgerät faszinieren. Es hat ganz viele Icons, die ich zusammen kombinieren kann. Die Bildkombinationen ergeben dann Wörter, so kann ich ganze Sätze nur mit den Icons schreiben. Ich kann aber auch über das ABC schreiben.

    Menschen, die mich unterschätzen, fragen mich manchmal "Kannst du da immer etwas spielen?". Gerne antworte ich dann mit "Nein, das ist kein Spiel" und erkläre ausführlich, wofür ich meine Hilfsmittel brauche. Meine Antwort kommt dann meist unerwartet.

    Der Talker - das ist der Name für ein Kommunikationsgerät - kann für mich die geschriebenen Sätze laut wiedergeben. Die Talkerstimme kann ich selbst auswählen. Gleichzeitig ist der Talker auch meine Computer-Tastatur. Dies funktioniert mit einer Bluetooth-Verbindung. Genau wir die Verbindung mit meinem Elektrorollstuhl-Joystick, der zu meiner Computer-Maus wird. Dies ermöglicht mir, gute und im Zeitrahmen entsprechende Arbeiten auszuführen.

    Mein Smartphone ist für mich zusammen mit meinem HouseMate ein unverzichtbares Hilfsmittel. Haben Sie schon einmal etwas von einem Umfeld-Kontrollsystem gehört? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit. Mein Smartphone ist mit dem HouseMate verbunden. Das HouseMate ist auf dem Foto auf der rechten Seite zu sehen. Mit einem App kann ich auswählen, was ich ansteuern möchte und so zum Beispiel die Haustüren öffnen. Wenn es umgebaut und installiert ist, kann man sehr viel damit bedienen, wie Lifte, Lampen, Fenster, Storen usw. Das Smartphone sendet Bluetooth-Signale an das HouseMate. Das HouseMate wandelt diese Bluetooth-Signale in Infrarotsignale um und sendet diese an die Empfänger. Ohne das HouseMate könnte ich nicht selbständig in meiner Wohnung ein- und ausgehen, was für mich undenkbar ist. Mit dem Smartphone bediene ich auch Geräte, die mit einer App-Funktion ausgestattet sind wie zum Beispiel meine Kaffeemaschine. Ja, ich trinke Kaffee und zwar nicht zu knapp 😉. Meine Geräte helfen mir, meinen Alltag zu bewältigen. Dank ihnen kann ich selbstbestimmt leben.

    Von ganzem Herzen danke ich Active Communication und Orthotec. Was mein Elektrorollstuhl alles kann, was mir an ihm besonders wichtig ist und was die Orthotec alles macht, erzähle ich in einem späteren Blog.

  • Seit ich drei Monate alt bin, gehe ich in die Physiotherapie. Physiotherapie war für mich immer sehr wichtig. Als ich in Illgau zur Schule ging, fuhr mich meine Mutter zwei Mal pro Woche nach Brunnen zur Kinderphysiotherapie. Später besuchte ich auch in die Früherziehung, Ergotherapie und die Logopädie. Ich ging immer gerne in die Therapien, es war für mich nichts Spezielles. Stetig machte ich Fortschritte.

    «Ich kann mich auspowern und an meine Grenzen gehen - bis ich wortwörtlich am Boden bin.»

    Als ich etwa dreijährig war, bekam ich die erste Gehhilfe. In der Primarschule Illgau durfte ich mit der Gehhilfe in der Pause herumtollen und Völkerball spielen. Die Fächer Sport, Werken, Handarbeit und Fremdsprachen liess ich weg und besuchte dafür Therapie-Stunden. Meine Ergotherapeutin kam einige Male während den Therapie-Stunden mit mir und meinen Schulkollegen in die Werk-Lektionen. Dies war sehr schön, da dies wieder ein Schritt Richtung Inklusion war und ich bei meinen Kollegen sein durfte.

    Seit der zweiten Oberstufe ist Nadine Rufer meine Physiotherapeutin. Zwei Mal pro Woche darf ich zu ihr gehen. In der Physio gehen wir laufen, entweder gestützt oder auf dem Laufband. Gleichgewichtsübungen sind auch mit dabei. Natürlich auch der Seilzug für das Krafttraining. Ich kann mich auspowern und an meine Grenzen gehen - bis ich wortwörtlich am Boden bin. Das gibt mir Koordination und Selbstvertrauen für meinen Alltag. Vor allem auch für Situationen, in denen ich allein bin und etwas schiefläuft. Nadine berät mich und gibt mir Tipps, wie ich Dinge in meinem Alltag einfacher und energieeffizient gestalten kann. Physiotherapie ist für mich ein sehr wichtiger Baustein, damit ich selbstbestimmt leben und eine eigene Wohnung haben kann.

    Es freut mich sehr, dass ich mit meiner langjährigen Physiotherapeutin ein Interview führen durfte. Viel Spass beim Lesen!

    Interview mit Nadine Rufer, Teamleiterin Physiotherapie Bsc Rodtegg Luzern

     

    Nadine, würdest du dich kurz vorstellen?

    Ich bin Nadine Rufer, 36 Jahre alt und arbeite als Physiotherapeutin in der Stiftung Rodtegg. Ich wohne in Zürich und pendle täglich von und nach Luzern.

    Wie lange arbeitest du schon in der Rodtegg und in welcher Funktion?

    Seit August 2010 bin ich nun bereits fix in der Rodtegg angestellt. Dies nachdem ich 2009 mein zweitletztes Praktikum der Physiotherapie-Ausbildung im Zusatzmodul C in der Rodtegg absolvierte. Im Mai 2014 habe ich die Gruppenleitung übernommen und bin seit der Reorganisation der Therapie 2018 nun als Teamleiterin der Physiotherapie tätig.

    Warum hast du die Rodtegg als Arbeitsort gewählt und nicht eine Institution in Zürich, in deinem Wohnkanton?

    Die Rodtegg hat mir bereits zu Praktikumszeit sehr zugesagt - dies vom Klientel und dem Physio- und grossen Therapie-Team her. Auch die Atmosphäre im Haus und die Wertschätzung meiner Person und Arbeit haben mich zurückgeführt. Mir gefällt die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Infrastruktur der Therapie, die «Freiheiten» im gesteckten Rahmen. Es ist mir wichtig, dass mein langer Arbeitstag mich erfüllt, auch wenn dies vorher und nachher mehr Arbeitsweg bedeutet. Ich schätze zudem das System mit dem Vorarbeiten während den Schulwochen und dafür dem Kompensieren in den Schulferien. Dies ermöglicht mir Zeit für meine anderen Projekte.

    Warum wolltest du Physiotherapeutin werden?

    Sport resp. Bewegung hat mich mein Leben lang schon begleitet und erfüllt. So war ich anfänglich noch hin- und her gerissen zwischen einer eigenen Sportausbildung oder aber einer Lehrerausbildung. Physiotherapie schien mir da ein guter Mittelweg. Es ist und war mir wichtig, die Motivation für Bewegung zu teilen und weiterzugeben sowie in Teamarbeit Unmögliches möglich zu machen.

    Was ist deine Aufgabe als Teamleiterin?

