Die Sporttherapie ist Teil des interdisziplinären Rehabilitationsteams und nutzt die Instrumente des Sports um die Rehabilitationsziele, zum Beispiel die Verbesserung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Bewegungskoordination zu erreichen.

In enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Physiotherapeuten werden die Rehabilitationsziele des Patienten verfolgt. Das übergeordnete Ziel für den Patienten ist die grösstmögliche Teilhabe und damit die bestmögliche Integration im sozialen Leben. In der Sporttherapie geht es neben der Optimierung der motorischen Fähigkeiten auch darum, die Fertigkeiten im Rollstuhl zu verbessern und die Motivation zu lebenslanger Sportaktivität zu fördern. Zusätzlich dient die regelmässige Sportaktivität der Prävention von Bewegungsmangelerkrankungen, die beim Rollstuhlfahrer noch bedeutender sind als beim Fussgänger.


Einzel- und Gruppentherapien

Die Sporttherapie im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) bietet täglich Gruppen- und Einzeltherapien an, welche auf die Funktionen und Ziele der einzelnen Personen abgestimmt ist. Dazu stehen den Patienten die Sporthalle, die Schwimmhalle, der Kraftraum, die Bogenschiessanlage, der Tischtennisraum, der Leichtathletikplatz wie auch das gesamte SPZ-Gelände zur Verfügung. Die Gruppentherapien bieten zudem Platz für den Erfahrungsaustausch von Patient zu Patient - für soziale Interaktion und Integration.

Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht

  • Im Kraftraum wird die innervierte Muskulatur trainiert. Für jeden einzelnen Patienten wird dazu ein individualisiertes Trainingsprogramm zusammengestellt, um die Kraft, die Koordination, den Muskelaufbau und die Kraftausdauer zu verbessern. Der Kraftraum wird täglich mehrere Stunden durch einen Therapeuten der Physio- oder Sporttherapie betreut und kann für das individuelle Training benutzt werden.

  • Am Arm- oder Beinergometer wird die Ausdauer in der Gruppe trainiert. Das Trainingsprogramm der Ausdauergruppe wird über insgesamt vier Wochen aufgebaut. In dieser Zeitspanne absolvieren die Gruppenmitglieder unter Anleitung pro Woche 3 Ausdauertrainings mittels Intervall- oder Dauermethode. Anschliessend besteht die Möglichkeit, das Ausdauertraining in Eigenregie fortzusetzen oder gegebenenfalls die Gruppe ein zweites Mal zu besuchen.

  • Beim Bogenschiessen in Kleingruppen werden neben der Kräftigung der Schulter- und Armmuskulatur auch die Stabilisation des Rumpfes, die Konzentrationsfähigkeit und die Balance geübt. Das Bogenschiessen kann sitzend im Rollstuhl, im freien Sitz, kniend oder stehend durchgeführt werden. Bei eingeschränkter Handfunktion stehen verschiedene Hilfsmittel zur Vereinfachung der Schiesstechnik zur Verfügung.

  • In der Schwimmgruppe können verschiedene Schwimmtechniken und Lauftechniken (mit Auftriebswesten) verfeinert und trainiert werden. Dabei kann an unterschiedlichen Zielen wie z. B. ein Herzkreislauftraining, die Verbesserung des Rückenschwimmens oder das Training der Beinbewegung gearbeitet werden. Um eine grösstmögliche Selbstständigkeit zu erlangen, werden vorbereitend verschiedene Transfertechniken in und aus dem Schwimmbecken geschult.

  • Neben einer guten Reaktionsfähigkeit und Geschicklichkeit erfordert das Tischtennisspiel eine gute Konzentrationsfähigkeit und eine gute Balance im Rollstuhl oder Stand. Das reaktive Spiel in der Gruppe aktiviert die gesamte innervierte Muskulatur und kann im Sitzen wie auch im Stehen durchgeführt werden.

Mobilität

  • Im Rolli-Fit können Rollstuhlfahrer, Elektrorollstuhlfahrer und (Teil-)Fussgänger gleichzeitig mitmachen. In einer niederdosierten Therapie können leichte Mobilitäts-, Dehnungs- und Kräftigungs- und Entspannungsübungen bereits in der Anfangsphase der Rehabilitation gelernt und durchgeführt werden. Die Übungen werden dabei individuell an die vorhandenen Funktionen des jeweiligen Patienten angepasst.