    Als Teamleiterin bin ich die Organisatorin und Leitung der physiotherapeutischen Abteilung. Wir sind ein Team aus 11 Mitarbeitenden (inkl. 1 Praktikant/in). Ich bin verantwortlich, Vorgaben des Arbeitgebers einzuhalten. Ich wirke bei der Weiterentwicklung meines Fachbereichs mit und vernetzte und koordiniere die eigene Abteilung mit anderen Abteilungen und Fachbereichen. Ich organisiere und koordiniere die Klientenzuteilung und koordiniere die therapeutische Arbeit innerhalb der Abteilung und des Fachbereichs.

    Personell habe ich Mitsprache bei Anstellung, Führung und Entlassung von Mitarbeitenden. Ich plane und organisiere für den täglichen, möglichst reibungslosen Ablauf und leite wöchentliche Teamsitzungen. Auch organisiere ich die regelmässigen neuro-orthopädische Sprechstunden im Haus. Ich stelle Praktikanten der ZHAW im Zusatzmodul C an und bin als deren direkte Vorgesetzte auch verantwortlich für die Arbeitszeugnisse und den Praktikumsbetreuung-Kontakt mit der ZHAW. Als Key Userin erstelle ich zudem grob in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern die Arbeitspläne fürs gesamte Team.

    Was ist für dich eine gute Therapie? Was sind deine Ziele?

    In meinem Büro hängt der Spruch von Cromwell: «Every training system which excludes pleasure in sports is a monument of stupidity». Mir ist es wichtig, dass man durch eine gute Vertrauensbasis und Motivation Ziele erreichen kann. Dass man Veränderung erkennt, offen ist und diese schätzt. Dass die Klienten selbst nach Möglichkeit mitbestimmen können wohin ihr Weg führen soll. Und da die Physiotherapie meist ein jahrelanger Begleiter im Alltag von Klienten mit körperlichen Beeinträchtigungen ist, habe ich an mich den Anspruch, die Therapieinhalte immer wieder kreativ und motivierend zu gestalten. Ich sehe hier den Spass, die Motivation und eben das Vertrauen als sehr tragender, wichtiger Faktor für Erfolge.

    Was macht die Physiotherapie in der Rodtegg anders als in einer Praxis in der Stadt?

    Die Infrastruktur (rollstuhlgängig, Turnhalle, Kletterwand, Hallenbad, Bungee Trampolin, MTT, grosse Einzel- und Gruppenräume) und die langjährige Erfahrung der Mitarbeiter. Auch sind wir sehr gut vernetzt und können interdisziplinär viele Ressourcen abholen und anbieten.

    Wie bleibst du selbst in Bewegung?

    Nach Ballett, Jazz, Unihockey und Basketball trainiere ich seit 2002 Breakdance und war lange selbst damit in der Battle Szene national und international unterwegs. Noch immer gebe ich Workshops im In- und Ausland und reise regelmässig nach Uganda und arbeite dort mit dem Breakdance Project Uganda zusammen. Wir organisieren alle zwei Jahre in Zürich ein grosses Breakdance Festival mit Tanztheater, Wettkämpfen, Workshops, Kindertag usw. (Breakthrough Festival).

    Für mich selbst mache ich seit einer Weile täglich ein kleines Kraft- und Stabilisations- Programm und Yoga zu Hause. Je nach Wetter nehme ich das Fahrrad zum Bahnhof und/ oder laufe Teilstrecken. Vor der Corona-Zeit habe ich zudem 3-4mal wöchentlich in einem Jugend- und Kulturhaus trainiert. Aktuell ist dieses leider geschlossen. Am Wochenende trainiere ich intensiver als während der Woche, weil meine Tage mit dem Pendeln von 3h täglich zum Arbeitstag sehr lange sind. Auch reise ich nach wie vor an Battles (Wettkämpfe) im In- und Ausland - sei dies als Teilnehmerin, Jury oder einfach als Zuschauer. Ich bin Mitglied in der Swiss Breaking Association und uns beschäftigt aktuell den Aufbau einer Schweizer League/Punktesystem rund um die Vorbereitung der Aufnahme von Breakdance an die Olympischen Spiele im 2024.

    Möchtest du noch etwas sagen?

    Ich danke dir für die Anfrage zu diesem Interview!

    Und auch danke, dass du mir in all den Jahren in der Zusammenarbeit im Therapiealltag immer wieder bewiesen hast, welch massgebender Faktor die Motivation und eigene Ziele sind und dass man sich durch erste Misserfolge, Diagnosen oder aber Steine im Weg nicht aufhalten lassen muss.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude für deine Projekte und neuen Herausforderungen!

     

    Nadine, ich danke dir vielmals für das Interview. Herzlichen Dank, dass ich zu dir in die Physiotherapie kommen darf. Du hast ein grosser Teil dazu beigetragen, dass ich das Leben mit Assistenz erreichen konnte!

  • Der Wechsel von der Primarschule Illgau in die Oberstufe der Stiftung Rodtegg im August 2008 war eine sehr grosse und harte Lebensveränderung. Damals war ich 14 Jahre jung. Ich wusste nicht, was mich erwarten wird. Zuhause in Illgau wollte ich nicht viel darüber sprechen. Es war der Beginn des bisher schwierigsten Jahres in meinem Leben, da es auch der Beginn meiner Internatszeit war. Bis dahin war ich nie richtig von Zuhause und meiner Familie getrennt. Ein ganzes Jahr hatte ich Heimweh. Montagmorgen brachte mich meine Mutter immer nach Küssnacht SZ. Dort holte mich das Taxi ab. Weinend verabschiedete ich mich von meiner Mutter. Im ersten Jahr in der Rodtegg war die Schule nicht an erster Stelle, zu viel hatte ich mit mir selbst zu tun. Nebst meinem Heimweh wurde mir erst in der Rodtegg richtig bewusst, dass ich eine Beeinträchtigung habe und mich diese das ganze Leben begleiten wird. In der Primarschule war ich der Einzige mit einer Beeinträchtigung.

    «Ein ganzes Jahr hatte ich Heimweh»

    Das erste Jahr in der Rodtegg telefonierte ich oft mit meinen Eltern. Ich zählte jeweils die Stunden bis Freitagnachmittag - bis wieder nach Illgau zu meiner Familie durfte. Als ich mich an die Situation gewöhnt hatte, begann es mir besser zu gehen. Meine schulischen Leistungen nahmen stetig zu. Bis dahin drückte ich mich nur mit meiner Lautsprache und mit einer ABC-Tafel aus. Da ich in Illgau immer mit den gleichen Personen in Kontakt war, gelang die Kommunikation ohne Talker gut. Mit der Anschaffung des Talkers in der zweiten Oberstufe begann mein Lese-Verständnis zu wachsen. Dies auch im Zusammenhang mit der Absetzung meiner Epilepsie-Medikamente, die bis dahin meine Schulzeit geprägt haben. Von da an begann es mir immer besser zu gehen.

    «Es war der Beginn des bisher schwierigsten Jahres in meinem Leben.»

    Die Berufswahl: Handwerker und Grafiker kommt nicht in Frage

    Als es auf die Berufswahl zuging, wollte ich sehr lange nichts von Computer-Arbeit wissen. Ich wollte immer einen handwerklichen Beruf lernen. Dass dies nicht möglich ist, wurde mir erst bewusst, als ich die Firma Victorinox besichtigen durfte. Da wusste ich, dass ich nur im Büro eine Chance habe, weil alles andere nicht realistisch war. Ich entschied mich für das zweijährige Bürowärckjahr. Es war eine super Zeit. Ich habe den Computer kennen gelernt und gemerkt, dass es ganz spannend ist und ich damit sehr viel machen kann. Ich liebt es, zu gestalten. Mein neuer Traumberuf war Grafiker, dies war schon etwas realistischer. Natürlich wusste ich, dass ich schulisch zu viel verpasst hatte, um Grafiker werden zu können. Schon bald kam die Frage auf, was ich nach diesen zwei Jahren machen würde. Deshalb schnupperte ich eine Woche in der Bürofachschule in der Rodtegg. Ich war die ganze Woche sehr aufgeregt, da ich nicht wusste, ob meine schulischen Leistungen ausreichen würden. Doch ich habe es geschafft - ich durfte ein Jahr die Büroschule absolvieren.

    "Praktiker PrA Büroarbeiten"

    Für das anerkannte Diplom zum "Praktiker PrA Büroarbeiten" werden jedoch zwei Ausbildungsjahre verlangt. Die IV gab mir aber das zweite Jahr nicht und ich konnte meine Ausbildung nicht abschliessen. Die Begründung war, dass ich nie in der freien Marktwirtschaft arbeiten könne. Im Jahr 2017 lockerte die IV die Regelung für die Ausbildungen. Ich wollte meinen Abschluss unbedingt machen und durfte bei INSOS Schweiz einen Leistungsnachweis einbringen. Wieder war ich aufgeregt - reichen meine Leistungen oder muss ich noch ein Jahr die Schule besuchen? Es hat gereicht! 2017 erhielt ich meinen Abschluss zum «Praktiker PrA Büroarbeiten».

    Es war mehrheitlich eine sehr schöne und gute Zeit in der Rodtegg. Ich konnte sehr viel lernen und danke der Rodtegg von Herzen für alles.

    Es freut mich sehr, dass ich mit Herrn Helmut Bühler, Direktor der Rodtegg, ein Interview führen durfte.

    Interview mit Herrn Helmut Bühler, Direktor der Stiftung Rodtegg

    Herr Bühler, würden Sie sich kurz vorstellen?

    Ich bin Helmut Bühler, 54 Jahre, verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern und wohne in Ruswil. Nach langer Tätigkeit als Lehrer für Geschichte und Pädagogische Psychologie an einer kantonalen Mittelschule in Luzern habe ich 12 Jahre als Rektor eine Mittelschule geleitet und 2019 in die Stiftung Rodtegg gewechselt.

    Was bietet die Rodtegg an?

    Die Stiftung Rodtegg bietet Menschen mit körperlicher Behinderung ein umfassendes Dienstleistungsangebot an. Dieses umfasst Schulung, Ausbildung, Arbeiten und Wohnen. Wir sind zudem stark in Pflege, Therapie und Beratung und dies seit nunmehr 40 Jahren mitten in Luzern.

    Wie lange sind Sie bereits Direktor der Rodtegg?

    Seit September 2019 - also 15 Monate.

    Was ist Ihre Motivation, Direktor der Rodtegg zu sein. Warum haben Sie sich gerade die Rodtegg ausgewählt?

    Ich arbeite gerne mit Menschen für Menschen. Die Rodtegg bietet mir ein Arbeitsumfeld, das mir von der ersten Minute an gefällt. Es freut mich, meine Arbeit und meine Kompetenzen in einer sozialen Institution einzubringen. Die Stiftung Rodtegg ist mit ihrem Angebot sehr breit und vielfältig. Das macht die Arbeit spannend. Ich schätze dabei besonders den Austausch mit den Klientinnen und Klienten. Das ist stets bereichernd.

    Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

    Er ist geprägt von vielen Sitzungen – derzeit häufig in Teams oder Zoom – und vielen auch unplanbaren Fragestellungen. So kann es vorkommen, dass plötzlich ein Thema auf dem Pult ist, mit dem ich an diesem Tag nicht gerechnet habe. Derzeit hat häufig die Corona-Aktualität Vorrang. Oft wird mein Arbeitsablauf durch Mailings oder Telefonanrufe mitbestimmt. Da muss ich häufig entscheiden, was ist wichtig und was dringlich.

    Wie viel arbeiten Sie? Haben Sie genug Erholungszeit?

    Ich schreibe meine Arbeitszeit nicht auf. Im Normalfall stehe ich an meinem Pult. In der zweiten Hälfte des Nachmittags werden dann die Beine gewöhnlich müde und ich gönne mir den Stuhl. An den Wochenenden achte ich darauf, dass ich viel draussen sein kann. Das ist für mich die beste Erholung.

    Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

    Ich lese gerne Literatur und geschichtliche Bücher, dann pflege ich meinen privaten Zoo (div. Vögel und Fische) und treibe viel Ausdauersport in der Natur, vorzugsweise in den Bergen. Das Zusammensein mit Familie und Freunden bedeutet mir viel.

    Welche Herausforderungen bring Ihr Job mit sich?

    Ich darf mit vielen Menschen zusammenarbeiten. Meine Rolle ist häufig die der Führung und Leitung in Projekten und Sitzungen. Mir gefällt es, mich auf unterschiedliche Situationen und Menschen einzustellen und mit ihnen zusammen etwas zu erreichen. Dabei muss ich darauf achten, dass all die vielen Themen durch mich gut und effizient gemanagt werden. Dazugehört immer auch die passende Kommunikation.

    Womit sind Sie im Moment am meisten beschäftigt?

    Derzeit muss ich viel kommunizieren nach allen Seiten: Die Corona-Pandemie ist da im Vordergrund. Es läuft aber auch das Alltagsgeschäft weiter und wir planen jetzt schon viel an der Zukunft: Das 40 Jahr-Jubiläum der Rodtegg im 2021 steht bald an.

    Die Institutionen entwickeln sich stets weiter, eine Neuorientierung ist im Gang. Auch der Kanton Luzern möchte, dass sich die Institutionen mehr öffnen und neue Angebote schaffen. Dies auch im Bereich externe Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Das Ziel ist unter anderem, mehr Wahlfreit zu ermöglichen. Welche Rolle nimmt die Rodtegg in diesem Prozess ein?

    Wir wollen da unseren Beitrag leisten. Einzelne Leistungen, die wir jetzt bereits stationär in der Rodtegg anbieten, möchten wir in Zukunft auch ambulant erbringen. In Frage kommen da Fachassistenz bei begleitetem Wohnen oder die Öffnung der Therapien für externe Personen. Damit können wir es einzelnen Klientinnen und Klienten ermöglichen, sich konkrete mit dem Gedanken von selbständigem Wohnen auseinander zu setzen und dann in einem zweiten Schritt diesen Weg auch zu wagen. Das wäre schön.