  • In angepassten Spielsituationen werden die Koordination, die Ausdauer und die Stabilität im Rollstuhl und die Rollstuhltechnik angewendet und verbessert. In den Gruppen werden verschiedene Spiele und Sportarten vorgestellt und ausprobiert, welche auch nach Austritt in der Freizeit oder in einem Rollstuhlclub fortgeführt werden können. Das Spieltraining wird in zwei Intensitätsstufen durchgeführt: Spiel 1: verschiedene kleine Spiele ohne Körperkontakt mit oder ohne Handgeräte Spiel 2: verschiedene Sportspiele (z. B. Basketball, Badminton, Unihockey) mit Körperkontakt im manuellen Rollstuhl oder Sportrollstuhl.

  • Beim Stadttraining in Luzern können Rollstuhlfahrer mit oder ohne elektrischem Antrieb wie auch Fussgänger die in der Therapie trainierten Techniken anwenden. Im Stadttraining werden das Zug- oder Busfahren ausprobiert, Trottoirränder auf- und abgestiegen, Treppen bewältigt, Rolltreppen befahren wie auch das Begehen und Befahren von Pflastersteinstrassen und Steigungen geübt. Die Kleingruppen werden von Ergo-, Physio- und Sporttherapeuten angeleitet.

  • Im Techniktraining gilt es, die bestmögliche und ökonomischste Antriebstechnik zu finden. Zudem werden die Patienten mit alltagsähnlichen Hindernissen wie z. B. Rampen, Stufen oder Trottoir konfrontiert um eine bestmögliche Sicherheit im Rollstuhl zu erlangen. Das Techniktraining wird in zwei Schwierigkeitsstufen angeboten: Stufe 1: Fahren auf 4 Rädern, Ankippen über Schwellen und kleine Stufen, Rollstuhlhandhabung im häuslichen Umfeld. Stufe 2: Fahren und Balancieren auf den Hinterrädern, kleinere und grössere Stufen und Rampen befahren können, bewältigen von Alltagshindernissen ausser Haus.

Weitere Sportangebote

  • Die Ersterprobung eines Vorspannbikes, Liegevelos oder Fuss-Liegevelos wird in der Regel als Einzeltherapie angeboten. Ab 2018 kann das Handbiken und Liegevelofahren auch in einer wöchentlich stattfindenden Gruppe trainiert werden.

  • Mehrmals pro Jahr können erste Paddelversuche im Schwimmbad SPZ gemacht werden. Im Kajak sind die Koordination, die Ausdauer, das Gleichgewicht im Sitz und die Rumpfstabilität intensiv gefordert. Gleichzeitig muss die Kraft und das Timing stimmen, um das Boot zielgerichtet und sicher zu bewegen.

  • Für interessierte Skifahrer und Wintersportler bietet die Sporttherapie jährlich 2-3 Schnuppertage im Monoskibob. Im 1:1-Unterricht wird die Technik des Monoskibobfahrens instruiert und geübt. Die erfahrenen Skilehrer der Skischule Sörenberg verfügen über eine Spezialausbildung im Monoskibob mit Rollstuhlfahrern. Monoskibob fahren erfordert Kraft, Ausdauer und eine gute Koordination.

Saisonale Sportangebote

Des Weiteren organisiert die Sporttherapie saisonale Sportangebote (in Gruppen oder nach Bedarf als Einzeltherapie) zum Schnuppern wie zum Beispiel:

  • Schwimmen im See

  • Tauchen
  • Rennrollstuhl
  • Tennis
  • Indoor-Curling

In Zusammenarbeit mit der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) und dem Rollstuhlclub Zentralschweiz wird den Patienten gegen Ende der Rehabilitation die Teilnahme am regelmässigen Vereinstraining zusammen mit externen Rollstuhlsportlern angeboten.

Unsere Fachpersonen

  • Pirmin Oberson

    Co-Leiter Therapiemanagement

  • Jessica Decker

    Co-Leiterin Therapiemanagement

Kontakt

Öffnungszeiten Sekretariat

Montag bis Donnerstag:
08.00 - 12.00 Uhr
13.00 - 17.00 Uhr

Freitag:
08.00 - 12.00 Uhr
13.00 - 16.00 Uhr

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