    Was ist Ihre Aufgabe als Direktor in dieser Neustrukturierung?

    Meine Aufgabe dabei ist, die Mitarbeitenden für diesen Weg zu gewinnen, die Rahmenbedingungen zu gestalten und die Finanzierung zu sichern. Das alles kann die Rodtegg nicht allein, wir müssen uns mit anderen Institutionen vernetzen und im Austausch mit dem Kanton Luzern sein.

    Die Subjektfinanzierung nimmt immer mehr Fahrt auf. Studien sagen, dass wenn jemand 24 Stunden Assistenz braucht, er zwar zu Beginn mehr kostet, längerfristig jedoch günstiger kommt als in einer Institution. Geschweige bei Personen, die nicht so viel Assistenz brauchen und auch kein Fachpersonal benötigen. Bereitet Ihnen diese Entwicklung Kopfschmerzen oder sehen Sie diese als Chance?

    Da bin ich in meiner Rolle in der Tat etwas gespalten. Einerseits unterstütze ich das Bestreben nach individuellen, passförmigen Lösungen ganz klar. Ich kann den Wunsch nach Entscheidungsfreiheit, Selbständigkeit und Autonomie gut verstehen. Die «Subjektfinanzierung» könnte es einigen Menschen erleichtern, den Schritt noch vermehrt in diese Richtung zu gehen, was wünschenswert ist. Anderseits fordert uns die Komplexität der vielfältigen Möglichkeiten stark heraus. Ich denke da an die betreffenden Menschen mit Behinderung, deren Angehörige und auch an die Anbieter von Dienstleistungen. Entscheidend wird sein, wie kompliziert und um welchen Preis das alles zu haben ist. Damit meine ich den bürokratischen Aufwand und die vielen Absprachen, die nötig sein werden.  

    Die Rodtegg darf dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiern. Ist ein Fest geplant?

    Am Samstag 12.06.2021 findet ein Jubiläumsfest auf dem Areal der Rodtegg statt. Wir planen vielfältige Attraktionen für alle Interessierten und die Öffentlichkeit. Das Datum sollte man sich sofort merken. Wir hoffen derzeit, unsere Pläne werden nicht durch die aktuelle Pandemie durchkreuzt, sind aber freudigen Mutes.

    Möchten Sie noch etwas sagen?

    Vielen Dank, dass ich die Gelegenheit erhalten habe zu diesem Interview. Ich mache das gerne und verfolge interessiert Ihre Aktivitäten. Alles Gute!

    Herr Bühler, ich danke Ihnen herzlich, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben. Das ganze Active-Team gratuliert der Rodtegg zum 40-Jahre-Jubiläum.

    Im nächsten Blog werde ich über meine Physiotherapie berichten und erzählen, wie ich mich fit halte.

  • Nebst der Wohnungssuche war die Suche nach Assistenten der zweite grosse Teil der Vorbereitung in ein noch selbstbestimmteres Leben. Als ich noch in der Institution wohnte und arbeitete, begann ich mein Assistenzteam aufzubauen. Schon früh habe ich Personen angefragt, die früher einmal in der Institution gearbeitet haben oder immer noch dort arbeiten. Da ich die Assistenten im Nebenjob anstelle, haben einige direkt zugesagt. Zusätzlich habe ich viele Menschen, die ich kenne über WhatsApp angeschrieben und gefragt, ob sie bei mir arbeiten möchten. So hatte ich schnell 14 Assistenten zusammen.

    Team-Aufbau im Eiltempo

    Oft liegt die Schwierigkeit darin, zuerst eine Wohnung zu finden, da diese meistens innerhalb von drei Monaten bezogen werden muss. Das würde bedeuten, man müsste in den drei Monaten das ganze definitive Assistenzteam aufbauen, Arbeitsverträge ausstellen, alle Anträge schreiben, alle Hilfsmittel organisieren, vielleicht noch die Wohnung umbauen usw. Ich bin sehr dankbar, dass mir mein Vermieter, die Pensionskasse Luzern, fünf bis sechs Monate Zeit gab.

    Im Juli/August 2020 habe ich gespürt, dass das Assistenz-Management sehr gut läuft, ich jedoch noch mehr Personal brauchen könnte. So schrieb ich ein Inserat auf Facebook und führte Vorstellungsgespräche durch. Glücklicherweise konnte ich vier neue Assistenzpersonen anstellen.

    Was gibt’s zu tun?

    Meine Assistenten unterstützen mich hauptsächlich in Alltags- und Haushalts-Tätigkeiten oder sie leisten mir Hilfestellungen. Sie kochen für mich, helfen mir beim Essen einnehmen und machen den Haushalt. Sie helfen mir bei gewissen Transfers und bereiten alles vor, damit ich danach wieder selbständig sein kann. Zum Beispiel betten Sie jeweils die Bettdecke so, dass ich mich selbst zudecken kann. Sie legen das Ladekabel vom Elektrorollstuhl auf das Bett, damit ich ihn einstecken kann (wenn ich dann einmal ins Bett gehen würde😊). Ich habe Socken-Anziehhilfen. Die Assistenten stülpen jeden Tag neue Socken über die Anziehhilfen, damit ich die Socken am nächsten Morgen allein anziehen kann.

    «Ich bin sehr dankbar, dass ich ein Team von 18 Assistenten habe - dank ihnen kann ich in meiner eigenen Wohnung leben und ein selbstbestimmtes Leben führen.»

    Meine Schwester ist hauptverantwortlich für den Haushalt

    Meistens arbeiten die Assistenten am späten Vormittag oder um die Mittagszeit sowie am Abend. Bei mir machen alle Assistenten alles, je nach Diensteinteilung. Meine Schwester ist jedoch hauptverantwortlich für den Haushalt (natürlich mit mir zusammen). Sie kommt einmal pro Woche meine Wohnung putzen, Wäsche waschen und sie macht alles was in einem Haushalt so anfällt. Wir besprechen immer zusammen welche übrigen Aufgaben im Haushalt wann von wem erledigt werden müssen. Damit ich nicht alles 18x erzählen muss, arbeiten wir viel mit Anleitungen. Das funktioniert sehr gut. So haben wir auch gemeinsam ein Corona-Schutzkonzept erarbeitet, welches wir immer wieder an die vorgegebenen Massnahmen und an meine Situation anpassen.

    Assistenz-Management

    Das ganze Assistenz-Management mache ich. Im Outlook-Kalender habe ich Terminserien mit allen Standard-Assistenzdiensten erstellt, dort steht auch was die Assistenten etwa im Dienst erledigen. Meine Assistenten dürfen ihre Dienste frei wählen. Wenn einige Dienste noch nicht abgedeckt sind, schreibe ich die Daten in unseren WhatsApp-Chat, den wir vor allem für die schnelle Kommunikation nutzen. Falls eine Assistenz-Person krank ist oder aus anderen Gründen den Dienst nicht übernehmen kann, schreibt diese sofort in den Chat und sucht selbständig Ersatz.

    Ich biete Unterstützung beim Assistenz-Management

    Meine Assistenten und ich sind ein eingespieltes Team und haben oft sehr viel Spass zusammen. Das Management ist komplex, aber es bereitet mir grosse Freude. Gerne unterstütze ich Sie, falls Sie ein Wohnen mit Assistenz aufbauen möchten, wenn Sie beim Assistenz-Management Unterstützung benötigen oder wenn Sie sich einfach einmal mit mir austauschen möchten. Besonders in der Corona-Zeit bin ich auch gerne über Online-Chat für Sie da. Ich freu mich auf Ihre Kontaktaufnahme!

  • Die erste Ferienwoche der Herbstferien verbrachte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester. Von Illgau aus machten wir diverse Ausflüge. Wir fuhren mit der Hochstuckli-Bahn (die Bahn ist sehr speziell, denn sie dreht während der Fahrt ein paar Mal um die eigene Achse), überquerten eine Hängebrücke (eine wackelige Angelegenheit mit dem Elektrorollstuhl) und grillierten im Wald.

    Meine zweite Ferienwoche verbrachte ich mit einem Freund in Interlaken. Ich freute mich schon lange auf diese Woche. Wir gingen in Luzern noch etwas trinken, bevor wir mit dem Zug nach Interlaken fuhren. In der Jugendherberge wurden wir sehr freundlich empfangen. Am nächsten Tag gingen wir in den Naturschutzpark. Bäume, Pflanzen, Moore und noch viel mehr – sogar Eichhörnchen haben wir gesehen. Abends gingen wir meistens essen oder kochten etwas. Ich esse sehr gerne. Essen gehört für mich zu den Ferien. Natürlich darf der Wein auch nicht fehlen.

    Interlaken ist bekannt für Paragliding. Bereits als ich ca. 12 Jahre jung war, hatte ich den Traum vom Gleitschirmfliegen. Viele Jahre ging ich mit der Familie nach Fiesch in die Ferien. In Fiesch sah ich immer wieder Gleitschirmflieger und ich dachte das möchte ich auch einmal machen. Als ich genug alt war, bekam ich von meinen Eltern einen Flug in Fiesch geschenkt. Der Flug war sehr schön und für mich ging ein Traum in Erfüllung. Vor zwei Jahren ging ich zum zweiten Mal in Fiesch fliegen und noch ein weiteres Mal in Emmetten. Es ist zu einem Hobby geworden für mich. Mein Ziel ist es, ein bis zwei Mal pro Jahr gleitschirmfliegen zu gehen. Natürlich buchte ich auch in Interlaken einen Flug.

    «Es war bereits mein fünfter Gleitschirmflug.»

    Wir fuhren mit dem Auto auf den Beatenberg. Mein Pilot trug mich vom Auto zum Startplatz und zog die Gleitschirmschnallen an. Er und die Helfer hingen alle Karabiner ein und prüften die Sicherheit. "Alles OK" sagten sie, ausser der Wind. Wir mussten wenige Minuten warten bis wir optimalen Wind zum Starten hatten. Ein Mann war links und einer rechts und stützten den Gleitschirm. Da ich nicht selbst springen kann, sprangen Sie mit uns mit.  Sie halfen uns beim Absprung und schon waren wir in der Luft. Wir flogen über 30 Minuten wie ein Vogel über Interlaken. Die Natur von oben sehen, die Luft spüren und geniessen. Ich fühlte mich frei. Beim Landeanflug kamen drei Helfer angerannt. «Die Beine nach vorne strecken» sagte mein Pilot. Ich kam mit den Beinen und mit meinem Gesäss auf den Boden auf. Die Helfer bremsten uns ab. Dank der guten Polsterung bereitete mir die Landung keine Schmerzen. Am Boden angekommen hingen die Helfer wieder alle Karabiner aus und halfen mir aus den Gurten raus. Da kam auch schon ein Helfer mit meinem Elektrorollstuhl angefahren. Leider war es schon zu Ende. Am nächsten Tag bat ich meinen Freund noch einmal anzurufen und nachzufragen, ob ich noch einmal fliegen könnte. Er sagte zu mir: «Dieses Mal möchte ich auch fliegen» und wir buchten zwei Paragliding-Flüge. Beide Flüge in Interlaken machten mir sehr viel Spass und es war traumhaft schön. Eindrücke von unseren Flügen finden Sie in meinem Video.

    Im November-Blog werde ich die Arbeit meiner Assistenten genauer vorstellen. Bis dann!

  • In der Oberstufe war mein Ziel, mit dem ÖV von Luzern nach Brunnen zu reisen. Die Ergotherapie und die Wohngruppe haben mich auf diesem Weg stark unterstützt. Sie fuhren mit mir Bus und sie haben mir gezeigt, wie ich alles machen muss. Das Gefühl, als ich zum ersten Mal von einer Betreuungsperson zur Schiffsstation begleitet wurde und ich allein nach Brunnen fahren durfte, war unbeschreiblich. Es war ein Gefühl von Freiheit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Mit der Zeit lernte ich auch mit den anderen Verkehrsmitteln zu reisen.

    «Es war ein Gefühl von Freiheit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.»

    Heute fahre ich viel mit dem ÖV. Es wurde schon sehr viel für die Mobilität für Menschen mit Beeinträchtigung gemacht, doch gibt es noch einiges zu tun. Wie weit sollte die Autonomität beim Ein- und Aussteigen in den ÖV gehen? In der jetzigen Situation müssen die Buschauffeure aus dem Bus steigen und die Rampe runter klappen. Das ist für die Chauffeure und für uns Menschen mit Beeinträchtigungen, aber auch für Menschen im Alter sehr mühsam. Oft beobachte ich, dass Menschen im Alter kaum einsteigen können. Wenn Sie Glück haben, hilft ihnen jemand. So ist es auch bei den S-Bahnen. Viele Menschen denken, in der S-Bahn kann jeder selbständig ein- und aussteigen. Leider ist das noch viel zu oft nicht die Realität. Bei einigen Bahnhöfen stimmt die Perronhöhe nicht. Es wurde jedoch begonnen, die Züge so umzubauen, damit ein Zugwaggon zwei verschieden hohe Türen hat.

    Die InterRegio-Züge haben meistens noch ein weiteres Hindernis: Sie können die Rampen nicht rausfahren. Der Abstand zwischen dem Zug und dem Perron ist viel zu gross. Zum Glück gibt es die Bahnhofshilfe. Diese hilft Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen im Alter selbständig zu reisen. Menschen, die die Bahnhofshilfe brauchen, können sie per Telefon oder per E-Mail buchen. Bei grossen Bahnhöfen telefonisch etwa zwei Stunden im Voraus und per E-Mail eins bis zwei Tage im Voraus. Je nach Zug kommt die Bahnhofshilfe entweder mit der gelben Hebebühne oder mit einer Rampe zum Perron und hilft beim Ein- oder Aussteigen. Die Bahnhofshilfe leistet sehr gute und wertvolle Arbeit. Ich bin sehr dankbar dafür.

    Das Ziel muss aber das autonome Reisen für Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen im Alter sein. Autonomes Reisen ist Gleichberechtigung, da man nichts organisieren muss. Es fördert die Selbständigkeit und die Selbstbestimmung. Längerfristig ist es auch kostensparend, da es weniger Hilfspersonal braucht.

    Aktuelle Maskenpflicht im ÖV

    Haben Sie schon Menschen gesehen, die aktuell im öffentlichen Verkehr keine Maske tragen und nicht aufgefordert werden eine anzuziehen? Ich bin einer davon. Als die Maskenpflicht im ÖV eingeführt wurde, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich in Zukunft reisen werde. Ich kann motorisch keine Maske anziehen. Hinzu kommt, dass ich nicht gut atmen kann. Aber ich muss geschäftlich sowie auch privat mit dem ÖV fahren können. Ich fragte mich, ob die Behörden an uns gedacht haben, wollte aber nicht warten. Mit einer Assistenzperson rief ich meinen Arzt an und fragte ihn, ob ich ein Attest haben könnte, damit ich keine Schwierigkeiten kriege. Ein paar Tage später wurde in der Tagesschau darüber berichtet, dass es eben Menschen gibt, die von der Maskenpflicht ausgenommen sind - da gehöre ich auch dazu. Trotzdem ist es gut, wenn ich mein Attest dabeihabe. So ist es klar und ich kann die Fahrt mit dem ÖV geniessen, denn der ÖV ist für mich sehr wichtig.

    Im Oktober-Blog erwarten Sie spannende Berichte über meine Sommer- und Herbstferien. Bis dann!

  • Da Active Communication ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung ist, durfte ich am Einführungstag in Nottwil teilnehmen. Dieser ist für alle neuen Mitarbeiter der Gruppe bestimmt. Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut. Mein Assistent war bereits um 06:30 Uhr bei mir. Zusammen fuhren wir mit dem ÖV nach Nottwil.

    Im SPZ angekommen nahmen wir am ersten Vortrag über die Unternehmenskultur teil, es war sehr spannend. Nach der Pause starteten wir mit dem Rundgang. Wir lernten zuerst die Paraplegiker-Vereinigung kennen, die ihre Mitglieder in den verschiedensten Lebenssituationen unterstützt. Normalerweise organisiert die Vereinigung bis zu 350 Anlässe pro Jahr, das ist einfach gigantisch! Dieses Jahr ist bekanntlich alles etwas anders. Ausserdem haben Sie ein grosses Ferienangebot. Gerne würde ich einmal mitfahren.

    Die neuen Sanitäter-Ausbildungsräume waren das grosse Highlight des Rundgangs. Die Räume wurden so gestaltet wie im Spital mit einem Bett, Beatmungsmaschinen und noch viel mehr. Mit Vorhängen kann innerhalb von wenigen Sekunden ein neuer Raum «erstellt» werden. Ein Vorhang war ein Operationssaal, der nächste ein Wohnzimmer und der dritte war eine Baustelle. In einem Bett lag eine Puppe. Diese können die Dozenten vom Kontrollraum aus steuern. Zum Beispiel befindet sich im Mund der Puppe ein Mikrofon, über welches die Auszubildenden von der Puppe authentische Antworten erhalten, welche von den Dozenten gesteuert werden. Die Kontrollräume befinden sich hinter einer Scheibe und hatten eine Ähnlichkeit mit einem Verhörraum im Kommissariat.

    «Es wurde mir bewusst, dass ich ein Teil von etwas ganz Grossem bin.»

    Auf dem Weg nach draussen sahen wir einen Rega-Helikopter, der für die Ausbildung gebraucht wird. Nach dem Mittag stellte unser Geschäftsführer, Fiore Capone, die Active Communication vor. Es wurde mir bewusst, dass ich ein Teil von etwas ganz Grossem bin. Für mich war es speziell, nicht als Kunde, sondern als Angestellter im SPZ zu sein.

    In Sachen Mobilität und Orthopädie für Menschen mit Beeinträchtigungen ist die Firma Orthotec eine sehr kompetente Anlaufstelle. Sie gehört ebenfalls zur Unternehmensgruppe der Schweizer Paraplegiker Stiftung. Wir durften die Autogarage besuchen. Dort werden Autos auf individuelle Bedürfnisse angepasst und umgebaut. Die Ortothec macht einfache sowie auch sehr komplexe Umbauten, wie zum Beispiel ein Auto mit Joysticksteuerung. In der Rollstuhl-Werkstatt der Orthotec war ich nicht zum ersten Mal - ich bin ein sehr zufriedener Kunde. Handrollstühle, Elektrorollstühle, Fahrräder und noch viele weitere Hilfsmittel werden abgeklärt, angepasst und gewartet, darunter auch Sitzschalen. Ich brauche eine neue Sitzschale, da die jetzige nicht mehr passt. Es ist sehr wichtig, dass dieses Hilfsmittel korrekt angepasst ist, da wir Rollstuhlfahrer sehr viele Stunde im Rollstuhl sitzen.

    Zum Abschluss durften meinen neuen Arbeitskollegen von der SPG in der Turnhalle ihre eigene Erfahrung mit einem Rollstuhl machen. Ich finde das sehr wichtig. Ich danke der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und der Active Communication, dass ich an diesem spannenden Einführungstag teilnehmen durfte. Mit viel Freude und Motivation werde ich für Active Communication arbeiten. Ich bin stolz, dass ich ein Mitarbeiter der SPG sein darf.

    Lesen Sie in meinem September Blog wie ich mit dem ÖV reise: Was muss ich beachten? Welche Hürden gibt es? Was bedeutet die Maskenpflicht im ÖV für mich?

  • Bis ich meine eigene Wohnung hatte, war es ein langer Weg. Als ich mich im September 2018 entschieden habe, dass ich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen möchte, konnte ich vieles noch nicht: morgens vom Bett in den Elektrorollstuhl transferieren, meine Kleider anziehen, aufs WC gehen und noch vieles mehr. Meine Entscheidung hat mich verändert. Sie gab mir eine riesige Motivation, alles aus mir herauszuholen. Dazu kam, dass ich von klein auf immer wieder Therapie gemacht habe. Deswegen war ich geistig und körperlich bereit für grosse Veränderungen.

    «Nicht alles ist möglich, aber sehr vieles.»

    Ich hatte ein Ziel. Und ich habe mir gesagt, es ist nicht alles möglich, aber sehr viel. So habe ich begonnen, viele Dinge mit Aufsicht selbst zu versuchen. Nach einiger Zeit habe ich meine Physiotherapeutin gefragt, ob ich in eine REHA gehen kann. Ich wollte Zeit haben, damit ich Sicherheit gewinne und die richtige Technik für den Alltag erlernen kann. Ende Februar 2019 ging ich für sechs Wochen ins REHAB nach Basel. Fünf Tage pro Woche hatte ich von morgens bis abends Therapie oder selbständiges Training. Ich kam oft an meine Grenzen. Etwa drei Wochen habe ich fast jeden Tag geübt, die Socken allein anzuziehen. In der Ergotherapie haben wir verschiedene Hilfsmittel ausprobiert, bis wir das richtige gefunden hatten und ich die Socken allein anziehen konnte. Auf diese Weise habe ich auch transferieren gelernt. Mein Elektrorollstuhl ist seit der REHA vorne und hinten auf beiden Seiten mit Schlaufen ausgestattet, so dass ich mich beim Transferieren in den Elektrorollstuhl hinüberziehen kann. Wir haben alle täglichen Herausforderungen besprochen und nach Lösungen gesucht. Nebenbei haben sie mich bei der Assistenzplanung unterstützt.

    «Ich liebe es, in der Natur zu sein.»

    Heute lebe ich mit Assistenz. Anfang dieses Monats habe ich einen Tagesausflug mit einer Assistentin gemacht. Wie ich gehofft habe, war das Wetter schön. Wir machten eine grossartige Schifffahrt vom Verkehrshaus Luzern nach Beckenried. Dann gings weiter mit der Seilbahn auf die Klewenalp. Es wurde Zeit fürs Mittagessen. Da ich am Morgen bereits Therapie hatte, war mein Appetit gross. Während meine Assistentin auch etwas zu sich nahm, legte ich mich an die Sonne. Am Nachmittag gingen wir auf den Rundweg. Wir sahen sehr viele Blumen. Ich liebe es, in der Natur zu sein.

    Einige Tage später ging ich mit meinem Kollegen, der auch mein Assistent ist, wandern. Da haben wir wieder einmal gelernt, dass wir uns vorher richtig über die Rollstuhlgängigkeit der Wanderwege erkundigen sollten. Das war ein grosses Abenteuer, das zum Glück gut ausging. Wir haben alles gut überstanden und mein Rollstuhl kam auch einwandfrei in Illgau bei meinen Eltern an. Nur war er noch nicht ganz geeignet für die Wohnung. Mein Vater musste ihn zuerst reinigen. Dies ist jedoch für meine Eltern nichts Neues. Am nächsten Tag ging ich wieder in die Natur wandern und mein Rollstuhl musste erneut geputzt werden. Ich geniesse die Ausflüge und die neu gewonnene Freiheit und freue mich schon jetzt auf das nächste Mal.

    Nächte Woche habe ich meinen Einführungstag im SPZ in Nottwil. Dort erhalten alle neuen Mitarbeiter einen Einblick in die SPG-Gruppe und die verschiedenen Tochtergesellschaften. Ich freue mich sehr darauf. Wie ich diesen Tag erlebt habe, wie es mir gefallen hat und noch viel mehr aus meinem nicht ganz alltäglichen Alltag könnt ihr im August-Blog lesen. Bis dahin wünsche ich allen eine schöne Sommerzeit.

  • Am Montag 25. Mai war es endlich soweit: Ich kehrte zurück nach Luzern in meine eigene Wohnung. Es war ein Gefühl von Heimkehren. Ein Gefühl, das ich in den letzten 12 Jahren kaum hatte. Langsam beginne ich zu realisieren, dass sich mein Leben um 180° gedreht hat. Alles was mit dieser Veränderung zu tun hat, habe ich selbst, mit Hilfe von Beratung, bestimmt. Selbstbestimmung ist für mich sehr wichtig. Ich hätte jedoch kaum gedacht, dass ich lernen muss, mit so viel Selbstbestimmung umzugehen. Wann möchte ich Assistenz und wann nicht? Möchte ich am Wochenende einen Ausflug mit einer Assistenzperson machen? Möchte ich nur mittags und abends Assistenz haben?  Oder möchte ich doch lieber zu meiner Familie gehen? Diese Entscheidungen selbst treffen zu können, ist sehr schön, jedoch auch noch ungewohnt für mich.

    Seit ich in meiner eigenen Wohnung lebe, werde ich oft gefragt, wie ich die Assistenten bezahle. Als ich in der Institution lebte, war dies fast nie ein Thema, obwohl das Assistenzmodell vielfach als kosteneffizienter erscheint. Es scheint, als ob das Assistenzmodell noch zu neu und zu wenig bekannt ist - das möchte ich ändern! Es darf nicht sein, dass das Wohnen in einer Institution und das Wohnen mit Assistenz einander gegenübergestellt werden. Das Ziel sollte die Wahlfreiheit sein. Dafür müsste es aber noch mehr Anlaufstellen, wie "luniq" in der ganzen Schweiz geben, die eine begleitende Rolle einnehmen. Auch zentrale Stellen, welche die ganze Assistenz-Administration übernehmen, könnten sehr hilfreich sein, da die Anforderungen für das Assistenzmodell hoch sind. Diese Arbeit könnten auch Bürowerkstätten in Institutionen übernehmen.

    Nun, wie erstelle ich die Assistenzabrechnung?
    Jeden Monat erhalten meine Assistenten einen neuen Rapport, den sie ausfüllen. Sie notieren dort die Anzahl Stunden, die sie täglich arbeiten. Anfangs des Folgemonats zähle ich alle Stunden jeder Assistenzperson zusammen und erstelle die Lohnabrechnungen. Ich überweise die Löhne und versende die Lohnabrechnung per E-Mail. Jeden Monat schreibe ich zudem eine Rechnung an die IV. Darauf stehen alle Stunden, die ich im Monat Assistenz gebraucht habe, die ich dann vom IV-Assistenzbeitrag zurückerstattet bekomme.

    Am Donnerstag, 18. Juni durfte ich meinen ersten Arbeitstag in Steinhausen erleben. Ich fuhr mit dem ÖV von Luzern nach Steinhausen. Während der Fahrt dachte ich über meinen Weg nach, welchen ich bis zu diesem Tag zurückgelegt habe. Es war ein unbeschreibliches Gefühl und ich hatte grosse Freude.

    Um die Mittagszeit kam ich bei Active Communication an. Ganz spontan habe ich das Marketing-Team in die Mittagspause nach draussen begleitet. Nach dem Mittag kam auch Thomas Bräm von mitschaffe.ch an. Das Einführungsgespräch war sehr spannend und verlief super. Die Zusammenarbeit mit mitschaffe.ch und die wichtigsten Regelungen wurden besprochen. Noch ein schönes Gruppenfoto und dann ran an den Computer. Doch zum Arbeiten kam ich noch nicht wirklich, wir waren mit der Einrichtung meines Arbeitsplatzes beschäftigt. Ein Blick auf die Uhr und schon war Feierabend. Glücklich und zufrieden machte ich mich nach meinem ersten Arbeitstag in Steinhausen auf den Heimweg nach Luzern.

    Ich freue mich auf einen spannenden und sinnvollen Job bei Active Communication.

    So geht es in meinem Juli-Blog weiter:

    • Privat habe ich vor, mit den Assistenten Tagesausflüge zu machen und so noch mal einen Teil meiner neuen Selbstbestimmung kennenzulernen. Wie wird das für mich sein?
    • Ich blicke auf die letzten zwei Jahre zurück: Wie habe ich mich auf das Wohnen mit Assistenz vorbereitet? Warum ging ich sechs Wochen in die REHA? Und wie war die REHA für mich?
  • Mein erster Arbeitstag

    Am 5. Mai 2020 war mein erster Arbeitstag bei Active Communication. Leider nicht vor Ort in Steinhausen, sondern von Zuhause aus per Video-Besprechung. Ich wurde offiziell begrüsst und lerne meine zukünftigen Aufgaben kennen. Dieser Tag war für mich sehr speziell - ein langjähriger Traum nahm an diesem Tag seinen Anfang. Meine Freude war so gross, dass ich in der darauffolgenden Nacht kaum einschlafen konnte. Obwohl ich als Botschafter schon lange ein Teil von AC bin, durchdrang mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich darf bei der Firma arbeiten, die zu einem grossen Teil mein Leben, so wie ich es jetzt leben kann, ermöglicht hat. Mit viel Freude werde ich meinen Teil zu unserer Mission WE INTEGRATE. ACTIVE beitragen.

    Wohnsituation

    Aufgrund der Corona-Krise wohne ich nach wie vor in Illgau bei meiner Familie. So lange hier zu sein bedeutet für mich auch, dass ich nicht in die Physiotherapie gehen kann. Doch wenn ich wieder in meiner Wohnung bin, muss ich teilweise ohne Assistenz allein zurechtkommen. Es sind dann keine Eltern mehr da, die ich rufen kann (was momentan sehr bequem ist 😉)

    Seit einiger Zeit gehe ich etwa an fünf Tagen pro Woche je ca. 45 Minuten mit meinem Rollator spazieren. Meine Schwester, die gleichzeitig auch meine Assistentin ist, begleitet mich dabei. "Seit wann kannst du denn so zu Fuss gehen?" fragen mich die Menschen im Dorf. Sie kennen mich fast nur im Rollstuhl. Am Donnerstag, 7. Mai, war ich eine Stunde und 15 Minuten zu Fuss unterwegs - das ist der Rekord! Laufen stärkt meine Muskeln, regt die Durchblutung an und fördert meine Koordination. Auch die Transfers mache ich oft allein, damit ich bereit bin, wenn ich Ende Mai wieder in meine Wohnung nach Luzern zurückkehre.

    Um auch in meiner eigenen Wohnung die sozialen Kontakte möglichst bescheiden zu halten, konnte ich aus meinem 14-köpfigen Assistententeam ein Kernteam von drei Personen zusammenstellen.

    Gerne möchte ich euch meine Rolle als Arbeitgeber vorstellen: Was sind meine Aufgaben? Der IV-Assistenzbeitrag ist so aufgebaut, dass ausschliesslich Privatpersonen angestellt werden können. Also musste ich meine Assistenten selbst suchen. Die IV hat mir ein Muster eines Arbeitsvertrages zur Verfügung gestellt, welches ich nach meinen Bedürfnissen anpassen konnte. Die Procap hat mich dabei unterstützt. Schon 1.5 Jahre vor meinem Umzug begann ich, mir folgende Gedanken zu machen: Wann brauche ich Hilfe?, Wo brauche ich Unterstützung, Was kann ich noch dazu lernen?

    Aus diesen Überlegungen erstellte ich einen Grundplan ohne Namen. Meine Assistenten teilen mir dann mit, wann sie arbeiten können. Anschliessend nehme ich die Personaleinteilung vor und versende den definitiven Arbeitsplan. Ab diesem Zeitpunkt sind die Assistenten selbst für ihre Dienste verantwortlich. Dies bedeutet, dass Sie bei Dienstverhinderung innerhalb des Teams selbst Ersatz suchen müssen.

    Lesen Sie im Juni-Blog:

    • Wie erstelle ich die Assistenzabrechnung?
    • Wie wird die Rückkehr nach Luzern in meine Wohnung?
    • Wird der Arbeitsstart im Juni in Steinhausen möglich sein?
  • Im Februar 2020 habe ich meine eigene Wohnung in Luzern bezogen und lebe seither mit Assistenz. Dies bedeutet, dass ich 14 Assistenten angestellt habe. Bevor ich meine eigene Wohnung bezog, lebte ich mehr als elf Jahre in der Stiftung Rodtegg, wo ich als Büropraktiker und in der «bürowärckstatt» in der Buchhaltung tätig war. Ich bin Botschafter und ab Mai neu auch Mitarbeiter bei Active Communication, was mich sehr freut.

    Aufgrund der aktuellen Situation rund um den Coronavirus (COVID-19) habe ich mich mit meiner Familie entschieden, über diese Zeit in Illgau bei meinen Eltern zu leben. Diese Entscheidung war richtig, dennoch war sie schwer für mich.

    Nach 1.5 Jahren Vorbereitung durfte ich am 1. Februar 2020 meine erste eigene Wohnung beziehen. Der Umzug verlief sehr gut und auch die Assistenzplanung funktionierte einwandfrei. Ich fühlte mich wohl und meine Wohnung wurde schnell zu meinem neuen Zuhause.

    Nun bin ich seit dem 20. März in Illgau. Es geht mir sehr gut hier bei meiner Familie, jedoch vermisse ich meine Wohnung, meine Selbständigkeit und meine Assistenten. Ich lebe gerne in Illgau. In den letzten Wochen war das Wetter traumhaft. Hier in der Natur gibt es viele schöne Orte die ich mit dem Rollstuhl besuchen kann, ohne die Vorgaben des Bundes zu verletzen. Vorausgesetzt es gibt keine Ausgangssperre.

    Die Zeit Zuhause habe ich genutzt, um das Assistenz-Management zu vereinfachen und dadurch viel Zeit einzusparen. Somit habe ich - wenn ich wieder in Luzern wohne - viel mehr Zeit für andere Dinge. Wie zum Beispiel für meine Arbeit bei Active Communication.

    Ich habe im Office-Programm Excel mein eigenes Buchhaltungs-Programm mit sehr vielen Formeln programmiert. So, dass ich jeweils per Ende des Monates nur noch zwei Zahlen pro Assistenten eintragen muss und ich dann alles auf einen Blick sehe: Die Löhne, Monatsstunden, Monatsrechnung, Jahresrechnung, mein momentanes Jahresstundenguthaben und noch viel mehr. Ich finde die Tabelle super. Nicht weil ich sie selbst erstellt habe, sondern weil durch mein Assistenz-Management-Programm alles einfacher, übersichtlicher und viel weniger zeitintensiv ist.

    Bei Interesse an diesem Programm, dürfen Sie mir gerne eine Anfrage senden. Ich würde das Programm dann auf Ihre Wünsche anpassen.

    Falls Sie einmal live mit mir sprechen möchten, bin ich aktuell über Video-Chat für Sie da. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme. Bleiben Sie gesund.

    Daniel Rickenbacher

    PS: Im Mai-Blog berichte ich über meinen Arbeitsstart bei Active Communication. Lesen lohnt sich!

  • zum Beitrag

    Seit rund zehn Jahren kommuniziert der junge Mann über einen Talker, der an seinem Elektrorollstuhl befestigt ist – ein speziell konfiguriertes Tablet, das Tasteneingaben akustisch als Sätze wiedergibt. Der Sprachcomputer verleiht Daniel Rickenbacher eine klar verständliche Stimme. Wie erlebt er dieses Gerät?

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